Weiß: „Nichts mehr schönzureden“

Offenbacher Parteien deuten Wahlergebnisse

Offenbach - Auch in Offenbach hat die FDP historisch schlecht abgeschnitten. Während die CDU der große Gewinner ist, hat das Ergebnis für die SPD zwei Gesichter. Von Matthias Dahmer

Obwohl gegen 21.30 Uhr gestern Abend noch längst nicht alle Ergebnisse bis zur zweiten Stelle hinter dem Komma vorliegen, gibt es für einen überhaupt nichts mehr schönzureden: „Das Ergebnis hat eine Eindeutigkeit, da ist Kaffeesatzleserei nicht mehr angebracht“, sagte ein mit seiner FDP ganz tief gefallener Bundestagskandidat Paul-Gerhard Weiß bei der Wahl-Pressekonferenz im Rathaus.

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Habe die FDP vor vier Jahren noch das historisch beste Ergebnis eingefahren, so sei es nun das historisch schlechteste. Weiß plädiert für einen „personellen und konzeptionellen Neuanfang“, schlägt als neuen Bundesvorsitzenden den FDP-Chef von Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner, vor. Trotz der Niederlage sei die FDP eine Partei mit starken Wurzeln und werde nicht untergehen, so Weiß. Noch härter geht sein Parteikollege und Landtagskandidat Oliver Stirböck mit seiner Partei ins Gericht. Man habe die Quittung für einen unwürdigen Wahlkampf bekommen. Es habe sich für die FDP nicht ausgezahlt, ein „besserer Kanzlerin-Wahlverein“ zu sein.

Bei den Grünen bestimmt ebenfalls Enttäuschung – wenn auch nicht in liberalen Dimensionen – die Gemütslage. „Wir haben unser Ziel nicht erreicht, konnten nicht elegant mit Rot-Grün eine neue Regierung bilden“, klagt Offenbachs Grünen-Chefin Birgit Simon. Mit Blick auf die reinen Offenbacher Ergebnisse sagt sie, die Grünen hätten sich hier „gut gehalten“. Von einem „bitteren Ergebnis“ spricht der grüne Bundestagskandidat Wolfgang Strengmann-Kuhn. Die Grünen hätten ihre Kernthemen nicht positiv verkaufen können. Ob er wieder in den Bundestag einziehe, sei derzeit noch offen.

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Zufrieden zeigt sich dagegen CDU-Fraktionschef Peter Freier. Peter Wichtel habe wieder sein Direktmandat für den Bundestag geholt, und Stefan Grüttner habe sein Landtagsmandat zum sechsten Mal verteidigt. Freier hofft mit Blick auf eine theoretisch mögliche rot-rot-grüne Regierung, dass es keinen „Wortbruch in Wiesbaden“ gibt. Klare politische Verhältnisse in Hessen seien auch für Offenbach wichtig.

Für den Offenbacher SPD-Vorsitzenden Felix Schwenke hat das Ergebnis „zwei Gesichter“: Positiv sei, dass die SPD überall hinzugewonnen habe. Bedauerlich hingegen, dass keiner der Wahlkreise gewonnen worden sei.

Für Robert Weißenbrunner, Kreisvorsitzender der Linken, hat sich seine Partei in Hessen und in Offenbach etabliert. Freude empfindet er darüber, dass die FDP „keine Rolle mehr spielt“. In Richtung SPD signalisiert er die Bereitschaft der Linken mitzuregieren. Was den Fluglärm in de Rhein-Main-Region angeht, meint Weißbrunner, „das war wohl nicht das Thema, weswegen wir gewählt wurden.“

Ähnlich sieht das der Linken-Direktkandidat für den Landtag, der parteilose Dieter Faulenbach da Costa: „Das war eine grandiose Fehleinschätzung von mir, der Fluglärm hat keine Rolle gespielt.“ Er prognostiziert, bei dem Thema werde es in den nächsten vier Jahren keine großen Veränderungen geben und zeigte sich besorgt über die langfristigen Folgen.

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