Nichts für Warmduscher

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Schwimmen, bevor die Sonne aufgeht. Julia Bohn bereitet sich auf den nächsten Triathlon vor. 

Offenbach - 5.45 Uhr. „Mist. Warum mache ich das überhaupt, da ist doch sowieso keiner“, denke ich an diesem frühen Spätsommermorgen während der Fahrt zum Waldschwimmbad. Blöde Idee, eine Geschichte über die Frühschwimmer zu schreiben. Stockfinster ist es noch, da geht doch niemand ins Wasser. Von Matthias Dahmer

Nach dem Frühsport in den feinen Zwirn: Volker Keim.

Knapp daneben. Bin ich ein Weichei? So um die 15 Leute warten bereits am Eingang, bis der Bademeister aufschließt. Bepackt mit Bademänteln, Flossen und was sonst noch dazugehört zu einem sportlichen Frühstart. Man kennt sich, spricht über die kleinen und großen Dinge des Alltags, ist eine verschworene Gemeinschaft. Und mein erster Versuch, etwas zu Papier zu bringen scheitert: Kein Licht am Schwimmbadtor.
Als Pool-Chef Gerd Göhler Punkt 6 Uhr aufmacht, kommt Bewegung in die Menge. Zahlen muss niemand, alle sind EOSC-Mitglieder. Am 50-Meter-Becken geht das Flutlicht an, und dann klappt es auch mit den Notizen.

Pool-Chef Gerd Göhler prüft derweil die Wassertemperatur.

Exakt 1 000 Meter schwimmt sie. Seit es das Frühschwimmen gibt, erzählt Helga Schleiblinger. Die 73-Jährige gehört ebenso wie Brigitte Krehmer zur Fraktion derer, die es gemächlich angehen lassen. Auf der anderen Seite des Beckens, dort wo die rot-weiß-blaue Leine auf der Wasseroberfläche schaukelt, sind die anderen unterwegs. Die Eisenmänner und -frauen. Drei bis vier Kilometer spulen sie runter, bevor es zum Job geht. So wie Julia Bohn etwa, die sich auf den nächsten Triathlon vorbereitet. „Schade, dass nicht öfter ab 6 Uhr offen ist“, sagt sie vorm Sprung ins Wasser. Das hat 26 Grad, draußen sind es 15 weniger; kurz kommt in mir wieder dieses Warmduscher-Gefühl hoch.

Gemächlicher lassen es Helga Schleiblinger und Britte Krehmer angehen.

6.30 Uhr und so langsam wird es hell. „Heute fehlen viele Triathleten, normalerweise schreien die gleich nach der zweiten Bahn“, sagt Gerd Göhler.
Einer, der nicht ganz so ambitioniert ist, aber dennoch seine drei Kilometer krault, ist Burghard Fobbe. Der IT-Manager aus Münster in Westfalen ist erst vor kurzem nach Offenbach gezogen und hat „mit Freude festgestellt, es gibt dieses wunderbare Schwimmbad“, diktiert er mir in den Block.

Info-Ecke

Heute findet im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe zum letzten Mal in diesem Jahr das Frühschwimmen statt. Das Freibad ist für alle Badegäste aber noch bis einschließlich Freitag, 30. Oktober, offen. Die Öffnungszeiten sind täglich von 7.30 bis 19.30 Uhr; der Kassenschluss ist weiterhin um 19 Uhr.

Bist du schon fertig?“, höre ich einem Gespräch auf Bahn 1 zu. „Nein, 2 000 Meter reichen mir heute, ich gehe jetzt noch laufen.“ Triathleten sind schon ein besonders Völkchen denke ich und erzähle Julia Bohn, dass ich regelmäßig abends von 20.30 bis 22 Uhr Wasserball auf der Rosenhöhe spiele. „So spät noch ins Wasser. Das könnte ich nie“, sagt die Triathletin. Plötzlich ist es weg - das Weichei-Gefühl.

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