Plage am Mainufer

Würgereiz vor der Brücke wegen Nilgans-Kot

+
Auf einer Länge von 50 Metern kurz vor der Carl-Ulrich-Brücke in Richtung Frankfurt sonnen sich rund hundert Nilgänse und Schwäne. Der Gestank der Wasservögel-Exkremente ist penetrant und schon von Weitem zu riechen.

Offenbach - Noch immer versucht die Stadt, die Nilgans-Plage am Mainufer in den Griff zu bekommen. Besonders schlimm ist es vor der Carl-Ulrich-Brücke Richtung Frankfurt. Von Steffen Müller 

Rund hundert Wildvögel drängeln sich auf einer kleinen Fläche in der Sonne; ihr Kot sorgt für unangenehme Düfte – doch dieses Problem könnte bald behoben sein. Eine grundsätzliche Idee, um die Tiere zu vertreiben, gibt es aber nicht.

Zu Hunderten sind sie da. Schwäne und Nilgänse, den Kopf unterm Federkleid vergraben, stoisch geradeausguckend oder zum Wasser watschelnd. Kurz vor der Carl-Ulrich-Brücke, auf Höhe des Mainuferparkplatzes, hat sich auf einer Strecke von 50 Metern eine wahre Kolonie an Wildvögeln gebildet. Hier finden sie perfekte Bedingung vor. Das Gelände ist einsehbar, vor Feinden müssen sie sich nicht fürchten, die abgesenkte Uferpromenade erlaubt ein bequemes Einstechen in den Main. Von Passanten oder Radfahren lassen sich die Nilgänse und Schwäne am Mainufer längst nicht mehr aus der Ruhe bringen, sie haben gelernt, dass die Menschen keine Gefahr darstellen; längst haben die Tiere die urbanisierte Natur zurückerobert – sehr zum Leidwesen von Passanten.

Denn von den Exkrementen der Wasservögel geht ein enormer Gestank aus. „Schon aus 50 Metern Entfernung ist das zu riechen“, berichtet ein Radfahrer, der täglich einen „Würgereiz“ bekommt, wenn er die Stelle passiert. Dem Pendler geht es nicht nur um den unangenehmen Geruch, sondern auch um die Gesundheit. „Es ist ja bekannt, dass die Gänse Träger von Parasiten und Keimen sind.“ Er fordert, dass die Stadt aktiv werden muss, und Schilder wie an anderen Stellen am Mainufer aufstellt, die darauf hinweisen, dass das Füttern der Tiere verboten ist. Denn obwohl den Vögeln kein Brot oder sonstiges Essen gegeben werden darf, halten sich einige Offenbacher nicht an die Vorgabe. Häufig kommen Eltern mit ihren Kindern zum Füttern.

Auch am Badesee Nieder-Roden sorgt Gänsekot für Ärger

Dass die Nilgänse von Menschen immer wieder etwas zu essen bekommen, ist auch Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach ein Dorn im Auge. Schließlich halten sich die Tiere, deren Ausscheidungen giftig sind und die aggressiv gegen einheimische Vögel sind, nicht nur kurz vor der Carl-Ulrich-Brücke auf, sondern treiben überall am Mainufer ihr Unwesen. „Das Problem liegt auch an der Unvernunft der Bürger“, ärgert sich Hollerbach. Sie hofft ebenfalls, dass die Stadt mehr Schilder aufstellt. Ein Hinweis, dass das der Verstoß mit einer Geldstrafe belegt werden kann, fehlt auf den Warntafeln. Wer Wasservögel und Fische füttert, zahlt zwischen 35 und 500 Euro.

Um das Problem der Nilgänse in den Griff zu bekommen, hat sich in Offenbach eine Arbeitsgruppe gebildet, in der neben dem Umweltamt der ESO, sowie das Veterinär-, Bau- und Ordnungsamt vertreten sind. Dort wird auch diskutiert, ob höheres Gras die Tiere vertreiben könnte, da die Nilgänse dort weder ihren Nachwuchs noch potenzielle Gefahrenquellen gut sehen können und sich andere Orte zum Leben suchen.

Die Füttern-Verboten-Schilder stehen zu selten am Mainufer.

Dass die Tiere zwar auf diese Weise vertrieben werden können, ist in Offenbach bereits belegt. Vor einigen Jahren pflanzten HfG-Studenten versuchsweise Wildstauden an einem kleinen Abschnitt des Mainufers. Wo es zu wuchern begann, ließen sich die Nilgänse nicht mehr blicken. Annette Glowania, beim Amt für Stadtplanung für die Grünflächen verantwortlich, und Mitglied in der Arbeitsgruppe, hält es derzeit aber für unwahrscheinlich, dass das Mainufer zur Wildwiese wird. „Wir müssen bedenken, dass es eine Freizeitfläche ist.“ Hohes Gras direkt am Fluss würde die Aufenthaltsqualität enorm einschränken. „Wir müssen nach anderen Lösungen suchen. Bisher gibt es aber noch keinen Stein der Weisen, um das Problem in den Griff zu bekommen.“ Glowania hofft auf einen regen Austausch mit anderen Kommunen, die ebenfalls mit einer Nilgans-Plage zu kämpfen haben, um durch Schwarmintelligenz Möglichkeiten zu finden, um die Tiere loszuwerden, ohne sie zu töten. Denn die Wasservögel zum Abschuss freizugeben, ist in Offenbach nach wie vor keine Option.

Diese Wildtiere stören in Hessens Städten: Bilder

Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber. Die stark bevölkerten Fläche am Mainuferparkplatz wird bald begrünt. „Hier ist eine Ausgleichsfläche geplant“, berichtet Glowania. Es soll ein Schilffeld entstehen, also hohe Pflanzen, die von Nilgänsen gemieden werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare