Von Nina und Chouchou

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Nina Knechts Mode orientiert sich am klassischen Männerhemd. Eleganz ist der Jungdesignerin wichtig.

Hinterhof, ein Backsteinbau mit Industrie-Charme, nah am Fluss, viel Licht, viel Platz für kreative Ideen: Das Atelier von Nina Knecht im Offenbacher Nordend bietet die besten Voraussetzungen für ein junges, aufstrebendes Modelabel.  Von Katharina Skalli 

Doch um Erfolg zu haben, gehört mehr dazu als ein inspirierendes Umfeld, das weiß die Designerin nur zu gut. Ihr altes Label „Tastbar“ ist an unzuverlässigen Partnern gescheitert. Mit ihrer neuen Marke „nichou“ versucht es die Kreative erneut. Die Zeichen stehen auf Erfolg.

In der Bernardstraße 77a klappern im Hinterhaus alte Industriemaschinen. Im Werk der Gebrüder Tschatsch laufen noch immer die Geräte. Ein Stockwerk oben drüber sitzt Nina Knecht an ihrem PC und entwirft eine Bluse für ihre neue Kollektion, die im Sommer 2012 in schicken Tüten aus den Läden und in die Kleiderschränke wandern soll. Durch die alten, deckenhohen Fenster fällt das Licht ins Atelier und den kleinen Showroom, in dem sie ihre Werke potentiellen Kunden und Käufern präsentiert. In einer Ecke stehen zwei verchromte Nähmaschinen. „Die haben bestimmt schon 40 Jahre auf dem Buckel“, sagt die 35-Jährige. „Aber es gibt keine besseren.“ Daneben stapeln sich in einem hohen Regal Stoffe, Muster, Materialien und sorgfältig aneinandergereihte Gläschen mit Knöpfen, Nieten und Reißverschlüssen. Hier wird gearbeitet. Gegenüber hängen, wie in einer edlen Boutique, Kleider, Blusen und Shirts. In schneeweißen Regalen liegen Hot-Pants, Hosen und Pullover. Dazwischen: Gestrickte Stulpen, Jersey-Schals und Unterwäsche. Die Designerin zieht ein schwarzes Kleid von einer Stange und hält es vor ihren schlanken Körper. Der asymmetrische Schnitt wirkt extravagant. „Ich habe mir überlegt, eine Anzieh-Anleitung dazuzulegen“, sagt sie und ihr Lachen schallt laut durch das gläserne Atelier.

Ihr altes Logo, eine schwarze Ameise, steht auch für „nichou“, auch wenn der Name weniger mit einem Insekt und mehr mit einer Katze zu tun hat. „Meine erste Katze hieß Chouchou.“, erzählt sie. Das „ni“ steht für ihren ersten Vornamen „Nina“. Chouchou gibt es nicht mehr. Heute heißt ihr Kater Thomas.

Das Spiel mit den Attributen „maskulin“ und „feminin“ zieht sich durch die gesamte Kollektion.

Unter „Tastbar“ entstanden mit einer Partnerin Jersey-Teile für junge Trägerinnen. Shirts, Hosen, Pullover und Accessoires. „Nichou“ ist erwachsener. „Die Schnitte sind klassischer, klar und alles lässt sich gut kombinieren“, sagt Nina Knecht und präsentiert kurze Shorts aus einem feinen Jeansstoff. Darüber legt sie eine schwarze Bluse mit kleinem Stehkragen. „Ich habe mich vom klassischen Männerhemd inspirieren lassen und überlegt, was man daraus machen kann“, sagt sie. Das Spiel mit den Attributen „maskulin“ und „feminin“ zieht sich durch die gesamte Kollektion. Jersey ist immer noch dabei. Ganz weglassen wollte sie das flexible und angenehme Material nicht. Ihre Kunden sollen mit ihren Modellen kreativ umgehen können. Dazu laden die zeitlosen und doch extravaganten Schnitte geradezu ein.

Hier geht es zur Homepage von „nichou".

Mit ihrem Label hat sich Nina Knecht einen Traum erfüllt. Seit sie als Jugendliche ausging und zur Party ihre Outfits selber schneiderte, begleitet sie das Thema Mode und eigene Kreationen. Mit ihrer Ausbildung an der Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode tauschte sie die Sicherheitsnadeln gegen echte Nähte und designte ganze Kollektionen, die mittlerweile auf Modenschauen in ganz Deutschland zu sehen und in mehreren exklusiven Läden zu kaufen sind. Preislich bleibt sie dennoch auf dem Boden: Eine „nichou“-Bluse gibt es ab etwa 100 Euro. Ein Kleid ab etwa 150.

Ab September bittet Nina Knecht jeden Mittwoch zum After-Work-Shopping in ihren Showroom

Aus ihrem gläsernen Atelier, das an die Kulisse eines Agentenfilms erinnert, will sie nicht mehr weg. Obwohl es nie ihr Wunsch war nach Offenbach zu ziehen, fühlt sie sich sehr wohl. „Gekommen bin ich wegen der günstigen Mieten“, sagt sie. „Doch dann habe ich mich in die Stadt verknallt.“

Ab September bittet Nina Knecht, die übrigens nebenbei als freiberufliche Stylistin für verschiedene Film- und Fernsehproduktionen arbeitet, jeden Mittwoch zum After-Work-Shopping in ihren Showroom. Von 17 bis 22 Uhr gibt’s dann Mode sozusagen direkt von der Schneiderbüste. Außer ihren eigenen Stücken verkauft sie ebenfalls Werke des Hamburger Labels „Kiezkrieger“.

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