Wo ist noch einer frei?

Offenbach ‐ Funktioniert nicht grundsätzlich, aber bemerkenswert oft: Wenn man etwas schon lange nicht mehr ernsthaft erwartet, wird doch noch was draus. Von Marcus Reinsch

Wie ein Parkleitsystem, das Autofahrer mit 19 teils „dynamischen“ Anzeigetafeln über Lage und Zahl freier Parkplätze in Offenbachs Innenstadt und den Weg dorthin aufklärt.

Mehr als zehn Jahre hatte diese Idee ein Dasein auf der üppigen städtischen Liste des ebenso Wünschenswerten wie Unbezahlbaren gefristet. Dass die Park-Navigation nun bis Sommer 2010 Wirklichkeit werden wird, falls das Stadtparlament nächste Woche den erwarteten finalen Segen gibt, ist zwei Entwicklungen zu verdanken: Zum einen dem Umstand, dass das Parkleitsystem mittlerweile einer der Bausteine des sogenannten Verkehrsmanagementplans und somit vom Wünschenwerten zur Notwendigkeit geworden ist.

Das Kernstück des Plans definiert, grob gesagt, wie der Verkehr künftig durchs Zentrum und drumherum fließen soll. Park-Stress - das ist nicht erst seit Eröffnung des Einkaufszentrums KOMM etablierte Erkenntnis in Rathaus und Einzelhandel - taugt dabei weder zur Verflüssigung des Verkehrs noch als Lockruf an die Kundschaft von außerhalb.

Dem technischen Fortschritt sei Dank

Entscheidend dafür, dass das System nun mit geradezu unheimlichen Tempo verwirklicht werden kann, war der technische Fortschritt. Noch vor wenigen Jahren hätte der Lotsen-Service, den Oberbürgermeister Horst Schneider „in Städten wie unserer sowieso nicht überschätzen“ mag, Millionen verschlungen. Mehrere Kilometer Kabel hätten vergraben und verkuppelt werden müssen. Nun sind dank leistungsfähiger Datenübertragungstechnik per Funk alles in allem 221.000 Euro prognostiziert, von denen die Stadt nach einem Griff in Landes-Fördertöpfe nur 71.600 Euro aus der eigenen Tasche finanzieren muss.

Das Prinzip des Parkleitsystems ist einfach: Zehn Blechtafeln weisen Autofahrern den Weg von den Einfallsachsen - etwa Berliner Straße, Bismarckstraße, Schlossstraße, Waldstraße - auf einen innenstädtischen Rundkurs. Dort geben weitere neun Schilder auf Leuchtdisplays Auskunft über Kapazitäten in vier Parkhäusern und fünf Tiefgaragen und weisen den Weg.

Betreiber der Parkhäuser sollen ihren Teil beitragen

Die Planer erhoffen sich davon eine Reduzierung oder zumindest Bündelung des störenden Parksuchverkehrs in der Innenstadt, eine Entlastung von Lärm und Abgasen und nicht zuletzt eine Imagesteigerung für die Stadt. Die Betreiber der Parkhäuser sollen ihren Teil beitragen und in Technik investieren, die freie Plätze in ihren Häusern in Echtzeit an den ebenfalls nächsten Sommer in Betrieb gehenden städtischen Verkehrsrechner funken.

Rubriklistenbild: © Gabi Schönemann / Pixelio

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