Noch den ganzen Juni Streik?

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Zahlreiche Erzieher kämpften bei einer Innenstadt-Demo gegen niedriges Gehalt und Zustände in den Kitas.

Offenbach - Einfallsreich und farbenfroh sind die Transparente gestaltet, die darauf gekritzelten Botschaften unmissverständlich formuliert. „Wir sorgen für sozialen Gewinn, davon wollen wir auch profitieren“, steht mit Großbuchstaben auf einem Plakat geschrieben, das bei der Erzieher-Demonstration am gestrigen Vormittag hochgehalten wird. +++ Fotostrecke +++ Von Jörn Polzin

Zu den kreativsten Ideen zählt ein Bettlaken mit der Aufschrift „Lieber Social Sisters als Lehman Brothers.“ Schon am frühen Morgen haben sich die ersten Streikenden auf dem Rathausplatz eingefunden und sich bei den Organisatoren von der Gewerkschaft „ver.di“ mit roten T-Shirts, Transparenten und Trillerpfeifen für den Protestmarsch durch die Innenstadt eingedeckt.

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Nachdem sich die etwa 300 streikenden Erzieher eingesungen haben, ziehen sie - unüberhörbar - durch die Straßen und verwandeln die Innenstadt in eine kleine Protestmeile. In Gedanken ist die eine oder der andere wohl in Berlin, wo zur selben Zeit die Vertreter der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände ( VKA ) sowie der Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft ( GEW ) und „ver.di“ am Verhandlungstisch sitzen.

Kita-Erzieher demonstrieren gegen niedriges Gehalt

Noch den ganzen Juni Streik?

Wie etwa Dieter Galm, der die Demonstration mit anschließender Kundgebung in Offenbach mitorganisiert hat. „Ich hoffe, dass endlich Bewegung in die Sache kommt“, sagt Galm. Der seit Jahren zunehmende Stress für die Erzieher stehe in keinem Verhältnis zu ihrem Gehalt. Derzeit verdient ein Erzieher nach der Ausbildung knapp über 2000 Euro brutto. 300 Euro mehr sollen es sein. „Es wird immer mehr von den Mitarbeitern verlangt, dann muss man auch bereit sein, mehr zu investieren“, fordert Galm.

Im Tarifkonflikt geht es aber nicht nur um Geld, sondern auch um umfassenden Gesundheitsschutz. Die streikenden Erzieher klagen vor allem über einen gestiegenen Geräuschpegel und die mangelhafte Ausstattung in den Kindertagesstätten. Hannelore Schweikard-Kanz von der Kita 9 in der Goerdelerstraße sieht deutliche Defizite beim Mobiliar: „Die Erzieher sitzen auf Kinderstühlen, die nicht höhenverstellbar sind. Auch in den neuen Kitas hat sich die Situation nicht verbessert.“ In die gleiche Kerbe schlägt Ulrich Matthes, Mitarbeiter des Jugendamts Offenbach. „Die Erzieher arbeiten unter extremen Bedingungen, dabei werden Grenzen überschritten“, sagt er.

Eine Konfrontation von Eltern und Erzieher befürchten die Streikenden nicht. „Wir wollen nicht die Eltern verärgern, sondern für uns gewinnen“, erklärt Galm. Das funktioniert bei der gestrigen Demo, der sich einige Eltern anschlossen, ganz gut. „Bessere Bedingungen in den Kitas bedeuten auch bessere Bedingungen für unsere Kinder“, fasst eine Mutter zusammen, die den Streik befürwortet.

Streikleiterin Claudia Schell weiß natürlich, dass man die Geduld der Eltern, denen derzeit nur ein eingeschränktes Kita-Angebot zur Verfügung steht, nicht überstrapazieren darf. Sie geht davon aus, dass sich der Streik noch über den Juni hinaus hinziehen wird. Aber in welcher Form, sei noch offen.

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