Für Nöte sensibilisieren

+
Mitmachen erwünscht: In der Ausstellung „Weil wir Mädchen sind..“ dürfen Besucher den Webstuhl aus den Anden ausprobieren, Hirse stampfen oder sich die Hände mit Henna-Tattoo-Stempeln für die indische Hochzeitszeremonie bedrucken.

Offenbach - (siw) Eine imaginäre Weltreise führt in die Heimat von Djenebou aus Mali, Asha aus Indien und Yoselin aus Ecuador. In Afrika etwa sind die Frauen fürs Stampfen der Hirse und Wasser holen zuständig.

Das kostet viel Zeit und Kraft. In Lateinamerika bleibt vielen Mädchen nichts anders übrig, als sich als Magd zu verdingen und anderen Familien den Haushalt führen.

Wenn nachts der Hausherr in ihr Bett steigt, trauen sich die wenigsten, den Mann rauszuwerfen. Auch in Indien haben Mädchen selten die Möglichkeit, so lange die Schule zu besuchen wie die Jungen: Sie müssen sich um die ganze Hausarbeit kümmern.

Die Museumspädagogen des Ledermuseums bieten Führungen für Gruppe von 15 Schülern, Workshops und Projekttage an.

Die Ausstellung „Weil wir Mädchen sind...“, die am Sonntag, 17. Mai, 11.30 Uhr, im Deutschen Ledermuseum eröffnet wird und bis 20. September im Haus an der Frankfurter Straße 86 zu sehen ist, will die Nöte der Kinder in der Dritten Welt sichtbar machen. In diesen Ländern sind der Schulbesuch, ausreichend Nahrung und medizinische Versorgung keine Selbstverständlichkeit. Vor allem die Mädchen sind von extremer Benachteiligung betroffen. Um deutsche Kinder und Jugendliche ab acht Jahren für deren Lebenssituation zu sensibilisieren, hat das Kinderhilfswerk Plan die Erlebnisausstellung „Weil wir Mädchen sind...“ kreiert, die seit 2006 durch Deutschland wandert. In München sollen 50 000 Schüler die Schau gesehen haben. Am Beispiel von drei Mädchen wird deren Alltag in der Sahelzone, in Rajastahn und den Anden geschildert. Dabei dürfen sich die jungen Besucher an vielen Mitmach-Stationen ausprobieren: Anders als sonst in vielen Museen üblich ist Berühren und Beteiligen ausdrücklich erwünscht. Wer will, versucht einmal selbst Hirse zu stampfen oder ein schweres Wassergefäß auf dem Kopf zu balancieren.

Geplant sind zudem Vorträge wie „Was macht Mädchen stark?“ am 16. Juni, 19 Uhr; „Zu Wasser, zu Lande und in der Luft - Frauen reisen anders“ am 21. August, 15.30 Uhr und „Kein Schnitt ins Leben - gegen die genitale Beschneidung von Mädchen“ am 18. September, 19 Uhr. Nähere Infos auf der Homepage des Ledermuseums.

Dass die Chancen für Mädchen schlecht stehen, eine vernünftige Schulbildung zu erhalten, einen Beruf zu erlernen oder gar den eigenen weiteren Lebensweg selbst bestimmen zu können, erfährt, wer eingangs am Schicksalsrad dreht. Dann führen die Wege zu den verschiedenen Lebenswelten: Drei Orte sind nachgebildet. In separaten Nischen geht es aber auch um weibliche Genitalverstümmelung in Afrika, Abtreibung weiblicher Föten in Indien, Gewalt gegen Mädchen in den Anden und Zwangsverheiratung. Weil diese Themen heikel sind, wird das Betreten der Separees Besuchern erst ab zwölf Jahren oder in Begleitung eines Erwachsenen empfohlen. Wie Marc Tornow von Plan International betont, soll das junge Publikum behutsam mit diesen Aspekten konfrontiert werden.

Erstmalig gab es eine Zusammenarbeit mit städtischen Einrichtungen wie dem Jugendbildungswerk, Jugendkulturbüro, Kinder- und Jugendparlament, Ausländerbeirat sowie Frauenbüro. So ist ein umfangreiches Begleitprogramm entstanden, das sich auch an Erwachsene wendet. Dabei soll die Präsentation in Bezug gesetzt werden zum Leben von Mädchen in Deutschland.

Kommentare