Norbert B. bleibt draußen

Offenbach ‐ Norbert B. muss zahlen, aber Norbert B. geht nicht ins Gefängnis. Wieder nicht, muss man sagen, denn gestern kam der 51-Jährige Ex-Rechtsanwalt vor dem Offenbacher Schöffengericht zum zweiten mal innerhalb von sechs Monaten relativ glimpflich davon. Von Marcus Reinsch

Für den Missbrauch von Titeln in zwei Fällen, jeweils in Verbindung mit Betrug, verurteilte ihn das Gericht unter Vorsitz von Manfred Beck, 1500 Euro Geldstrafe in 10-Euro-Raten abzustottern.

Gemessen an den Summen fremden Geldes, die Norbert B. über Jahre bewegte, als seien es seine eigenen, ist das quasi die Kategorie Portokasse. Zur Verdeutlichung: Anfang Oktober vergangenen Jahres hatte Richter Beck B. zwei Jahre Haft auf Bewährung plus 300 Stunden gemeinnützige Arbeit aufgebrummt, weil der beim Ersten Offenbacher Schwimmclub (EOSC) während seiner Jahre als dessen Vorsitzender rund 97  000 Euro veruntreut hatte (wir berichteten).

Dass die damals mit Geständnis, Vorstrafenfreiheit und einer günstigen Prognose für den Gestrauchelten begründete Bewährung mit der neuen Verurteilung nicht hinüber ist, hat B. quasi der terminlichen Passgenauigkeit seiner zwei Zusatz-Verfehlungen zu verdanken. Denn die beging er wenige Wochen vor seiner Untreue-Verhandlung und damit vor dem Beginn der Jahre, in denen er sich bestenfalls noch Sünden wie Schwarzfahren leisten darf, ohne hinter Gitter zu müssen.

Beute zurückgezahlt

Umkehrschluss - von Staatsanwalt Thomas Glab formuliert, von B.s Pflichtverteidiger Joachim Badenschneider als „fair und objektiv“ aufgegriffenen und in der Urteilsbegründung von Richter Beck ebenso eingeschätzt: Wären die Betrugsfälle schon im Oktober bekannt gewesen und gleich mitverhandelt worden, hätte es trotzdem noch für Bewährung gereicht.

Zumal B. seine Sünden wieder nicht leugnete und die „Beute“ zurückgezahlt hat. Er gestand, von der in seiner Nachbarschaft lebenden Ehefrau eines in Schweden wegen des Verdachts auf Schleusung illegaler Einwanderer in U-Haft sitzenden Mannes Geld für rechtsanwaltliche Dienste genommen zu haben. Allerdings ohne, dass er für die am 29. August erhaltenen 500 Euro und die am 8. September kassierten 5000 Euro jemals etwas für den Klienten tat. Und ohne, dass er überhaupt etwas für ihn hätte tun können. Denn seine Zulassung als Anwalt hatte er schon am 23. August verloren.

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