Neue Verkehrsführung

Nordend wird umgekrempelt

Offenbach - Wieder einmal werden sich Autofahrer an neue Wege durch die Stadt gewöhnen müssen. Eigentlich nur die Anwohner des Nordends, insbesondere der Bettinastraße, denn wer dort kein Anliegen hatte, hatte dort auch bisher nichts zu suchen. Von Fabian El Cheikh

Zumindest laut Beschilderung, welche die Bettina- zur Anliegerstraße macht. Um die Straßenverkehrsordnung hat sich der üppige Durchgangsverkehr auf der beliebten Ost-West-Achse durch das Wohngebiet all die Jahre jedoch wenig geschert. Entsprechend häuften sich die Beschwerden von Anwohnern. Die sehen sich von einer im Auftrag der Stadt erwirkten Verkehrszählung im April bestätigt: Demnach haben ein Drittel aller Autofahrer, welche die Bettinastraße passieren, dort gar kein Anliegen, sondern nutzen die Strecke allein als Ausweichpassage auf ihrem Weg von Kaiserstraße zum Kaiserlei und umgekehrt, um dem Verkehr auf Berliner Straße und Nordring zu umgehen.

Das wird sich nun ändern, sind die städtischen Verkehrsplaner überzeugt und setzen um, was das Verkehrsministerium vorgibt: „Wo Tempo 30 herrscht, darf es keinen Durchgangsverkehr geben“, sagt Rainer Buck von der Straßenverkehrsbehörde. Entsprechend wird der unerwünschte Verkehr ab 5. November mittels einer neuen Wegeführung verbannt.

Sie sieht vor, dass der vom Goethering kommende Verkehr Richtung Osten künftig durch eine Einbahnstraßenregelung zwischen Pirazzi- und Lilistraße an der direkten Fahrt durch die Bettinastraße gehindert wird (siehe Grafik, Punkt 1). In Gegenrichtung wird die Bettinastraße für den Individualverkehr mit Ziel Kaiserlei durch eine so genannte Busschleuse mit Durchfahrtsverbotsschild in Höhe der Haltestelle Ludwigstraße gesperrt (Punkt 2). Lediglich Busse des ÖPNV, Taxis und Fahrräder dürfen künftig dort passieren. Alle anderen müssen nach links in die Ludwigstraße abbiegen.

„Plus an Lebensqualität“

Zudem wird die Einbahnstraßenregelung an der Lilistraße zwischen Bernard- und Goethestraße aufgehoben (Punkt 3), um den Bewohnern ein besseres Erreichen der neu geregelten Straßenabschnitte zu ermöglichen. So ist künftig die Lilistraße auch von der Goethestraße in Richtung Berliner Straße befahrbar. Zugleich wird das Nordend das erste flächendeckende Quartier, in dem Radfahrer gegen die Einbahnrichtung rollen dürfen.

Aus Sicht der Stadt setzen diese Maßnahmen den vorläufigen Schlusspunkt unter die weitreichenden verkehrlichen Veränderungen im Nordend – angefangen mit dem Abbau der früheren Ampelanlagen und der Einführung der Tempo-30-Zone vor knapp zwei Jahren sowie den damit einhergehenden neuen Vorfahrtsregeln (rechts vor links) im vergangenen Frühjahr. „Wir werden in weiteren Schritten noch die Parkmarkierungen überprüfen und gegebenenfalls ändern“, kündigt Buck an, „so dass vielleicht teilweise nicht mehr auf den Gehwegen geparkt werden darf.“ Wo das geschehe, sei aber noch nicht entschieden.

Für die junge Bewohnerinitiative Nordend (BIN) ist die künftige teilweise Sperrung der Bettinastraße ein großer Erfolg und „ein spürbares Plus an Lebensqualität“ für das gesamte Quartier. „Mit guten Argumenten, Beharrlichkeit und Unterstützung des Quartiermanagements konnte die erst im März 2012 gegründete Interessengruppe die Stadt überzeugen, im Nordend weitere Schritte zur spürbaren Verkehrsberuhigung zu unternehmen“, freut sich Sprecher Nikolaj Lubnow. „Schon die Einführung der Tempo-30-Zone hat zu einer merklichen Verlangsamung des Verkehrs im Stadtteil geführt. Die zusätzlich Maßnahmen werden den Verkehr und damit den Straßenlärm weiter reduzieren, auch die Sicherheit der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer wird spürbar erhöht.“

Vor allem im Hinblick auf den bevorstehenden Umbau des Kaiserleikreisels hofft die Initiative, dass durch die neue Verkehrsführung der zusätzlich zu erwartende Verkehr am Viertel vorbeigeleitet wird. Dass es zu großer Mehrbelastung von Berliner Straße und Nordring kommen wird – damit rechnet das Amt für Verkehrsplanung nicht.

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