Norm soll für Datensicherheit in Klinik sorgen

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Wenn beispielsweise die Kliniken in Offenbach und Wiesbaden kooperieren wollten, müssten die IT-Schnittstellen einschließlich der Medizintechnik aufeinander abgestimmt werden, erklärte der Geschäftsführer der VDE-Initiative Mikromedizin weiter.

Offenbach ‐ Die Krankenhäuser wachsen zusammen, sagt Johannes Dehm. Wenn beispielsweise die Kliniken in Offenbach und Wiesbaden kooperieren wollten, müssten die IT-Schnittstellen einschließlich der Medizintechnik aufeinander abgestimmt werden, erklärte der Geschäftsführer der VDE-Initiative Mikromedizin weiter. Von Marc Kuhn

Eine sichere Übertragung der Daten von Patienten könne so sichergestellt werden. Um die zunehmende Vernetzung medizinischer Geräte und Systeme zu erleichtern, haben Experten aus der ganzen Welt kürzlich in Offenbach die Norm „Risiko-Management für medizinische IT-Netzwerke“ erarbeitet. Bisher habe die Verantwortung für den störungsfreien Betrieb eines Geräts, das Teil eines Systems beispielsweise im OP ist, beim Hersteller gelegen, berichtete Michael Bothe, Medizintechnik-Experte vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Mit der neuen Norm werde das Risiko für das Betreiben von vernetzten Medizinprodukten auf das Management, den Klinikbetreiber, übertragen.

Dies sei wichtig, um Schaden von Patienten abzuwenden. Die Vorschrift mache ein „strukturiertes Management“ bei der Installation von Medizintechnik in IT-Netzwerke möglich. Krankenhäuser sollten einen „Medizinprodukte-Integrator“ einsetzen. „Zukünftig wird die Systemintegration als Kernkompetenz für Krankenhäuser unentbehrlich“, sagte Bothe. „Sie ist Voraussetzung für eine Kostenreduktion und stellt einen Wettbewerbsvorteil dar.“ VDE biete Lehrgänge für den „Medizinprodukte-Integrator“ an.

Norm werde im November veröffentlicht

Nach Einschätzung des VDE müssen Kliniken angesichts des hohen Kostendrucks und des Fachkräftemangels in Zukunft noch effizienter arbeiten. Die IT-Vernetzung von Medizintechnik zu einem Gesamtsystem eröffne signifikante Sparpotenziale.

Der VDE habe zudem die Studie „Risikomanagement für IT-Netzwerke mit Medizinprodukten im Operationssaal“ erarbeitet, berichtete Dehm. In ihr zeigen VDE-Experten, wie die Norm im Operationssaal umgesetzt werden kann. Ein Krankenhaus-Betreiber könne zum Beispiel erkennen, ob ein Gerät in das System seines Hauses passe. Bei einem Symposium im Büsing Palais wurde die Studie Betreibern und Herstellern von IT-Netzwerken und medizinischen Geräten vorgestellt.

Die Sicherheit der Daten und ihre Verfügbarkeit für Ärzte stünden im Vordergrund, erläuterte Professor Jürgen Stettin von der Unternehmensberatung Prosystem AG. So könne die Kommunikation zwischen den Medizinern und zum Beispiel die Behandlung von Brustkrebs verbessert werden. Die Norm werde im November veröffentlicht, sagte Oliver Christ, Vorstandschef von Prosystem. Bothe zeigte sich skeptisch, dass sie in eine gesetzliche Regelung münden wird. Allerdings könnte die Norm quasi durch die Hintertür umgesetzt werden: Krankenhäuser und Hersteller von Geräten müssen die Regelungen des Medizinproduktegesetzes einhalten, erläuterte Stettin. „Am einfachsten geht das, wenn eine Norm erfüllt wird.“

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