Zwischen Nostalgie und Futurismus

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Frontmann und Songschreiber Daniel Cuberos.

Offenbach - Es war einmal eine Zeit, in der das Rauchen von Havannas und der Genuss pisswarmen Bieres Pflicht waren…“ Worte, mit denen die Band Borgenine auf ihren surrealen Trip in die Welt ungebändigter Gefühle einlädt. Von Sascha Reichelt

Gemeint sind wohl die wilden 70er Jahre. Von David Bowie bis Frank Zappa – das Offenbacher Trio kreiert einen abstrakten Cocktail um den Jahrgang 68 herum, ohne dabei den Blick nach Vorne zu verlieren. Sie schaffen Hymnen als Wegbegleiter für diejenigen, die das Leben und seine Abenteuer nicht fürchten und drehen gleichermaßen am Rad der Zeit.

Besonders ältere Musikfans dürften hierbei in nostalgischen Erinnerungen schwelgen. Es ist die warme, verspielte Gitarre, die den Sound der Band kennzeichnet, weit ausholt, bis die innerste Röhre rot zu glühen beginnt, jedoch auch „zu schweigen weiß, wenn der Erzähler auf eine nicht unbedingt konventionelle Weise die nackte Wahrheit singt.“

Mit einem psychedelischen Mix aus rockiger Film-Musik und dem nötigen Hang zur Dramatik, erinnern Borgenine gerne an vergangene Tage und versprühen dabei eine ehrliche Melancholie, die aber auch mal jenseits der üblichen Schwarzmalerei stehen darf. Nahezu großes Kino spielt sich vor dem inneren Auge des Zuhörers ab.

Sänger Cuberos legt großen Wert auf Perfektion

Die Geschichten erzählt dabei Frontmann und Songschreiber Daniel Cuberos selbst. Geschichten aus seinem Leben. Gefühlvoll und durchdrungen von Metaphern widmen sich seine Lieder dem Lieben und Leiden. Themen, wie die Angst vor der Einsamkeit oder das Leiden an Süchten erweisen sich zugleich als Ventil für den geborenen Überlebenskünstler – der sein täglich Brot durch Gitarrenunterricht und Gelegenheitsjobs finanziert.

Dabei hat selbst er im autodidaktischen Training vor 15 Jahren begonnen, sein eigenwilliges Gitarrenspiel zu entwickeln. So war es schließlich die Leidenschaft zur Musik, die den Offenbacher anspornte, eine Band zu gründen. Die Suche nach den passenden Musikern glich der Suche nach der großen Liebe. Denn trotz des Minimalismus einer klassischen Rock-Besetzung, bestehend aus Bass, Gitarre und Schlagzeug, legt Sänger Cuberos einen großen Wert auf Perfektion.

Infos zur Band Borgenine gibt es auch im Internet.

Nach vier gescheiterten Versuchen fand er den passenden Trommler, der seinen Ansprüchen gerecht wurde: „Alles änderte sich als Ingo in die Band trat“, sagt er und fügt hinzu: „Ich brauchte einfach jemanden, der das macht, was ich ihm sage und dennoch eigenes Geschick einbringt“. Mit ähnlicher Haltung holte er sich zielstrebig Bassisten Robert ins Boot, der damals noch einer anderen Band angehörte: „Ich ging zu seiner Probe und sagte ihm: Wenn du dich mir anschließt, kommen wir ins Fernsehen! Vorher fahren wir aber für sechs Wochen nach Spanien. Ich zahl dir alles! Dafür lernst du meine Songs!“

Futuristischer und eigenwilliger Stil

Mit Erfolg. Der Ehrgeiz Cuberos‘ machte sich bezahlt, auch wenn der große Durchbruch für Borgenine bislang ausblieb. Dafür tourten sie bereits mehrmals durch Spanien, der zweiten Heimat des Leadsängers, welcher spanische Wurzeln besitzt. Über 200 Livekonzerte, mehrere Radio- sowie Fernsehauftritte zeugen von einer Band mit Visionen. Seit nun mittlerweile fünf Jahren erwecken die drei Herren die Urgeister des Rock’n’Roll auf ihre ganz eigene Art und Weise wieder.

Doch von klassischer Rocker-Attitüde dürfte für die Individualisten nicht die Rede sein. Borgenine strebt einen futuristischen und eigenwilligen Stil an, vorangetrieben von der Liebe zum Detail. Ihr Sound erweist sich als äußerst facettenreich, fernab des Mainstreams und nicht unbedingt in Richtung des üblichen Pop-Hörers abgeschmeckt.

So legt das Trio besonderen Wert darauf, bewusst keine Fahrstuhlmusik zu machen und deklariert ihren Klang gern als „No easy-listening“-Musik. Und dennoch weckt sie ein Gefühl großer Verbundenheit, so einfühlsam und ehrlich dringt Cuberos‘ charismatische Stimme durch das hallende Gewand einer teilweise dumpfen und jazzigen Soundkulisse – in der allerdings auch die eine oder andere Pop-Melodie ihren Unterschlupf findet.

Ihre aktuelle CD heißt „Bon Bunkerkind“ und wurde in kompletter Eigenregie produziert. Sie beinhaltet 13 Tracks und lässt sich über deren Homepage erwerben. Außerdem gibt es auf YouTube einige ihrer eigens gedrehter Videos kostenlos zu sehen.

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