Pfingstfest im Kickers-Museum

Nostalgie und Ruhmesblätter

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Spannend: Die Öffnung der Zeitkapsel, die beim Stadionbau im Kriegerdenkmal gefunden wurde, brachte nach Jahrzehnten unter Verschluss allerhand Zeitungen und Schreiben ans Tageslicht. Darunter die Offenbacher Zeitung und das Offenbacher Abendblatt vom 31. Mai 1926, ein „Schreiben für die Nachwelt“ von Christian Neubert, eine Vereinszeitung von Juli 1950, die Offenbach-Post vom 19. und 21. Mai 1951 und einen Bogen der Festschrift zum 50. Vereinsjubiläum der Kickers.

Offenbach - Alexander Haas schleppt kistenweise Nachschub aus den kühlenden Katakomben des Sparda-Bank-Hessen-Stadions herbei, vor allem Mineralwasser und Limo. Von Harald H. Richter 

Das Publikum, das sich an beiden Pfingsttagen bei Gluthitze auf dem Platz hinter der Waldemar-Klein-Tribüne eingefunden hat, dürstet nach Erfrischungen. Doch der umtriebige Vize-Vorsitzende des Kickers-Fan-Museums ist ein wenig verstimmt. „Ausgerechnet Äppelwoi ist nicht geliefert worden“, klagt er. Der guten Laune tut das jedoch keinen Abbruch. Die Band Mainhattan Diesel spielt zur Unterhaltung und auf den Grillrosten brutzelt Schmackhaftes. 400 Sachpreise und Geschenkgutscheine wollen bei der im Wesentlichen von der Geschäftswelt bestückten Tombola unter die Leute gebracht werden.

Zum zweiten Mal feiert die Fanfamilie auf dieser sonst als Parkplatz dienenden Stellfläche, die zwar mehr Raum zum fröhlichen Beisammensein bietet als frühere Austragungsorte, aber nicht einen schattenspendenden Baum aufweist. Daher sind bei Temperaturen oberhalb der 30-Grad-Marke Sitzgelegenheiten unter den Sonnensegeln und Pavillondächern besonders begehrt. Mittendrin im Geschehen sieht man auch OFC-Geschäftsführer David Fischer. Für etliche Besucher ist die Veranstaltung willkommener Anlass, um über alte Zeiten zu plaudern. Ein geringer Obolus ermöglicht es zudem, sich mit dem in der Saison 1969/70 von Kickers Offenbach errungenen DFB-Vereinspokal fotografieren zu lassen.

Treffen der OFC-Generationen im Kickers Museum

Seit ihrer Kindheit ist Jenny Balser mit dem Traditionsverein verbunden. Zwar hat die 27-Jährige erst kürzlich eine Knie-OP überstanden und humpelt auf Krücken umher, doch „das Fan-Fest zu Pfingsten wollte ich um nix auf der Welt auslassen“. Die dreifache Mutter schiebt, umringt von ihren quirligen Sprösslingen, an einem der Stände Dienst und wirbt unter anderem für Patenschaften zum Fortbestand des von Thorsten Franke gegründeten Museums. Wolfdieter Simrock muss nicht lange gebeten werden, das entsprechende Formular auszufüllen. Der 76-Jährige ist den Kickers seit Jahrzehnten treu. Doch ob er für die neue Saison nochmal eine Dauerkarte erwirbt, stellt er in Frage. Die ehrenamtlich Engagierten des Fan-Museums möchte er mit seinem Beitrag von 19,01 Euro jedoch gern unterstützen. „Die leisten tolle Arbeit“, meint er anerkennend.

Wer Zuneigung zu den Kickers auch äußerlich zeigen will, schaut bei Stefan Weigand am mobilen Fanshop vorbei und sucht sich aus dem textilen Sortiment Geeignetes in Rot-Weiß aus. Am Kinder-Schminkstand sorgt die gleiche Kolorierung bei den jüngsten Besuchern für Zierde im Gesicht, wobei diesmal in Vorausschau auf die Fußball-WM auch die Farbspiel-Kombi Schwarz-Rot-Gold recht gefragt ist. Wer will, kann auf die Torwand schießen und am Tischkicker seine Treffsicherheit unter Beweis stellen. Das Spielmobil ist ebenfalls vertreten. Unter schweißtreibender Sonne herrscht bei den zwei aufgestellten Hüpfburgen jedoch nur mäßig Betrieb. Dafür haben ein paar Steppkes den für die Dauer des Festes von den Offenbacher Verkehrsbetrieben aufgestellten Linienbus in OFC-Design okkupiert und sind damit – wenngleich auch nur gedanklich – unterwegs zu den faszinierendsten Sport-Arenen diese Welt.

Neueröffnung des OFC-Museums

Neueröffnung des OFC-Museums

Auf der Bühne in der Platzmitte haben sich unterdessen ein paar Altvordere eingefunden, um während einer von Frank Schwarzhaupt moderierten Talkrunde in Erinnerungen zu schwelgen. „Stories, die nie in der Zeitung standen“ lautet das Thema, zu dem die Urgesteine Edgar Old („Mr. Zweite Mannschaft“) und Wilfried Kohls, der als Aktiver einst den Kasten der Kickers sauber hielt und von 1994 bis 1996 als Präsident die Geschicke des OFC lenkte, einiges beizusteuern vermögen. An ihrer Seite diskutiert mit Harald Spörl das wandelnde Lexikon der Historie von Kickers Offenbach. Beim kurzweiligen Plausch wird manche Anekdote ausgetauscht und einiges aus den Annalen des Vereins beigesteuert.

Unerwartet erscheint die U15-Mannschaft um Kapitän Gerrit Gohlke und Alex Okyere auf den Gelände und wirbt für die Teilnahme an einem publikumswirksamen Projekt von Ideengeber Lars Kissner im September. Ziel ist ein Zuschauerrekord für die Altersklasse U15 während einer Partie des OFC-Nachwuchses gegen Gleichaltrige von Bayer 04 Leverkusen. Eine weitere Überraschung krönt Pfingstmontag das Festgeschehen, als die Zeitkapsel, die beim Stadionbau im Kriegerdenkmal gefunden wurde, geöffnet wird und etliche zeitgeschichtliche Ruhmesblätter ans Licht kommen. So viel Nostalgie darf sein.

Eröffnung des Kickers-Fan-Museums

Eröffnung des Kickers-Fan-Museums

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