Notaufnahme

Für Versorgung von Notfällen unverzichtbar

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Dr. Daniel Kiefl

OFFENBACH - In wenigen Tagen ist bekannt, an wen das Klinikum Offenbach verkauft werden soll; nach nicht offiziellen Angaben hat das Haus 2012 inklusive der jährlichen Neubaukosten von 17 Millionen einen Verlust von 35,9 Millionen Euro eingefahren.

Der Neubau, inzwischen mehr als 210 Millionen Euro teuer, hat noch nicht das große Patientenplus gebracht, das man sich versprochen hatte. Eine Steigerung um 3000 auf 46.000 Patienten verzeichnet indes die Notaufnahme. Und ohne die geht es nicht im Rhein-Main-Gebiet.

„Seit Mitte Februar ist im Krankenhausbezirk Frankfurt die Hölle los“, sagt mit Blick auf aktuelle Grippewellen Dr. Daniel Kiefl, der seit Mitte 2011 die Zentrale Notaufnahme leitet. Teils habe es in Frankfurt kein einziges freies Intensivbett mehr in der Inneren Medizin gegeben. Aber auch die Kapazitäten der chirurgischen Intensivbetten sind laut Kiefl zu über 80 Prozent belegt. Die 40 Betten in Offenbach sind komplett ausgebucht. „In den letzten 14 Tagen mussten wir beispielsweise sechs Reanimationen versorgen – normalerweise das Quartalsaufkommen“, berichtet der Arzt.

Für die Offenbacher ein Beleg von vielen, dass ihr Klinikum einen unverzichtbaren Beitrag in der Notfallversorgung der Region leistet. Im Hessischen Krankenhausrahmenplan ist es zudem als „unabdingbar“ aufgeführt.

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130 Notfälle kommen jeden Tag am Starkenburgring an. 46.000 waren es letztes Jahr, davon 10.000 Intensivpatienten. Damit verfügt Offenbach über die mit Abstand größte Notaufnahme in ganz Hessen. In 24 Stunden wird das Klinikum von durchschnittlich 60 Rettungseinsätzen angefahren – 30 Prozent mehr als in vergleichbaren Kliniken im Rhein-Main-Gebiet. Die Patienten kommen nicht nur aus Stadt und Kreis, sondern auch aus dem Main-Kinzig-Kreis sowie dem Raum Frankfurt bis in die Wetterau hinein.

Bei den Notfällen handelt es sich sowohl um Unfallopfer als auch um lebensbedrohliche Erkrankungen. Etwa 43 Prozent der Patienten werden stationär aufgenommen, die übrigen ambulant versorgt. Für eine Reihe von Erkrankungen übernimmt das Klinikum selbst dann die Behandlung, wenn keine Zimmer mehr zur Verfügung stehen.

„Diese Behandlungsgarantie gilt beispielsweise für Herzinfarkte, Schlaganfall, Aortenaneurysmen, aber auch für Dialysepatienten und Opfer von Verkehrsunfällen“, erläutert Dr. Kiefl. „Für diese Fälle halten wir rund um die Uhr Spezialisten bereit, die auch über die modernsten Geräte für die Versorgung der jeweiligen Erkrankung verfügen müssen. Damit garantieren wir auch im Notfall optimale Behandlung.“ Schlimmstenfalls müsse man dann allerdings kurzfristig schon mal ein Bett auf dem Gang in Kauf nehmen.“

Auch Stadt Frankfurt aufs Klinikum angewiesen

Aufs Klinikum angewiesen ist auch die Stadt Frankfurt. Die Offenbacher Notaufnahme ist wesentlicher Bestandteil ihres Katastrophenplans. Daher war das Klinikum beteiligt am Konzept zur Fußball-WM. Beim S-Bahn-Unglück Anfang 2012 in Mühlheim konnte es umfassende Hilfe leisten. Damals wurde die Hälfte der Unfallopfer in Offenbach versorgt.

Heute sind neun eigene Ärzte und 30 Vollzeitkräfte in der Zentralen Notaufnahme im Einsatz. Hinzu kommen die Ärzte aus den jeweiligen Fachabteilungen im Haus, die je nach Bedarf einspringen. Unter Leitung von Dr. Kiefl wurden die Strukturen am Neubau angepasst und viele moderne Medizingeräte sowie notfallmedizinische Ausstattung neu angeschafft. Außerdem wurden viele Abläufe gestrafft.

tk

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