Rascher und gezielter helfen

Sana Klinikum krempelt Notaufnahme um

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Notfall-Versorgung auf höchstem technischen Niveau: Dr.Daniel Kiefl, Chef der Notaufnahme am Sana-Klinikum, präsentierte gestern unter anderem den Trauma-Schockraum der stark frequentierten Einrichtung, die von Sana umgebaut und neu geordnet wurde.

Offenbach - Das Sana Klinikum hat auf die steigende Zahl von Fällen in der Notaufnahme reagiert und die Einrichtung für rund 400 .000 Euro grundlegend umgekrempelt. Patienten und Personal sollen profitieren. Von Matthias Dahmer 

Warum die Zahl der Notfallpatienten ständig steigt, kann sich Sascha John, Geschäftsführer des Sana Klinikums, auch nicht recht erklären. An einer generellen Zunahme der Patientenzahlen könne es nicht liegen, die sei gleich geblieben, sagt er. Es sei aber ein an allen großen Krankenhäusern zu beobachtendes Phänomen, dass Patienten sofort in die Notaufnahme gingen, ohne etwa den ärztlichen Notdienst aufzusuchen.

Am Starkenburgring zählt man mittlerweile pro Jahr rund 50.000 Notfallpatienten. Tendenz steigend. Bei der Planung des Neubaus ging man noch von 38.000 aus. Durch den Anstieg verlängerten sich zum einen die Wartezeiten für die Patienten, zum anderen geriet die Infrastruktur der Notaufnahme an ihre Grenzen, so dass der Druck auf das Personal wuchs. Auf diese bedenkliche Entwicklung hat Sana reagiert: Für rund 400.000 Euro wurde in den vergangenen drei Monaten die Notaufnahme bei laufendem Betrieb umgebaut und neu geordnet.

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Zu den wesentlichen Änderungen gehört die Trennung des Rettungsdienstes von den sonstigen Notfällen. Das heißt, wer mit dem Rettungswagen gebracht wird, kommt wie bisher durch den seitlichen Eingang, Patienten, die selbst ins Klinikum gehen, erreichen die Notaufnahme über den Haupteingang. Für letztere gibt es einen eigenen Anmelde- und Wartebereich, wodurch Rettungstransporte nicht mehr mit wartenden Patienten kollidieren. Der seitliche Eingang öffnet nur noch auf Klingeln, so dass er nicht mehr als Durchgang zur Eingangshalle missbraucht werden kann.

Weitere Neuerung: Die Kinder-Notaufnahme ist – mit eigenem Warte- und Untersuchungsräumen – integriert worden. 14 000 Notfälle bei Kindern und Jugendlichen werden am Klinikum pro Jahr behandelt, sie sei damit eine der größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland, sagt Professor Markus Rose, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendmedizin. Der Vorteil von Zusammenlegung und interdisziplinärer Ausrichtung liege unter anderem darin, dass besonders bei Jugendlichen eine Trennung zur Behandlung von Erwachsenen nicht immer möglich sei, so Rose. „Es stehen damit gleich die richtigen Ärzte zur Verfügung“, ergänzt Sana-Geschäftsführer John.

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Elementarer Bestandteil der Neuorganisation ist ein medizinisches Ersteinschätzungs-Team für Patienten, die von sich aus in die Notaufnahme kommen. Es handelt sich um einen Fach- oder Oberarzt mit Notarztausbildung, der zusammen mit einer speziell geschulten Pflegekraft den jeweiligen Patienten in einer gesonderten Behandlungskabine nach internationalen Regeln einer von fünf Dringlichkeitsstufen zuordnet. Diese Bewertung nach dem „Triage-System“ gibt vor, wie lange die Wartezeit bis zum Arztgespräch sein darf. Die Einstufung „Triage 1“ bedeutet sofortiges Handeln, wer als „Triage 5“ eingeordnet ist, muss bis zu zwei Stunden warten.

Wie Dr. Daniel Kiefl, Chef der Notaufnahme, erläutert, werde dadurch Leerlauf vermieden und ein frühzeitiger Facharztkontakt ermöglicht. Innerhalb weniger Minuten stehe die Verdachtsdiagnose fest. Kiefl: „Damit können wir unsere Patientenströme schneller und gezielter leiten. Für den Patienten auch wichtig: Anmeldeformalitäten können bei zu langen Wartezeiten auch nach der Erstuntersuchung erledigt werden. Es kann aber auch sein, dass der Patient nach der Ersteinschätzung an den ärztlichen Notdienst oder an einen niedergelassenen Arzt verwiesen wird.

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Geld ist auch mit der neuen Notaufnahme nicht zu verdienen. Im Gegenteil: „Wir legen pro Jahr einen siebenstelligen Betrag drauf“, sagt Sana-Geschäftsführer Sascha John. Weshalb die steigenden Fallzahlen auch mit Sorge zu sehen seien. Pro Patient gebe es 28 Euro von der Kassenärztlichen Vereinigung, das sei keine adäquate Vergütung und decke nicht ansatzweise die Vorhaltekosten für rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Daran ändere sich auch nichts durch den Umstand, dass etwa 40 Prozent der Notfallpatienten stationär aufgenommen würden. Andererseits habe Sana einen Versorgungsauftrag, den es zu erfüllen gelte. John: „Ohne uns würde die Notfallversorgung zusammenbrechen.“

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