Notfall im Krankenhaus abgewiesen

Offenbach ‐ Wieder eine Geschichte aus der offenbar fast endlosen Serie „Wenn Ärzte irren ...“: Diesmal geht es um eine Notfallpatientin, die mit einer dubiosen Begründung vom Klinikum Offenbach abgelehnt wurde. Von Peter Schulte-Holtey

Dem Mediziner Albert H. (Name geändert/der Redaktion bekannt) ist im Gespräch mit unserer Zeitung der Zorn noch immer anzumerken. Vor wenigen Tagen wollte er eine Patientin mit einer tiefen Beinvenenthrombose als Notfallpatientin ins Klinikum Offenbach bringen lassen. „Doch beim Anruf in der Notaufnahme bin ich auf erstaunliche Weise abgewiesen worden“, erinnert sich der niedergelassene Internist. Es sei kein Oberarzt verfügbar, der eine Zertifizierung habe - man könne also keine sichere Diagnose erstellen, habe ihm die diensthabende Ärztin der Notaufnahme am Telefon mitgeteilt.

Was Albert H. besonders auf die Palme bringt: „Meine Patientin hätte jederzeit eine Lungenembolie bekommen können.“ Doch dem erfahrenen Internisten wurde von seiner Kollegin geraten, der Patientin „ohne gesicherte Diagnose“ (so Albert H.) ein Medikament zu verordnen - und sie erst am nächsten Tag zur Notaufnahme nach Offenbach zu schicken. „Ist das der adäquate Umgang mit Patienten von einem Krankenhaus, das den Anspruch auf Maximalversorgung erhebt?“, empört sich der Mediziner.

Verantwortlichen untersuchten die Abläufe in der Notaufnahme

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Notfälle sofort behandeln

Mit dieser Frage konfrontiert, wurde am Klinikum in Offenbach umgehend recherchiert, die Verantwortlichen untersuchten die Abläufe in der Notaufnahme am Starkenburgring. Der stellvertretende Geschäftsführer Gunnar Sevecke stimmte sich mehrere Tage nach dem Vorfall mit dem Leiter der Notaufnahme, Dr. Daniel Kiefl, ab und teilte mit: „Die Hinzuziehung von Oberärzten und Chefärzten erfolgt in solchen Notfällen nach medizinischen Erfordernissen. Diese Abläufe waren der erst kurze Zeit in unserem Hause tätigen Assistenzärztin in dieser Form noch nicht bekannt, wären aber bei der Einweisung der Patientin durch die Notaufnahme selbstverständlich bei Bedarf zum Tragen kommen.“

Mit anderen Worten: Die angesprochene Assistenzärztin war wohl noch nicht „fit“ fürs Organisatorische in ihrem neuen Job. Warum die Thrombose-Patientin unter dem offensichtlichen Fehler einer einzelnen Medizinerin unnötig in Gefahr gebracht wurde, ist für Doktor Albert H. auch nach dieser Erklärung der Klinikleitung nicht nachvollziehbar.

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