Notfalls mit Bausparvertrag

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Architektin Alexandra Düll (links) hat mehr Besucherkapazität in das neue Hafen2-Domizil geplant. Die Veranstaltungshalle selbst soll 233 Quadratmeter umfassen und je nach Anlass 443 Steh- oder 306 Sitzplätze bieten. Anschließen werden sich wie heute ein Café mit großzügigem Außenbereich und Nebenräumen unter anderem für kleinere Ausstellungen.

Offenbach - Dass manche am Tag in Erfahrung gebrachte Information beim nächtlichen Druck schon nicht mehr hundertprozentig aktuell sein kann, liegt in der Natur jeder Zeitung. Von Marcus Reinsch

Den Menschen, die den Offenbacher „Hafen2“ beim Sprung in die Standort-Zukunft unterstützen wollen, kann das nur recht sein. Denn würde der in dieser Ausgabe vermeldete Spendenstand für den geplanten Umzug des Kulturzentrums in einen Neubau am Nordring nicht eher stündlich als täglich über die gestern um 12 Uhr addierten 178.426,40 Euro hinaus wachsen, hätte das Projekt schlicht keine Zukunft.

330.000 Euro Eigenkapital muss der Betreiberverein „suesswasser e.V.“ bis zum 16. Oktober aufbringen, damit die unter dem Dach der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) arbeitende Hafenentwicklungs-Tochter Mainviertel GmbH die zu den fälligen 830.000 Euro Gesamtbaukosten fehlende halbe Million vorlegt und der erste Spaten für Veranstaltungshalle und Café stechen kann. Das Geld soll das Kulturzentrum dann ab dem für Ende März nächsten Jahres angepeilten Umzug 20 Jahre lang über 3000 Euro Monatsmiete plus Mehrwertsteuer plus Nebenkosten abstottern - um danach eine vertragliche Option auf mindestens weitere acht Nutzungsjahre ziehen zu können.

Es ist eine ehrgeizige Rechnung. Aber es läuft gut. Vor allem gemessen an den Erwartungen der Akteure. Die ersten, von der Mainviertel GmbH als Bedingung für das Einreichen des Bauantrags geforderten 160.000 Euro waren rechtzeitig zum Stichtag Mitte August zusammen. Alexander Braun von „suesswasser e.V.“ ist begeistert und, so scheint es, von der Eigendynamik der Aktion auch etwas verunsichert: „Mit dem Gelingen der ersten Etappe haben nicht allzu viele Leute gerechnet. Und wir eigentlich auch nicht“, gibt er zu.

Ein Hochzeitspaar hat auf Geschenke verzichtet

Mehr als die Hälfte des Geldes, bisher 90.000 Euro, hätten Privatleute überwiesen, in die Sammelbox gesteckt, dem Verein auf allen möglichen Wegen zukommen lassen. „Und da gab es sehr interessante Ideen“, würdigt Andrea Weiß für den Betreiberverein. Ein Hochzeitspaar habe auf Geschenke verzichtet und die Gäste um den Gegenwert in bar gebeten. Mit einer Bank wurde ein sogenanntes „Langstreckenschwimmer-Programm“ aufgelegt, in dem eine Spendegemeinschaft günstige Kredite zu „Hafen2-Gunsten“ aufnahm. „Und einer hat angeboten, seinen Bausparvertrag für uns zu verwenden“.

In Anspruch genommen hat der Verein diese selbstlose Offerte bislang nicht. Ob das als Notnagel noch nötig wird, hängt von den nächsten vier Wochen ab. Schießt der Spendenstand übers Ziel hinaus, ist Andrea Weiß glücklich über etwas Manövriermasse für Freiraumgestaltung und Inneneinrichtung. Reicht’s ganz knapp nicht, würde der Verein einen Kredit aufnehmen, dessen Last sich neben der Miete noch stemmen ließe. Bei zu großem Abstand zu den 330.000 Euro allerdings komme die Verschuldung nicht in Frage.

Wichtig sei, bekräftigen Braun, Weiß und die Architektin Alexandra Düll, die mit dem Team ihres Frankfurter Büros „Kontext Architektur“ das in die Nachbarschaft der Clubs Robert Johnson und MTW geplante neue Hafen2-Domizil entworfen hat, dass der Betrieb nahtlos weiter gehen könne. „Da darf nichts mehr dazwischen kommen.“

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