Notfalls nicht der Traumjob

Offenbach - Seit einem Jahr macht Irhad Latovic bei Pittler Pro Region in Langen eine Ausbildung zum Elektroniker. Der 18-Jährige hatte nach der Berufsfachschule keinen regulären Ausbildungsplatz gefunden und deshalb zunächst verschiedene Qualifikationsseminare der Main-Arbeit besucht. Von Denis Düttmann

Dann bewarb er sich auf Anraten seiner Vermittlerin bei Pittler, wo er nun in Form einer außerbetrieblichen Ausbildung seine Lehre zum Elektroniker absolviert. „Das ist mein Traumberuf“, sagt Latovic.

Bediri Zequiri ist über ein Langzeitpraktikum zur Heusenstammer Firma Zeitgeist gekommen. Rund 20 Bewerbungen hatte er zuvor verschickt, jetzt macht er bei dem Vertriebsunternehmen für hochwertige Spirituosen eine Ausbildung zum Fachlagerist. „Auch wenn man erstmal nicht seinen Traumberuf erlernen kann, sollte man jede Lehrstelle annehmen, die sich bietet - später kann man sich immer noch weiter entwickeln“, findet der 21-Jährige.

Für die Vermittler des Teams U25 der Main-Arbeit beginnt nun die heiße Phase: Im Herbst starten die meisten Ausbildungen, und noch immer haben viele Jugendliche und junge Erwachsene keine Lehrstelle. „Wir nutzen unsere guten Kontakte zu den Ausbildungsbetrieben in der Region“, sagt Teamleiter Jan Pippardt. „Im persönlichen Gespräch versuchen wir die individuellen Stärken jener Jugendlichen herauszustellen, die aufgrund schlechter Schulnoten nicht die optimalen Voraussetzungen für eine eigene Lehrstellensuche mitbringen.“ Im vergangenen Jahr wurden so 266 junge Arbeitslosengeld (ALG) II-Bezieher vermittelt: 107 traten eine betriebliche, 99 eine außerbetriebliche und 60 eine schulische Ausbildung an. Für 2009 rechnet die Main-Arbeit mit ähnlichen Zahlen - bisher haben die Vermittler 50 betriebliche Lehrstellen akquiriert.

Jugendliche und junge Erwachsene sind eine unserer wichtigsten Zielgruppen“, sagt Matthias Schulze-Böing, Geschäftsführer der Main-Arbeit. „Es ist unser Anliegen, ihnen möglichst schnell eine Lehrstelle anzubieten, denn eine fundierte Ausbildung ist die beste Gewähr, in Zukunft nicht mehr von sozialen Leistungen abhängig zu sein.“ In den kommenden Jahren werden mehr Menschen den Arbeitsmarkt verlassen als neu ins Berufsleben eintreten. Deshalb sei es gerade jetzt besonders wichtig, das ganze Talent- und Bildungspotenzial auszuschöpfen und junge Leute umfassend auszubilden. „Die Zukunft bietet zahlreiche Chancen“, glaubt Schulze-Böing. „Aber man muss gut vorbereitet sein.“

Derzeit sind 2 690 Empfänger von ALG II zwischen 15 und 24 Jahren bei der Main-Arbeit gemeldet - 908 davon gehen momentan noch zur Schule. „Wir setzten bei der Beratung so früh wie möglich an“, sagt Schulze-Böing. „Projekte wie regionales Übergangsmanagement, die Kompetenzagentur und Produktionsschulen helfen uns dabei, den Übergang von Schule in Ausbildung möglichst reibungslos zu meistern.“

Den Vermittlern der Main-Arbeit wird in den kommenden Wochen sicherlich nicht langweilig - die Institution arbeitet auf Hochtouren. „Wir nutzen bestehende Kontakte, suchen nach offenen Lehrstellen und beraten die Unternehmen und die Jugendlichen“, erklärt Franziska Luck. „Wenn es so weiter geht, können wir unsere Vermittlungsquote von rund 20 Prozent aus dem Vorjahr wieder erreichen.“

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