Notfalls wird abgesaugt

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Projektleiter Helmut Teichmann ist von der Sanierung des Schultheisweihers überzeugt. Hier erklärt er eine Neuerung im südlichen Bereich, wo Rollrasen eingebaut wurde. Neu und ebenfalls zum Wohl der Badegäste: gut 200 Kubikmeter gewaschener Flusssand.

Offenbach - Alles zur Verbesserung der Wasserqualität im Schultheisweiher. 2,4 Tonnen Fisch entnommen, 4 Tonnen Calciumchlorid und 10 Tonnen Natriumhydrogencarbonat zugeführt. Von Martin Kuhn

Ziel der ökologischen Sanierung, die im Jahr 2006 begann: Das Naturschutzgebiet als Ort der Erholung erhalten. Um das zu erreichen, durften Besucher im Vorjahr lediglich an den Strand und auf die Liegewiese, nicht aber ins Wasser.

Das ändert sich - vorerst. Die offizielle Badesaison beginnt am 1. Mai. Vom „Testbetrieb unter realen Bedingungen“, spricht Birgit Simon.

Eine Prognose möchte weder die Bürgermeisterin noch der beauftragte Gewässer-Ökologe Christian Schuller wagen: „Es gibt zu viele Unbekannte.“ Da wären etwa der Faktor Wetter und der Faktor Mensch oder die Kombination von beidem.  Im Klartext könnte das heißen: Das Öko-System gesundet, wenn es viel regnet und möglichst wenige Badegäste nach Rumpenheim pilgern. Wie gesagt: Es könnte, muss aber nicht.

Für Schuller ist eine Frage viel interessanter: Wer behält in dem naturgeschützten Gewässer das Übergewicht - die Cyanobakterien (im Volksmund als Blaualgen bekannt) oder die Wasserpflanzen? Letztere sind unabdingbar für ein gesundes Gewässer. Bei der Bestandsaufnahme 2006 registrierte der Ökologe im Schultheis so gut wie keine Wasserpflanzen. In diesem Frühjahr wies er teils dichten Bewuchs nach - etwa  Raues Hornblatt und Laichkraut.

Wenn es also beim Schwimmen mal an den Fußsohlen kitzelt, ist’s nicht gefährlich, sondern ein Zeichen für gute Wasserqualität. Für deren Kontrolle ist das Gesundheitsamt verantwortlich. Laut Leiter Dr. Michael Maiwald ergab die erste Probe am Freitag beste Werte für den Schultheisweiher. Colibakterien und Enterokokken unter dem Grenzwert, ebenso die besagten Cyanobakterien. Das wird 14-tägig wiederholt. Und falls es doch einmal bläulich auf dem See schimmert, wird der „Skimmer“ aktiviert, ein Oberflächenabsauger, der ursprünglich zur Aufnahme von Ölfilmen entwickelt wurde.

Dass es unter Wasser nun grünt, ist wohl auch ein Resultat der Abfischungen. 14 Mal war ein Berufsfischer aktiv. Seine Beute waren unter anderen 44 Graskarpfen mit einem Gewicht von 642 Kilogramm, die als ortsfremd gelten und vermutlich vor Jahren in den See gesetzt wurden. Eine - sicher nicht vollständige - Elektro-Befischung brachte folgende Arten kurz an die Oberfläche: Hecht, Schleie, Rotauge, Aal, Wels. Das sei durchaus gewollt, sagt Helmut Teichmann, Projektleiter der Schultheis-Sanierung: „Wir wollten nie den See leer fischen.“

Das ist sicher auch im Sinn der Sportfischer, die neben Naturschützern, Vogelkundlern, Schwimmern und Sonnenanbetern den Schultheis als begehrtes Revier betrachten. An der Stadt ist es, alle berechtigten Wünsche am gut elf Hektar großen Gewässer in geordnete Bahnen zu lenken. Für die Badesaison (Aufsicht von 11 bis 19 Uhr) hat die Stadt einiges geändert.

Am östlichen Ufer wurde für die Angler an „bevorzugter Stelle“ ein Platz geschaffen. Auf der Liegewiese entfernten Forstamt und GOAB die Einzäunung des Angelplatzes, schnitten 700 Quadratmeter frei und schafften einen direkten Zugang zum Wasser. Am Ufer wurden 290 Tonnen Sand ausgehoben, der teils von Vogelkot verdreckt war. Dafür wurden 340 Tonnen zweifach gewaschener Flusssand aufgefüllt - „sehr zur Freude der Gäste, die an den Sonnentagen bereits am See waren“,so Birgit Simon. Das hat seinen Preis: Allein die Sanierung des Sees kostet die Stadt etwa 45 000 Euro im Jahr.

Infos zum Schultheisweiher

Der Schultheisweiher entstand 1928, als die Firma Schultheis mit dem Kiesabbau im Bürgeler/Rumpenheimer Mainbogen begann. 

Nach Aufgabe des Kiesabbaus in den 60er Jahren begann man, das Gebiet zu verfüllen - zum Teil mit Müll. Dies wurde von der Stadt 1975 untersagt.

Am 23. März 1983 wurde der heutige Badesee erstmals zum Naturschutzgebiet erklärt.

Wassertiefe: maximal 2,60 Meter.

Es kommen jährlich bis zu 100 000 Badegäste an den See.

Beim bakteriellen Abbau eines Laibs Brot wird der Sauerstoffgehalt von etwa 70 000 Liter Seewasser verbraucht.

Der Schultheis ist nicht nur Brutbiotop für heimische Vogelarten, sondern auch Rastplatz für Zugvögel, insbesondere für Kormorane.

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