Vor Notstand bei Kita-Plätzen

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Zuletzt hat es bundesweit im Schnitt nur für knapp zwanzig Prozent der Kleinkinder einen Betreuungsplatz gegeben.

Offenbach - Ab 2013 sollen die Kommunen für 35 Prozent aller Kinder unter drei Jahren einen Kita-Platz garantieren. Wie das gelingen soll, ist jedoch in einigen Städten im Rhein-Main-Gebiet weiterhin fraglich. Der Ausbau der Kinderbetreuung geht nur schleppend voran. Von unseren Redaktionen

Nach Angaben von Bürgermeisterin Birgit Simon gab es in Offenbach Ende 2010 etwa 1000 Betreuungsplätze für Unter-Dreijährige. Das entspricht 27 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe. „Ende dieses Jahres kalkulieren wir bereits mit 30 Prozent“, so die Grünen-Politikerin. Die weitere Ausbauplanung sehe vor, dass bis 2013 die geforderte Betreuungsquote von einem Drittel der Kinder erreicht werde. Simon: „Ob das für Offenbach ausreicht, wird sich im Laufe des Jahres 2013 zeigen, denn die genannten 35 Prozent wurden vom Bund als Durchschnittswert für alle Kommunen in Deutschland vorgegeben, ohne zu berücksichtigen, dass die tatsächliche Nachfrage in den Großstädten der Ballungsräume viel höher sein kann als in ländlichen Gebieten.“ Da es ab 1. August 2013 einen einklagbaren Rechtsanspruch geben soll, könnten die großen Städte allesamt in eine problematische Situation geraten, „obwohl sie den vom Bund angegebenen Richtwert von 35 Prozent erfüllen“, meint Offenbachs Bürgermeisterin.

Dazu kommen nach ihrer Ansicht weitere Aspekte, die Großstädte besonders betreffen: die deutlich höhere Nachfragequote führe nicht nur zu erhöhtem Investitionsbedarf, sondern „natürlich auch zu entsprechend steigenden laufenden Betriebskosten der Einrichtungen“; zudem müssten geeignete Gebäude und Grundstücke für neue Kindertagesstätten gefunden werden. Auch der Arbeitsmarkt für qualifizierte Erzieherinnen sei sehr angespannt. Simon: „Diese Aspekte zusammengenommen müssten beim Bund schon längst für schrillende Alarmglocken sorgen - falls dort das selbstgesteckte Ziel einer bedarfsgerechten Betreuung für Kinder unter drei Jahren, das familien- und sozialpolitisch überfällig ist, ernst genommen wird.“

  • DreieichIm finanziell klammen Dreieich wird die Quote wohl verfehlt. Für 2011 liegt sie bei 13 Prozent (Betreuungsplätze) bzw. 2,15 Prozent (Tagesmütter). Die Quote soll bis 2013 auf 18,6 Prozent bei den Betreuungsplätzen steigen, bei den Tagesmüttern bleibt es bei 2,15 Prozent.
Neu-Isenburg hat die Vorgaben schon erreicht. Anfang 2011 gab es 224 Plätze, was einer Quote von 37 Prozent entspricht (bei etwa 600 Kindern im Alter von eins und zwei). Bis Ende des Jahres sollen es 260 Plätze und damit knapp 44 Prozent sein. Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gibt es bei den Vereinen Toddlers, Kaleidoskop und Känguruh sowie der Tagesmütterzentrale, außerdem in den Kitas St. Franziskus, Am Erlenbach und Zeppelinheim sowie im Familienzentrum Gartenstraße.Der Ausbau an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren macht Rodgau weiter Fortschritte. Am 20. Oktober war im Stadtteil Dudenhofen der erste Spatenstich für den Erweiterungsbau der Kindertagesstätte Freiherr-vom-Stein-Straße. Die Kita wächst um drei Betreuungsgruppen für 30 Kinder unter drei Jahren (U3). Die Fertigstellung ist für Sommer 2012 geplant. Dann stehen in Rodgau 293 U3-Betreuungsplätze zur Verfügung, davon 87 bei Tagesmüttern. Das entspricht 26,9 Prozent der unter Dreijährigen (Berechnungsgrundlage sind drei Jahrgänge mit zusammen 1090 Kindern). Geht man davon aus, dass der Bedarf erst nach einem Jahr Elternzeit eintritt, bezieht sich die Berechnung auf zwei Jahrgänge (732 Kinder); unter dieser Voraussetzung liegt der Deckungsgrad ab Sommer 2012 bei 40,3 Prozent. In Rodgau werden also 381 Plätze benötigt, um 35 Prozent der Kleinkinder betreuen zu können. Aktuell sind es 263 Plätze. Im Stadtteil Jügesheim plant die Stadt den Bau eines Familienzentrums am Alten Weg mit weiteren drei Kleinkindergruppen (30 Plätze). Zurzeit läuft der Architektenwettbewerb. Das Familienzentrum geht voraussichtlich im Jahr 2013 ans Netz.
  • Babenhausen
Aktuell gibt es in Babenhausen sechs Kindertageseinrichtungen, die bereits Kinder unter drei Jahren betreuen, sowie einen betreuten Spielkreis - den „Zwergentreff “ - für Kinder im Alter von ein bis drei Jahren. Eine Alternative dazu ist die Kindertagespflege. Die Stadt will die Quote von 35 Prozent erfüllen.Münster: Nicht nur die gesetzliche Vorgabe habe die Gemeinde aktiv werden lassen, sagt Bürgermeister Walter Blank. Er erinnerte daran, dass Münster stets darauf bedacht sei, familienfreundlich zu agieren. Für die jüngsten Bewohner der Kommune ist mit fünf Kindergärten bzw. Kindertagesstätten sowie einer Kinderkrippe im Ortsteil Altheim gesorgt, in denen sie zum Teil den ganzen Tag betreut werden. Eine Krippe für Kleinkinder ist in Bau.
  • LangenLangen wird den Rechtsanspruch bis 2013 nach derzeitigem Stand nicht erfüllen können, obwohl die Stadt in den vergangenen Monaten schon viel Geld in den Ausbau der Betreuung gesteckt hat. 240 U-3-Plätze sind es derzeit (inklusive Elterninitiativen und Tagespflege/alle Zahlen Stand: 30. Juni). 916 Kinder zwischen null und drei Jahren gibt es aktuell; damit liegt der Deckungsgrad bei 26,2 Prozent. Würden (wie in anderen Kommunen) nur Kinder zwischen einem und drei Jahren gerechnet, käme die Stadt bei 617 Jungen und Mädchen auf einen Deckungsgrad von 38,9 Prozent. Wird der Rechtsanspruch aber auf Grundlage aller Kinder unter drei Jahren berechnet, müssten in Langen 321 Plätze zur Verfügung stehen. „Wir schauen jetzt, wo wir Betreuungsplätze für Drei- bis Sechsjährige in U3-Plätze umwandeln können“, sagt Sandra Wettlaufer von der Stadtverwaltung. Dies sei aber nicht in großem Maß möglich. Doch für mehr habe die Kommune kein Geld.
  • Seligenstadt

Seligenstadt hat die Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren massiv ausgebaut. Der umfangreich vorangetriebene Ausbau bescherte der Stadt 2009/2010 den Spitzenplatz im Kreisgebiet bei der Versorgung von Kleinkindern. 89 Krippenplätze und maximal mögliche 41 Plätze in der Tagespflege standen zur Verfügung. 2008 war die Kommune noch Schlusslicht bei diesen Angeboten. Zuletzt standen für Kinder von drei Jahren bis zur Einschulung 694 Plätze zur Verfügung. Gemeldet waren 2009/10 exakt 737 Kinder. 92 Prozent der kleinen Seligenstädter können eine Betreuungseinrichtung besuchen.

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