Steigende Zahl von Menschen in Notunterkünften

Eigeninitiative gefordert

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Blanke Kabel, illegale Müllablagerungen im Innenhof und generelles Besuchsverbot: Die Zustände in Offenbachs Notunterkünften sind nicht immer angenehm.

Offenbach - Arbeitslosigkeit, Schulden, Scheidung, zerrüttete Familienverhältnisse: Die Gründe für eine drohende Obdachlosigkeit sind vielfältig. Damit Betroffene nicht auf der Straße stehen, halten Mainarbeit und Stadt Offenbach für den Ernstfall Notunterkünfte bereit. Von Jenny Bieniek 

Zur Zeit stehen in Offenbach 13 Immobilien für eine vorübergehende Unterbringung zur Verfügung, davon sechs Hotels und sieben Gemeinschaftsunterkünfte, die alle in Privatbesitz sind. Für die Eigentümer ist das ein lohnendes Geschäft: Je nach Unterbringungsart zahlt die Stadt pro Nacht und Person zwischen 12 und 22 Euro. In den vergangenen beiden Jahren ist die Inanspruchnahme dieser Leistung in Offenbach jedoch deutlich gestiegen – für die Stadt eine immer größere finanzielle Belastung.

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Vergangenes Jahr belegten pro Monat im Schnitt 375 Menschen eine Notunterkunft. Die Gesamtkosten beliefen sich 2013 damit allein für die Hartz-IV-Bezieher (nach Sozialgesetzbuch, SGB II) auf 2,04 Millionen Euro – macht zirka 170.000 Euro pro Monat. Zu der Kundschaft des Jobcenters Mainarbeit kommen die vom Sozialamt unterstützten Menschen: Macht nochmal 358.000 Euro. Zum Vergleich: Im Sommer 2012 waren in Offenbach „nur“ 243 SGB-II-Leistungsberechtigte in Notunterkünften untergebracht. Knapp 70 Prozent davon (166) lebten damals in Gemeinschaftsunterkünften, nur 77 Menschen blieben übergangsweise in Hotels. Einzelbelegungen bilden die Ausnahme. Zum 1. Februar 2014 dagegen verteilten sich die Leistungsberechtigten exakt zur Hälfte auf Hotels und Gemeinschaftsunterkünfte.

„Fehlanreize abbauen“

„Wir nehmen die steigenden Unterbringungszahlen zum Anlass, Optimierungsmöglichkeiten zu prüfen“, heißt es dazu von Mainarbeit-Chef Matthias Schulze-Böing. Dies solle bis Mitte des Jahres geschehen. Bislang besteht ein Vertrag mit der Zentralen Vermittlung von Unterkünften (ZVU) des Evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe in Frankfurt, die im Auftrag der Stadt Offenbach die Unterbringung organisiert. Hat die ZVU eine Unterkunft gefunden, stellt die Mainarbeit eine Kostenzusicherung aus, mit der sich Betroffene direkt an die Übergangsbleibe wenden können. Eine freiwillige Leistung, wie die Stadt betont, denn es gibt keine Rechtsvorschrift, welche die Beschaffung von Wohnraum oder die Unterbringung von Obdachlosen regelt.

Laut Sozialdezernent Felix Schwenke bemüht sich die Stadt jedoch, „Fehlanreize abzubauen und die Bemühungen zur Eigeninitiative und Selbsthilfe zur Vermeidung von Wohnungsnotlagen anzuregen“. Die Unterbringung im Familien- oder Bekanntenkreis solle Vorrang vor der sehr teuren, verwaltungsaufwändigen Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften oder gar im Hotel haben.

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Ein Vorstoß der Linken, das Durcheinander an Zuständigkeiten einzudämmen und stattdessen eine zentrale Anlaufstelle einzurichten, scheiterte jüngst in der Stadtverordnetenversammlung. Nach dem Willen der Fraktion sollte Betroffenen so die Möglichkeit gegeben werden, schon bei drohender Wohnungslosigkeit Ansprechpartner zu haben, um Kündigungen im Vorfeld abzuwenden.

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