NPD-Gegendemo

Pfeifkonzert gegen Rechts

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Keine Chance hatten sieben NPDler, die gestern vor der Städtischen Sparkasse am Marktplatz Station auf ihrer „Deutschlandtournee“ machten und von rund 250 linken Gegendemonstranten und Dutzendschaften der Polizei in Empfang genommen wurden.

Offenbach - Und sie sind doch noch pünktlich aufgetaucht. Nicht minder tugendhaft fällt ihr Empfang aus: In lauten „Nazis raus!“-Rufen und einem schier endlosen Trillerpfeifenkonzert geht die gerade begonnene Ansprache von Oberbürgermeister Horst Schneider unter, als der mit vergleichsweise harmlosen Parolen bemalte Lkw der NPD im Rückwärtsgang auf den Platz vor der Hauptstelle der Städtischen Sparkasse vorfährt. Von Fabian El Cheikh

„Unterwegs für die Interessen Deutschlands“, hat sich der Lastwagen mit der rot-weißen Beschriftung von der braunen Kundgebung am Vormittag in Darmstadt auf verwirrten Wegen nach Offenbach begeben. Wie zuvor schon in Südhessen, steigen auch am Marktplatz gerade mal sieben verirrte Fahnenschwenker der höchstumstrittenen Partei aus und gehen in Stellung – begrüßt von gut und gerne 250 Gegendemonstranten, die sich hinter einem Polizeizaun in 25 Metern Entfernung ebenso unübersehbar wie unüberhörbar positionieren.

Flagge gegen das „rechtsextreme Weltbild“

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Dass sie immerhin bis zehn zählen können, beweisen die braunen Köpfe, als sie minutenlang versuchen, ihre Lautsprecher- und Mikrofonanlage auf dem Dach des Lkw in Gang zu setzen. Am Ende klappt’s dann doch noch. Allein, die Mühe hätten sie sich sparen können, ist das Pfeifkonzert der fast ausschließlich linken Gegendemonstranten doch bis weit in die Fußgängerzone hinein vernehmbar.

Die Linke, die Piraten, Verdi, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Naturfreunde Offenbach, aber auch die Deutsche Kommunistische Partei – sie alle zeigen Flagge gegen das „rechtsextreme Weltbild“ einer Partei, die in Offenbach nicht erwünscht ist, wie Mike Josef vom DGB zu Beginn der Gegendemo über Lautsprecher deutlich macht.

Polizei ist gelassen

Ebenso wie der Oberbürgermeister, der den vielen die zentrale Verkehrsader passierenden Mitbürgern mit so genanntem Migrationshintergrund versichert, dass sie – die Feinde der braunen Partei – willkommen sind in dieser „multi-ethnischen, multireligiösen und toleranten Stadt Offenbach“. Und der noch einmal alle ermahnt, sich nicht provozieren zu lassen.

Mittendrin: Rolf Heinemann, der Frankfurter Kreisvorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten). Jahrgang 37 ist Heinemann, der den Krieg noch in Kinderjahren erlebt hat und entsetzt ist, dass „diese Partei ihre Ideologie seit 1945 nicht geändert hat“.

In erster Reihe der Gegendemonstranten entfalten die Jungsozialisten guter Laune ein ellenlanges Transparent mit der Aufschrift: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Und auch die Polizei ist gelassen, denn es bleibt an diesem Nachmittag ruhig. Bis auf die Trillerpfeifen – und ein paar fliegende Eier.

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