Auch Privatleute können den „Tornado“ zur Fassaden-Reinigung buchen

Mit Nüssen gegen Schmierereien

Der „Tornado“ wurde auch schon zur Reinigung eines Trafohäuschens vom Stadtservice genutzt. Foto: SOH (p)

Offenbach – Glaubt man der Stadt, ist die Zahl illegaler Graffiti an Wohnhäusern in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen. Geht man offenes Auges durch die Stadt, kann man das nicht ganz nachvollziehen. Kreuz und quer wird gesprayt und geschmiert, was die Farbe hergibt.

Die Beseitigung der bunten Ärgernisse erfolgt - je nach Untergrund - oftmals mit chemischen Mitteln oder durch Überstreichen. Der Offenbacher Stadtservice hat aufgerüstet und setzt nun auf eine Art umweltverträglichen Farbsauger; ein Verfahren, das auch Privatleute buchen können.

Die neue Methode zur Entfernung: Mit der Kraft von beispielsweise Walnuss-Schalen und eines Tornados werden unerwünschte Schmierereien ebenso gründlich wie umweltschonend entfernt. „Tornado“ ist ein an einen Staubsauger erinnerndes Gerät, das seit einiger Zeit von den Mitarbeitern genutzt wird. Dieses kommt ohne Chemie, Wasser oder Hochdruck aus. Stattdessen lädt das System Material wie Glaspartikel, das synthetische Asilit oder eben Nussschalen.

Bisher wurden Graffiti im öffentlichen Raum durch eine Firma entfernt, die der Stadtservice beauftragte. Das hat allein im vergangenen Jahr rund 30 000 Euro gekostet. Jetzt können die eigenen Mitarbeiter mit dem neuen Gerät vollgesprayte Flächen selbst reinigen.

Beim Einsatz ist auf jeden Fall Fingerspitzengefühl gefragt: Ein mit Sichtscheiben versehener Kasten wird auf ein störendes Graffiti gesetzt, das Reinigungsmaterial wird mit einer Düse gezielt auf die Schrift oder Gemälde geschleudert und schmirgelt diese ab. Gleichzeitig werden die zurückprallenden Teilchen und Farbpartikel innerhalb des Aufsatzes wieder eingesaugt.

Wie lange das Ganze dauert, hängt von der Verschmutzung und vom Untergrund ab. Da nicht jede Fläche gleich und eben ist, gibt es auch verschiedene Aufsätze – etwa für Kanten. Oft dauert der Aufbau des Systems länger als die minutenschnelle Entfernung eines sogenannten Tags - der Signatur des „Writers“.

Das wieder eingesaugte Material kann mehrfach wiederverwendet werden, bis es zu stumpf für die Reinigung geworden ist. Die Mitarbeiter des Stadtservice, die oft jahrzehntelange Erfahrung mit Reinigungsarbeiten aller Art mitbringen, sind von dem Gerät überzeugt, zumal die Arbeit ohne Chemie erledigt wird und der Geräuschpegel gering ist. Durch die Arbeit mit einem geschlossenen System fliegen keine Partikel umher, es läuft nichts in den Boden und die zu reinigende Stelle muss nicht für den Fußgänger abgesperrt werden.

Wer sich von der Wirksamkeit ein Bild machen möchte: Die Skulptur im Leonhard-Eißnert-Park oder das Kreuz am Memoriam-Garten auf dem Neuen Friedhof wurden damit bereits gereinigt. Welches Material benutzt wird, hängt vom Untergrund ab: Asilit ist etwa bei der Reinigung von Naturstein angesagt. Auch Schmutz, Rost oder Salpeter werden mit dem Gerät entfernt, es entfernt Beläge auf Klinker und Beton ebenso wie auf Putz.

Anfangs fegte der „Tornado“ noch ausschließlich im Dienst des Stadtservice durch die Offenbacher Straßen und hat dort vor allem Graffiti entfernt. Jetzt können auch Bürger das Gerät privat buchen, beispielsweise für die Reinigung einer Hausfassade. Kontakt: vertrieb-innendienst@eso-of.de; z 069 840004-311.  mk / pso

Infos im Internet

stadtservice-dienstleistungen.de

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