Groß angelegte Kontrollen des Ordnungsamts

Die Null-Toleranz-Strategie für Offenbach

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Es geht um das Erscheinungsbild der Stadt, begründet Ordnungsdezernent Felix Schwenke seine Strategie. Dass dies ein täglicher Kampf ist, beweist die Müllhalde, die sich gestern an der Waldstraße kurz vor dem Marktplatz auftürmte.

Offenbach - Felix Schwenke macht seiner Funktion als Ordnungsdezernent alle Ehre. Mit Großkontrollen zeigte das Ordnungsamt vor Jahresende Präsenz in der Innenstadt.

Schwerpunkt waren rauchende, herumlungernde Personen in S-Bahn-Stationen und Auto- fahrer in der Fußgängerzone. Schwenke, der stundenweise die Stadtpolizisten bei ihren Kontrollen begleitete, setzt damit die im vergangenen Jahr begonnene Strategie fort, mehr Sicherheit im öffentlichen Raum zu vermitteln und Ordnungswidrigkeiten stärker zu ahnden. Besonderen Wert legt er auf das Erscheinungsbild der Stadt: „Auswärtige Besucher, die Offenbach mit der S-Bahn erreichen, bekommen in den Stationen einen ersten Eindruck. Deswegen muss es ein Ende haben, dass dort Menschen herumlungern und die Treppen belagern.“ Seit September fährt das Ordnungsamt eine Null-Toleranz-Strategie gegen das Rauchen in den Stationen und das Herumstehen oder -sitzen auf den Treppen. „Mir ist es wichtig, mit dem zur Verfügung stehenden Personal immer wieder Zeichen zu setzen, dass wir Vergehen gegen Regeln und Gesetze nicht tolerieren“, so Schwenke. „Deshalb werden beispielsweise Raucher seit September nicht mehr mündlich verwarnt, sondern sofort zur Kasse gebeten. Anders lässt sich die fürs Image wichtige Änderung des Erscheinungsbilds nicht erreichen.“

Bei ihren Kontrollen registrierten die Mitarbeiter der Stadtwache insgesamt 76 Verstöße gegen das Rauchverbot, die jeweils mit 50 Euro geahndet wurden. Bemerkenswert: Sogar ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn wurde erwischt und musste blechen. Ein anderer S-Bahn-Nutzer, der mit dem Rad in der Station Marktplatz unterwegs war, erhielt eine Verwarnung. Insgesamt waren von 7 Uhr morgens bis etwa 16 Uhr drei Doppelstreifen in Uniform und in Zivil in den S-Bahn-Stationen Marktplatz, Ledermuseum und Kaiserlei im Einsatz. Zwei Streifen kontrollierten im Spätdienst von 14 bis 0 Uhr auch die Stationen Offenbach-Ost, Bieber und Waldhof. Zusätzlich wurden ganztägig Hauptbahnhof, Weihnachtsmarkt und Innenstadt kontrolliert.

In der Fußgängerzone hielten die Kontrolleure allein am Vormittag – während Schwenke sie begleitete – sechs Autofahrer an, die außerhalb der zulässigen Zeiten mit einem Kraftfahrzeug den verkehrsberuhigten Teil befuhren. Auch sie mussten ihre Strafe sofort in bar begleichen. „Es ist für mich völlig inakzeptabel, dass tagsüber immer wieder Autos in der Fußgängerzone unterwegs sind. Viele überschreiten sogar die gebotene Schrittgeschwindigkeit. Jeder muss wissen: Mit der Stadtpolizei ist zu rechnen, wir gehen dagegen vor“, kritisiert Schwenke das Verhalten der Fahrzeuglenker. Die Stadt müsse ohnehin viele Ausnahmegenehmigungen für das Befahren von Frankfurter Straße, Herrnstraße und Großer Marktstraße für Anwohner, Paketdienste und Ärzte ausstellen. „Alle anderen gehören dort einfach nicht rein“, betont Schwenke.

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Die vier zusätzlichen und refinanzierten Stellen, die der Stadtpolizei ab 2016 zur Verfügung stehen, will der Ordnungsdezernent nutzen, um mehr Streifen zu Fuß durch die Innenstadt und die S-Bahn-Station Marktplatz zu schicken. „Da wird der Kampf um das Image der Stadt gewonnen oder verloren“, formuliert Schwenke markig. Während der jüngsten Kontrollen kam es auch zu Einsätzen, die nicht in direktem Zusammenhang mit den Schwerpunkten standen: So wurde eine Streife auf dem Weg zum nächsten Kontrollort von Passanten angesprochen, die einen gesuchten Betrüger festhielten. Der Mann wurde nach einer ersten Personenüberprüfung an die Kollegen der Landespolizei übergeben.

An der Bushaltestelle Marktplatz stieß die Stadtpolizei auf einen Mann mit lebensgefährlicher Kopfverletzung, die das Sana-Klinikum eigenständig verlassen hatte. Der Verletzte wurde in Schutzgewahrsam genommen und zwangsweise mit einem Rettungswagen zur Behandlung ins Klinikum zurückgebracht. An der S-Bahn-Station Offenbach-Ost kam eine Streife einer Person am Gleis zu Hilfe, die gerade das Bewusstsein verloren hatte. Die Kontrollen auf dem Weihnachtsmarkt in den Abendstunden verliefen dagegen ruhig – es kam zu keinerlei Vorkommnissen.

mad/pso

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