ADFC fordert weitere und sichere Abstellanlagen in der Stadt Offenbach

Nur eine geringe Aufklärungsquote

Fahrrad Abstellanlage Schließöse Sicherung
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Eine gut gemachte Abstellanlage sorgt für guten Halt, verhindert Kratzer am Rahmen und macht das Anschließen leicht. Verbreitet sind große Bügel mit einer oben angebrachten Schließöse, deren Verwendung verhindert, dass zum Beispiel der Boden als Widerlager für einen Bolzenschneider genutzt werden kann.

Jahr für Jahr werden bundesweit etwa 300 000 Fahrräder gestohlen. Versicherte und nicht versicherte. Da Fahrraddiebstähle häufig nicht angezeigt werden, dürfte die Dunkelziffer ungleich höher liegen. Das legen auch die Zahlen des Fahrradklima-Tests des ADFC für 2020 nahe. Das Thema Veloklau bewerteten die Offenbacher Teilnehmer mit einer Schulnote von 4,9. Das ist noch deutlich schlechter als in Städten vergleichbarer Größe ( 4,1). Es legt nahe, dass einiges zu verbessern ist.

Offenbach - Die Stadt hat zwar in jüngster Zeit immer mehr Fahrrad-Abstellanlagen errichten lassen. Aber nach Ansicht des lokalen ADFC fehlen an vielen Orten weiterhin sichere Möglichkeiten. „An erster Linie denken wir an die Bahnhöfe und die zentralen Bushaltestellen, wo es offensichtlich zu wenige Stellplätze gibt“, formuliert Sprecher Henning Kühl. Hier bräuchte es weitere Abstellanlagen, „dazu gehörten auch Boxen, um besonders wertvolle Fahrräder absichern zu können“.

Auch in den Wohngebieten fehle es an geeigneten Abstellmöglichkeiten. Henning Kühl sagt: „Hier gibt bereits gute Möglichkeiten, damit auch Bewohner von Altstadtvierteln ihre Fahrräder nicht in den Hausflur oder auf den Balkon stellen müssen. Und wir fordern weiter, dass in der Innenstadt und den Stadtteil-Zentren es genügend sichere Anlagen gibt. Man sollte auch beim Einkaufen hochwertige Fahrräder wie Pedelecs oder Lastenräder benutzen können ohne große Angst haben zu müssen, dass diese Räder geklaut werden.“

Es ist ein langer Katalog. Wie sichere Anlagen aussehen könnten, zeigt die Hansestadt Hamburg. Ihre „Fahrradhäuschen“ finden sich in der freien Enzyklopädie mit einem längeren Beitrag wieder. „Die gibt’s. Und sie werden gut genutzt, zum Beispiel in der Koopstraße in Eimsbüttel“, schreibt die Kollegin, die’s beruflich in den Norden verschlagen hat. Erfolgsrezept: In Hamburg besteht die Möglichkeit, mittels eines privaten Antrages beim Bezirksamt, abschließbare Fahrradhäuschen in der Nachbarschaft des Wohnhauses aufstellen zu lassen.

Die bis zu zwölf Velos fassenden Häuschen sind mit einem Drehkarussell ausgestattet, an dem das Fahrrad mit dem Vorderrad aufgehängt wird. Bevorzugt sollen die Häuschen, die sechs Quadratmeter groß sind, auf privatem Grund aufgestellt werden. Die Kosten werden je zur Hälfte von den Nutzern und den zuständigen Bezirksämtern übernommen, jedoch nur, wenn keine andere Möglichkeit besteht, Abstellplätze zu schaffen. Das ist oft der Fall: In Hamburg gibt’s beinahe 400 Rundbauten.

Ob solche Fahrradhäuschen die lokale Kriminalstatistik verbessern würden, ist natürlich unklar. Die Zahl der bei der Polizei zur Anzeige gebrachten Diebstähle ist 2020 jedenfalls gestiegen, die Aufklärungsquote hingegen eher überschaubar: Die Beamten klärten nicht einmal jeden zehnten Fall. Die Polizei bezeichnet es als ein Massendelikt - wie etwa die Sachbeschädigung -, „das oft großen Schwankungen unterliegt“, wenn der zu betrachtende zeitliche und örtliche Rahmen eng gefasst wird.

Polizeisprecher Henry Faltin ordnet’s so ein: „Betrachtet man die Entwicklung über einen längeren Zeitraum, stellt man fest, dass der Fahrraddiebstahl in Offenbach über die Jahre stark abgenommen hat (2014: 629 Delikte). Natürlich ist die Entwicklung im letzten Jahresvergleich betrüblich, ist aber in der dargestellten Langzeitentwicklung zu sehen.“ Haben die Ermittler denn einen lokalen Hotspot ausgemacht? „Nein, Schwerpunkte finden sich aber rund um die S-Bahn-Stationen und an Schulhöfen.“ Ähnlich sieht’s in der Aufklärungquote aus: Gerade wenn ein Hehler auffliegt, kann die Polizei auch oft die „Lieferanten“ ermitteln.

Dass sich der Fahrradboom - etwa im Segment der Elektrofahrräder während der Corona-Pandemie - in der Kriminalität fortsetzt, ist eher ein subjektiver Eindruck. Faltin: „Einen Katalogwert ,E-Bike’ gibt es bislang nicht, und somit keine automatisierte Aufschlüsselung. Nach einem ersten, nicht belastbaren Überblick ist der Anteil überschaubar. Geschätzt: weniger als zehn Prozent. Da spielt vielleicht das zusätzliche Gewicht von Antrieb und Akku eine Rolle. Ein solches Velo einfach wegzutragen, dürfte sich als äußerst kräftezehrend entpuppen...

Was bleibt ist die Selbsthilfe – heißt: das richtige Anschließen des Zweirades. Der Schutz mit zwei unterschiedlichen Schlosstypen wird von Experten als sinnvoll erachtet, da sich viele organisierte Raddiebe lediglich auf bestimmte Schlösser spezialisiert haben. Viele City- und Trekking-E-Bikes verfügen serienmäßig über ein Rahmenschloss, das ein schnelles Wegfahren verhindert. „Dennoch sollte das Rad zusätzlich mit einem weiteren hochwertigen Schloss an einem festen Gegenstand gesichert werden – auch in der heimischen Garage oder im Keller“, rät Torsten Mendel vom Sicherheitsexperten Abus.

Aber ein Schloss ist nur so gut wie sein Konterpart. „Ein morscher Zaun oder ein dünnes Stäbchen sind schneller geknackt als das Schloss. Idealerweise finden Radler Anlehnparker vor“, bekräftigt Andreas Hombach vom Stadtmöblierer WSM. Verbreitet sind große Bügel mit einer oben angebrachten Schließöse, deren Verwendung verhindert, dass zum Beispiel der Boden als Widerlager für einen Bolzenschneider genutzt werden kann.

Von Martin Kuhn

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