Gespräche über Alternativen

Mainvorgelände ist nur zum Parken viel zu wertvoll

Politisch ist man sich einig: Die derzeitige Nutzung des Mainufers östlich der Carl-Ulrich-Brücke wird dem Standort nicht gerecht.
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Politisch ist man sich einig: Die derzeitige Nutzung des Mainufers östlich der Carl-Ulrich-Brücke wird dem Standort nicht gerecht.

Das Mainvorgelände östlich der Carl-Ulrich-Brücke in Offenbach ist eigentlich zu wertvoll, um dort einen riesigen Parkplatz zu betreiben. Das soll sich nun aber ändern.

Offenbach - Es sind drei Hektar in bester Lage, die schon lange unter Wert genutzt werden. In einer Stadt wie Offenbach, die wenig freie Flächen und noch weniger Geld hat, muss es verwundern, dass das Mainufer östlich der Carl-Ulrich-Brücke nur als überdimensionierte Parkfläche mit 600 Stellplätzen und Tummelplatz für Autoposer dient.

Zumal es Frankfurt längst vorgemacht hat: An dessen süd-östlichem Entree erinnert sich angesichts großzügig angelegter Grünflächen entlang des Mains kaum noch jemand daran, dass sich dort einst eine viel befahrene Uferstraße zwischen dem Fluss und dem früheren Schlachthof der Mainmetropole befand.

Offenbach: Ampelkoalition peilt einen Gestaltungswettbewerb für Gelände an

Immerhin: Überlegungen, wie der Offenbacher Mainuferparkplatz besser genutzt werden könnte, gibt es durchaus. Der jüngste Vorstoß ist im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP formuliert. „Die aktuelle Situation ist sehr unbefriedigend und wird diesem Standort nicht gerecht“, heißt es dort. Die Ampelkoalition peilt einen Gestaltungswettbewerb an, der die Belange von Erholung, Naturraum, Wohnen und Parken berücksichtigt, wobei der Erholung der überwiegende Anteil der Fläche zugedacht ist. Um dem Sonderproblem, dass das Areal Überschwemmungsgebiet ist, in den Griff zu kriegen, sollen von Anfang an Landschafts- und Umweltplaner in den Wettbewerb eingebunden werden.

FDP-Fraktionschef Dominik Schwagereit, der sich in der Koalition federführend um das Vorhaben kümmert, erläutert die im Vertrag festgehaltenen Überlegungen: Zunächst einmal herrsche ein breiter Konsens darüber, dass die derzeitige Nutzung der Bedeutung des Geländes nicht gerecht werde. Es gelte, die einzelnen Interessen unter einen Hut zu bringen, wobei es die Tatsache, dass es sich um ein Überschwemmungsgebiet handele, nicht einfacher mache.

Offenbach: Grün- und Freizeitfläche statt Parkplatz am Main?

Der Koalition, so Dominik Schwagereit weiter, schwebe eine Grün- und Freizeitfläche im östlichen Teil des Mainufer-Areals vor. Gleichzeitig müssten aber auch Parkmöglichkeiten erhalten bleiben, weil die für die Messe unentbehrlich seien.

Weil das alles finanziert sein will, sollen private Wohnbau-Investoren mit ins Boot geholt werden, die im westlichen Teil – unmittelbar an Carl-Ulrich-Brücke und Kaiserstraße anschießend – „intelligentes Wohnen“ verwirklichen, wie Schwagereit formuliert. Das könnte unter Berücksichtigung möglicher Überschwemmungen ein Parkdeck sein, welches mit Wohnungen überbaut werde. Schwagereit: „Ein solcher Investor müsste die Grünflächen und die Parkplätze bezahlen, das heißt, ein Geldgeber ist zwingend notwendig. Sonst wird wohl alles so bleiben wie es ist.“

Offenbach: Investoren melden sich bei der Stadt

Völlig aus der Luft gegriffne, ist der Gedanke nicht. Bei der Stadt, so Schwagereit, hätten bereits Investoren vorgesprochen und ihr Interesse für ein solches Vorhaben bekundet.

Die Vorstellungen der Koalition stützen sich auf das, was bereits im Offenbacher Masterplan zum Mainuferparkplatz festgelegt worden war: Unter der Überschrift „Neuer Stadtraum am Main“ wurde bereits Anfang 2016 skizziert, dass im Zuge der Fortführung eines „grünen Mainuferbands“ für bestehende und künftige Ansprüche an das Areal ein integrierter Ansatz zu finden sei. Die Konzeptidee setzt dabei auf ein grünes Band entlang des Mainufers mit Uferpromenade, das im Westen bis an die Hafeninsel anschließt. Zur Mainstraße hin könnten weiterhin – neu geordnete – Parkplätze bestehen bleiben, östlich der Speyerstraße wird eine Entsiegelung für die Schaffung einer zusammenhängenden Grünfläche vorgeschlagen, welche auch als Sport- und Freizeitareal dient.

Am Kreuzungsbereich Nordring/Kaiserstraße/Carl-Ulrich-Brücke schwebte den Masterplanern ein mehrgeschossiger Kopfbau mit gemischter Nutzung vor. Die Höhendifferenz zwischen Mainufer und Kaiserstraße soll durch ein zweigeschossiges Parkdeck ausgeglichen werden, auf dessen Mainseite Gastronomie angesiedelt werden könnte. Unterm Strich würden immer noch 550 Parkplätze geboten, wobei zu beachten sei, „dass sich das gesamte Vorhaben im Hochwasserschutzbereich befindet“. (Matthias Dahmer)

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