„Man braucht ein dickes Fell“

OB-Gattin Konstanze Schneider über ihre zwölf Jahre als „First Lady“

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Konstanze Schneider denkt noch nicht an Ruhestand: Nach Ausscheiden ihres Mannes aus dem Amt berät sie weiterhin als Coach unter anderem Schulen.

Offenbach - Zwölf Jahre lang war sie an der Seite ihres Mannes, Oberbürgermeister Horst Schneider, Offenbachs „First Lady“. Von Veronika Schade

Wie Konstanze Schneider diese Zeit erlebt hat, wo sie ihre künftigen Aufgaben sieht und was sie ihrer Nachfolgerin Viola Schwenke rät, darüber sprach sie mit unserer Zeitung. Am 19. Januar beginnt mit der Verabschiedung von Horst Schneider aus seinem Amt als Oberbürgermeister für ihn und seine Frau Konstanze ein neuer Lebensabschnitt. Ohne durchgetaktete Terminpläne, öffentliche Beobachtung und Sieben-Tage-Wochen. Ein leichtes Lächeln zuckt um ihre Mundwinkel, wenn sie daran denkt: „Es wird etwas ganz anderes, und ich bin sehr gespannt darauf, wie es sich entwickelt.“

Die gewonnene Zeit soll vor allem der Familie gelten – ein passender Zeitpunkt, denn das vierte Enkelkind ist unterwegs. Aber von einer reinen Rolle als Großmutter und Alt-OB-Gattin ist die 66-Jährige weit entfernt. Seit drei Jahren bietet sie Beratung und Coaching an, hat eine entsprechende Ausbildung absolviert und vor Kurzem neue Räume am Wilhelmsplatz bezogen. „Die Arbeit bereichert mich und passt zu meiner beruflichen Laufbahn“, sagt die studierte Gymnasiallehrerin für Französisch und Deutsch und langjährige Schulleiterin der IGS Nordend in Frankfurt. So gehören unter anderem drei Schulen in Stadt und Kreis zu ihren Kunden, die sie bei Entwicklungsprozessen berät.

Seit 46 Jahren sind Schneiders ein Paar, seit 43 Jahren verheiratet. „Solange wir uns kennen, spielte die SPD für uns eine Rolle“, sagt Konstanze Schneider. Sie trat der Partei zu Willy Brandts Zeit bei, hielt sich aber eher im Hintergrund. Anders ihr Mann, den sie bei seinen politischen Aktivitäten stets unterstützte. Auch, als feststand, dass Gerhard Grandke nicht mehr als OB antreten würde und der Posten auf Horst Schneider hinauslief. „Ich hatte damals eine Bewerbung für die Deutsche Schule in Paris laufen, das war mein großes Berufsziel“, berichtet sie. Doch sie zog daraufhin ihre Bewerbung zurück. „Wir waren der Meinung, dass es uns überfordert hätte – er als OB in Offenbach, ich in Paris. Mir war klar, dass ich ihm den Rücken freihalten und die Familie zusammenhalten muss, auch wenn das sehr traditionell klingt.“

Dafür nahm sie sich als Gattin des Oberbürgermeisters einer neuen Aufgabe an – der Schaffung des Netzwerks Frauen für Offenbach. Aus Gesprächen wusste sie, dass Informationsbedarf zu Angeboten in der Stadt bestand – von sozialen Anlaufstellen bis hin zu Kulturveranstaltungen. Zusammen mit vier Freundinnen erarbeitetet sie das Konzept und etablierte seit 2006 ein Angebot, das es Frauen ermöglicht, Kontakte zu knüpfen, neue Leute und die Vielfalt Offenbachs kennenzulernen: „Wir verfügen über 350 Adressen, bieten jedes Jahr zehn bis zwölf Veranstaltungen verschiedener Art an, die gut besucht sind.“

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Ihre Rolle als „Frontfrau“ des Netzwerks aber gibt sie zum Januar auf – es sei Zeit für einen Generationenwechsel, der neuen Input und Ideen bringt. Viola Schwenke, die Frau des künftigen OBs Felix Schwenke, ist seit einigen Monaten dabei und übernimmt künftig an der Seite von Ilka Mottscheller ihre Aufgaben. „Darüber bin ich sehr froh“, sagt Schneider. Ihr Amt als Vorsitzende des Bundes Offenbacher Künstler (BOK) behält sie bei und zieht ein bisher zufriedenes Fazit: „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren viel erreicht, tolle Sponsoren gefunden, schöne Räume bezogen.“

Von der künstlerischen Szene Offenbachs ist sie begeistert, bezeichnet sie als „ambitioniert, kreativ, manchmal etwas verrückt“. Auch von der hiesigen Gastronomie ist sie Fan. „Man kann hier sehr gut und vielfältig essen“, schwärmt sie, lobt auch die Stadtentwicklung wie etwa im Hafenviertel. „Klar hat die Stadt Probleme, müssen viele Menschen um ihren Alltag kämpfen“, sagt sie. Doch darüber nur zu meckern, bringe niemanden weiter: „Vom Schlechtreden ändert sich nichts. Man muss etwas tun und bereit sein, sich für seine Stadt zu engagieren. Und mal um die Ecke zu schauen.“

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So werde sie beispielsweise immer wieder gefragt, wo sie ihre Kleidung kaufe, in Offenbach gebe es doch nur Ramschläden. „Dabei ist Offenbach so viel mehr als nur die Frankfurter Straße. Ich kaufe 90 Prozent meiner Kleidung in Offenbach.“ Es sei ein Coaching-Prinzip, auf die positiven Dinge zu schauen und sich diese bewusst zu machen, um dann das Negative ändern zu können. „Wer sich immer nur über Schlaglöcher auf der Straße aufregt, bemerkt gar nicht, wenn am Straßenrand schöne Blumen gepflanzt werden“, nennt sie ein Beispiel.

Nach fast zwölf Jahren als Offenbachs „First Lady“, als die Schneider gar nicht bezeichnet werden möchte („Eigentlich ist es die Frau des Stadtverordnetenvorstehers Stephan Färber, auf Bundesebene ist es ja auch die Frau des Bundespräsidenten und nicht des Kanzlers“), weiß sie, dass ihrer Nachfolgerin Viola Schwenke eine vielfältige, bereichernde, aber auch anstrengende und teils schwere Zeit bevorsteht, für die sie „dickes Fell“ brauche: „Mich hat es sehr gekränkt, wie mitunter öffentlich über meinen Mann geredet und geschrieben wurde. Wenn er nicht in seiner Rolle, sondern persönlich angegriffen wurde.“

Sie rät Schwenke, ihren Mann zu interessanten Terminen zu begleiten. „Selbst wenn ich nur in der zehnten Reihe saß, war ich froh, dass wir so gemeinsame Zeit verbringen konnten.“ Aber sie weiß: „Frau Schwenke hat eine andere Ausgangslage als ich. Sie hat ein kleines Kind, unsere Söhne waren damals schon erwachsen.“

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Zu ihren schönsten Erinnerungen gehört die Wiederwahl ihres Mannes nach seiner ersten Amtszeit. „Eine Bestätigung seiner Arbeit“, sagt sie. Sie habe Offenbach und seine Einwohner ganz anders und viel tiefer kennenlernen dürfen. Auch wenn das manchmal bedeutete, auf dem Wochenmarkt keine zwei Schritte tun zu können, ohne angesprochen zu werden. „Aber wenn wir durch die Stadt radeln und Jugendliche ,hallo OB‘ rufen, ist das einfach toll“, schmunzelt sie. Deshalb lautet ihr letzter Rat an ihre Nachfolgerin: „Die schönen Dinge genießen.“

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