„OB vor Ort“

Bloß keine Versprechen

Offenbach - Am Anfang steht die allgemeine Lage. Wie immer, wenn Horst Schneider im Zuge der Reihe „OB vor Ort“ irgendwo in Offenbach Station macht. Am Donnerstagaend war’s im Bürgerbüro an der Richard-Wagner-Straße in Lauterborn. Von Stefan Mangold 

Vom Strukturwandel erzählt Schneider, vom Verlust industrieller Arbeitsplätze, von einer Milliarde Euro Schulden: „Da gibt es kein Licht am Ende des Tunnels.“ Ausgaben für Kindergärten, für Mieten von Hartz IV-Empfängern und für Jugendliche aus zerrütteten Verhältnissen addierten sich zu Summen im dicken zweistelligen Millionenbereich. Offenbach sei bundesgesetzlich zu deren Zahlung verpflichtet. Einsparen lasse sich nichts.

Dennoch sieht Schneider perspektivisch viel Gutes für die Kommune. In der Innenstadt entstünden 1 500 Wohnungen, die zwischen 3 000 und 4 000 gut verdienende Bürger anziehen könnten. „Die Hälfte derer zieht aus Frankfurt her“, sagt Schneider, „für Mieten und Immobilienpreise zahlen die bei uns ein Viertel weniger“. Unter den 25 Besuchern sitzen jedoch auch solche, die in Lauterborn in Häusern leben, in denen es weniger mittelständisch zugeht. Eine Frankfurter Gesellschaft besitze an der Carl-von-Ossietzky-Weg einstige Siemens-Werkswohnungen. Der Eigentümer erfreue sich an monatlich 40.000 Euro Miete, halte jedoch nichts von Reparaturen. Horst Schneider versteht den Unmut. Weil es sich aber um einen privaten Vermieter handele, sei die Stadt außen vor.

Quartiersmanager Marcus Schenk sagt zu, die Gesellschaft zu kontaktieren und hofft, das werde nicht so ergebnislos enden wie sein Versuch, mit einer anderen Immobilien-Gruppe wegen des Missmuts der Mieter in deren Liegenschaft an der Kurt-Tucholsky-Straße zu reden. Die Aktiengesellschaft stehe nicht im Ruf, ihre Vertragspflichten kaufmännisch redlich zu erfüllen. Schneider kann auch hier bei Klagen nur auf den privatrechtlichen Charakter verweisen. Auch einer älteren Dame will der OB nichts versprechen, was er nicht halten kann. Die Frau moniert, viele Gehwege befänden sich in einem miserablen Zustand. Es bildeten sich Pfützen und im Winter Eisflächen. Schneider erwähnt die klamme Kassenlage. Die Stadt sei schon froh, die vielen Spielplätze und Parks in Schuss halten zu können.

Horst Schneider bleibt Oberbürgermeister (2011)

Horst Schneider bleibt Oberbürgermeister

Ein anderer Lauterborner beschwert sich über Lkw-Fahrer, die morgens um vier auf dem Pkw-Parkplatz an der Richard-Wagner-Straße die Motoren warm laufen ließen. Bei offenem Fenster sei an Schlaf nicht mehr zu denken. Peter Weigand, Leiter des Ordnungsamts, notiert und verspricht: „Da gucken wir mal.“ Das wünscht sich auch ein Mann, der in der Innenstadt nahe der Eichendorff-Schule wohnt. Er berichtet von Kneipen, in denen es nachts lautstark zugehe. Der Lärm setzte sich draußen fort: „Unsere Kinder werden wach.“ Weigand spricht von 150 Euro Ordnungsgeld, die Wirte für offene Fenster zahlen müssten. Beim zweiten Besuch von Amtsvertretern verdoppele sich der Betrag.

Anrufe bei der Polizei fruchteten selten, bedauert aber der Betroffene. Der Oberbürgemeister rät, den Gastronomen zu bitten, das Fenster zu schließen und auf das Ordnungsgeld zu verweisen. Das habe er schon getan, entgegnet der Anwohner. Reaktion: „Verpiss’ dich!“

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