„OB vor Ort“

Von Rüpeleien und Radau

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Auch wenn die Stadtverwaltung die Entwicklung der östlichen Innenstadt gern als Erfolgsgeschichte verkauft – viele Anwohner sehen das aufgrund täglicher Erfahrung nicht ganz so optimistisch.

Offenbach - Fortwährende Störung der Nachtruhe und rücksichtsloses Verhalten einer Minderheit gegenüber der Mehrheit im öffentlichen Raum: Das waren die beherrschenden Themen bei Horst Schneiders jüngster Bürgersprechstunde der Reihe „Der OB vor Ort“. Von Harald H. Richter

Gutgemeinte Plakataktionen und Appelle zu partnerschaftlichem Miteinander sind das eine; Rüpeleien und Rempeleien, sogar tätliche Angriffe das andere. Hinweise auf Konflikte zwischen Fußgängern, Autofahrern und Radlern in der Fußgängerzone sowie Beschwerden genervter Anwohner, etwa über Radaubrüder vor Kneipen, nehmen zu.

Horst Schneiders jüngste Sprechstunde „Der OB vor Ort“ im Saal der Frei-religiösen Gemeinde gleicht einem Déjà-vu-Erlebnis. Wo immer der Verwaltungschef mit Bürgern aus städtischen Wohnbezirken deren Sorgen und Nöte bespricht, werden ihm ähnliche Beschwerden über Belästigungen, zunehmende Verschmutzung entlang von Straßen und auf Wegen sowie andere Beeinträchtigungen der Lebensqualität zugetragen. Diesmal kommen sie rund um Hochschule für Gestaltung, Wilhelm- und Mathildenschule.

„Die Vergnügungssucht einer Minderheit wird auf dem Rücken der schlafbedürftigen, arbeitssamen Mehrheit ausgelebt“, macht eine Bewohnerin des Mathildenviertels ihrer Empörung Luft. Sie spielt vor allem auf die ihrer Meinung nach unhaltbaren und bekannten Zustände im Umfeld einer Gaststätte an der Hermann-Steinhäuser-Straße an. Die Beschwerdeanrufe bei der Polizei seien kaum mehr zählbar, Besserung gebe es aber nicht, regt sich ein anderer Bürger aus der östlichen Innenstadt auf. Das Nicken nicht weniger der etwa drei Dutzend Zuhörer im Saal signalisiert, dass er mit seiner Einschätzung nicht allein steht.

„Entscheidendes ist nicht passiert“

Auch Peter Ambros von der Bürgerinitiative in diesem Quartier kann ein leidiges Lied davon singen. Vor einem Jahr hat man im Ostpol beisammen gesessen, unter anderem mit Vertretern des Polizeireviers, eine von gut 100 Anwohnern unterzeichnete Protestnote übergeben und auf Abhilfe gepocht. „Entscheidendes ist nicht passiert“, klagt Ambros. Vermehrt sei festzustellen, dass gewisse Klientel selbstherrlich vom öffentlichen Raum Besitz ergreife. Verkehrswidrig werde vor allem in den Abendstunden etwa die Fußgängerzone zwischen Rathaus und Aliceplatz befahren. „Weit und breit kein Stadtpolizist, der dem Einhalt gebietet“, adressiert ein anderer Anwohner dem Ordnungsamt seinen Zorn.

Der stellvertretende Leiter Frank Weber will das so nicht stehen lassen, verweist aber auf die begrenzten personellen Ressourcen der Behörde. Gleichwohl seien zwischen 20 und 24 Mitarbeiter an sechs Wochentagen in drei Schichten unterwegs, damit Ruhe und Ordnung eingehalten würden. „Und zwar von 7 bis 24 Uhr, doch auch die Fußstreifen können nicht überall sein.“

Bilder: Beamte protestieren vor dem Rathaus

Immer mehr Unmut kocht hoch: Man werde mit seinen Besorgnissen gar nicht ernst genommen von Seiten der Stadt. Schneider bemüht sich um Versachlichung. In der Innenstadt mit ihren mehr als 20.000 Bewohnern gebe es eine hohe Fluktuation. Das führe mitunter zu mangelnder sozialer Kontrolle. Da sei aber jeder Einzelne aufgefordert, gegen Verhaltensauswüchse couragiert vorzugehen, sagt er und erntet prompt einen Zwischenruf: „Man muss froh sein, wenn man keins auf die Mütze kriegt, wenn man Rowdys zur Rede stellt.“

„Unser erklärtes politisches Ziel ist, einkommensstarke Haushalte, vor allem Familien mit Kindern, für ein Wohnen in der City zu interessieren“, sagt Schneider. „Gelingt uns das, kann dies zur Verstetigung beitragen“, ist er überzeugt. Dass immer mehr alteingesessene Einzelhandelsfachgeschäfte aufgäben, an deren Stelle Filialisten träten, dagegen sei jedoch auch die Stadt machtlos, räumt er ein.

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