Wieder das Klopapier

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Will auch von Bieberern zum Offenbacher OB gemacht werden: CDU-Mann Peter Freier.

Bieber - Offenbachs Bürgermeisterin und von den Grünen nominierte Oberbürgermeisterkandidatin Birgit Simon hat sich die Sache bei ihrem Wahlkampfrundgang schon angeschaut. Von Stefan Mangold

Und jetzt ist es am CDU-Kandidaten Peter Freier, sich mit dem augenscheinlich benutzten Klopapier zu beschäftigen, das immer in den Dornen der Brombeeren am Bieberbach hängenbleibt. Bei seiner Tour durch den Stadtteil zeigen ihm Anwohner die Überbleibsel des letzten Hochwassers.

Freier nickt und nutzt die Gelegenheit, Ortsverbundenheit zu beweisen: Er kenne das Problem, sagt er, „ich gehe hier ja oft mit meiner Frau spazieren.“ Woher sie stammen, die Zeugnisse von Toilettengängen, weiß er nicht. Hat auch Simon nicht gewusst. Aber Dr. Raimund M. Reichhardt, ein Parteifreund Freiers, geht detektivisch an den Sachverhalt heran. Seiner Ansicht nach leiten „ein Privathaushalt oder eine Gastwirtschaft“ in Bieber ihr Abwasser direkt in den dort kanalisierten Bach. Vorher jedenfalls „wirkt das Wasser sauber.“

Um menschliche Bedürfnisse, ebenfalls sehr dringende, ist es gleich zu Beginn des Rundgangs gegangen. Freier war im Waldhof, hat Anwohner getroffen und die Arbeit des IB-Treffs an der Ottersfuhrstraße gelobt. Das ist das Domizil, in dem quasi alles stattfindet, was die Siedlung betrifft. Hier tummeln sich Kinder und Jugendliche, die Hausherr Peter Heckt „alleine durch seine Erscheinung im Griff hat“, wie Erich Herrmann als Vertreter der Waldhof-Verschönerer und -Verbesserer beobachtet.

Bieber sei sauberer geworden

Auch sonst hat sich Herrmann, Sozialdemokrat und Ex-Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, mit der Entwicklung seines Ortsteils einigermaßen zufrieden gezeigt. Es sei jetzt sauberer als früher, und die geplante neue Turnhalle für den Grundschulableger vor Ort sei ein wichtiger Schritt.

Ein Vorhaben, das Freier vor allem dem Konto seiner Partei gutschreibt: „Wir haben den Antrag eingebracht und Druck auf die Pipeline gelegt.“ Jedoch spiele für den Zeitpunkt des ersten Spatenstichs „die Haushaltslage eine Rolle“, lässt Freier für den Fall seiner Wahl Realpolitik einfließen. Ansonsten hofft Erich Herrmann auf ein Bürgerbüro in Waldhof, „ähnlich wie das in Lauterborn“.

Raimund M. Reichhardt wiederum stellt nun einen Rückgang der Kriminalität im Ortsteil fest. Die Zahl der Einbrüche habe abgenommen; die Kameras an der S-Bahn hätten für Sicherheit gesorgt, „die Fahrkartenautomaten bleiben seitdem unversehrt“. Herrmann aber bemängelt „die fehlende Infrastruktur“. Es gibt hier keine Apotheke. Das Angebot im Lebensmittelladen sei bescheiden. Und für ältere Bürger sei es mühsam, ins nächste Geschäft zu gelangen.

„Das sind privatwirtschaftliche Entscheidungen“

Ein Hinweis, den Kommunalpolitiker oft hören. Mehr als Bedauern kann aber auch Peter Freier nicht formulieren. „Das sind privatwirtschaftliche Entscheidungen.“ Die Politik könne niemanden zwingen, ein unrentables Geschäft zu führen. Zum Einkauf zögen die meisten die Fahrt mit dem Auto zu Discountern vor, die Priorität bei der Auswahl von Trinken und Essen liege auf dem Preis. Als Folge verödeten die Viertel. „Besonders für ältere Menschen ist es natürlich ein Problem, etwa mit dem Rollator die weiten Strecken gehen zu müssen.“

Am Friedhof bemerkt Severin Baron, dass Radler und Hundebesitzer die Ruhestätte als Transitstrecke zur nächsten Wiese nutzen. Da wäre es doch besser, schlägt Baron vor, den Pfad durch die Kleingärten zur Holzbrücke über den Bieberbach zu nehmen: „Der müsste nur mal ordentlich beschnitten werden.“ Freier gibt sich skeptisch. Dagegen spreche die Lebenserfahrung: „Der Mensch nimmt den kürzesten Weg.“

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