Christin Thüne (AfD) im Interview

OB-Wahl: „Dabei sein ist alles“

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AfD-Frau Christin Thüne schätzt den SPD-Kandidaten Felix Schwenke.

Offenbach - Die Offenbacher OB-Kandidaten im Interview: Heute erzählt Christin Thüne (AfD) über Vorbehalte, Vorstöße und Favoriten. Von Matthias Dahmer und Thomas Kirstein

Gesetzt den Fall, Sie werden Oberbürgermeisterin, was würde sich für den Offenbacher Bürger ändern?

Erst mal gar nichts. Denn man kann nicht von jetzt auf gleich Veränderungen herbeiführen. Ich müsste mir ein konkretes Bild von den Arbeitsabläufen machen. Wichtig ist dabei, dass man die Finanzen im Blick hat, ohne dass es zulasten der kleinen Leute geht.

Haben Sie da schon konkrete Ideen?

Grundsätzlich liebe ich Kultur. Aber wenn man sich dafür stark machen kann, vom Land zig Millionen für den Neubau einer Hochschule für Gestaltung zu bekommen, für die sich nur drei bis fünf Prozent der Bevölkerung interessieren, dann muss es doch möglich sein, auch für kostenlose Kita-Plätze Geld vom Land zu erhalten. Da würde ich zum Beispiel ansetzen. Aber – da braucht man sich nichts vorzumachen – das ist eine Mammutaufgabe.

Nun ist die AfD in Offenbach bislang mit ganz anderen Themen – wie etwa mehr Schweinefleisch in Schulkantinen – sichtbar geworden. Warum kam nichts in Sachen Finanzen?

Vor einigen Monaten hatten wir einen Antrag im Stadtparlament, dass man das Land doch dazu bewegen soll, kostenlose Kita-Plätze mitzufinanzieren. Das wurde abgelehnt. So wie alle unsere Anträge, egal wie gut sie sind, aus Prinzip erstmals abgelehnt werden. Das ist normal, da mache ich mir auch nichts draus, das war bei den Grünen in ihren Anfängen genau dasselbe.

Gibt es noch weitere Beispiele für abgelehnte Vorstöße der AfD?

Nehmen sie unseren jüngsten Antrag zu Deutsch auf Schulhöfen. Das ist nicht böswillig gemeint. Ausländische Schüler lernen dadurch schneller unsere Sprache und man spart sich Extra-Kurse.

Ist das nicht einfach nur populistisch?

Das hat nichts mit Populismus zu tun. Ich bin im Ausland groß geworden. Dort wird auch darauf bestanden, dass man die Landessprache spricht. Umso schneller erlernt man sie. Und es verhindert Ausgrenzung.

Alles zur OB-Wahl in Offenbach

Noch mal mit Blick auf die Ablehnung: Sie hätten als Oberbürgermeisterin keine Mehrheit im Parlament. Wie würden sie damit umgehen?

Demokratisch. Ich kann damit umgehen zu unterliegen. Wenn das Parlament nein sagt, muss ich das erst mal schlucken. Ich werde das dann aber hinterfragen und versuchen, den Konsens zu finden.

Mit welchen Parteien und Fraktionen in Offenbach sehen Sie denn die größten Schnittmengen?

Im Moment mit gar keinen. In der Regionalversammlung stimmen wir mit der FDP bei der Ablehnung der Windkraft überein.

Was ist mit der CDU?

Wenn die CDU noch so wäre wie vor 14 Jahren, wenn sie bei ihrer Linie geblieben wäre, wäre das überhaupt kein Problem. Dann gäbe es aber wahrscheinlich auch die AfD nicht.

Wo sind die Trennlinien?

Die CDU ist mir nicht mehr konservativ genug. Sie ist in den letzten Jahren immer mehr in das rote Spektrum reingerutscht.

Wie haben sie denn ihren Bundesparteitag von Offenbach aus beobachtet?

Das war ganz amüsant. Aber unterm Strich bin ich mit dem Team Weidel/Gauland zufrieden. Gerade Frau Weidel, die mit ihrer Lebensgefährtin zusammenlebt, schiebt der Ansicht einen Riegel vor, wir hätten was gegen Homosexuelle.

Gibt es denn ein Programm der AfD für Offenbach?

Ich bin für ein europäisches Offenbach, also weiß Gott nicht für ein rein deutsches, das ist auch nicht machbar. Was aufhören muss, ist aber, dass sich Gruppierungen bilden, dass jeder für sich ist. Zugleich muss man die Wutbürger mit ins Boot holen. Außerdem muss mehr für Jugendliche – egal welcher Nationalität – getan werden. Die muss man auffangen, das ist ganz, ganz wichtig. Was das angeht, grenze ich mich von vielen meiner Kollegen ab. Ich bin nicht für eine rigorose Linie, ich bin dafür, alle ins Boot zu holen. Aber immer auf Basis des Grundgesetzes.

Ist dann die AfD überhaupt für Sie die richtige Partei?

Ist sie. Denn auch die Extremen kann man davon überzeugen: Euer Weg ist nicht der richtige.

Was hat Sie bewogen, für die OB-Wahl zu kandidieren?

Eigentlich hatte ich nicht vor anzutreten. Ich hatte auch schon Dr. Schwenke gesagt, dass ich ihn unterstütze. Nicht weil die SPD hinter ihm steht, sondern weil ich den Mann klasse finde. Er macht auch was her. Ich finde ihn wirklich toll. Doch dann haben wir gesagt: Dabei sein ist alles. Ich hatte auch einen Kandidaten, der wollte. Doch dann hat er gesagt, beruflich packt er das nicht. Da bin ich halt eingesprungen.

Alles zur Kommunalpolitik in Offenbach

Wie gehen Sie denn mit den Vorbehalten um, die viele gegen die AfD haben?

Uns wird unterstellt, wir seien rassistisch, ausländerfeindlich, rechtsextrem. Ich weiß nicht, wie die Leute bei mir darauf kommen. Ich habe selbst im Ausland gelebt, ich habe dort Freunde und Bekannte. Andererseits gibt es gewisse Aussagen von einigen unserer Funktionäre auf Bundesebene, die nicht auf meiner Linie liegen und von denen ich mich ganz, ganz stark distanziere.

Wäre es dann nicht doch besser die CDU zu „unterwandern“?

Die ist zu eingefahren. Da wird von oben herab bestimmt, das gibt es Zwänge, das sehe ich ja oft im Stadtparlament. Das ist nicht gut für die Demokratie, wenn man wie die Schafe hinterherläuft. Deswegen ist die AfD wichtig. Sie deckt das Spektrum ab, welches die CDU vor 14 Jahren hatte. Die Union bedient den konservativen Teil der Wähler nicht mehr.

Was ist denn für Sie konservativ?

Dass man auf Werte achtet und sie nicht einfach über den Haufen schmeißt. Das traditionelle Familienbild gehört auf jeden Fall dazu.

Moment! Das bedeutet, eine Frau Weidel, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt, hat in der AfD nichts verloren?

Ausnahmen bestätigen die Regel. Da hätte auch ich in der AfD nichts verloren. Ich habe auch eine Lebensgefährtin, bin, seitdem ich denken kann, bisexuell. Doch das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Mit konservativ meine ich, dass auch etwas mehr Disziplin, Ordnung und Respekt in unserem Land herrschen muss. Das ist alles weg, das ist alles kaputt bei uns.

Wie sehen Sie Ihre Chancen, die Oberbürgermeisterwahl zu gewinnen?

Ganz ehrlich, wenn nicht alle anderen Kandidaten gerade tot umfallen, so gut wie keine. Dabei sein, die Diskussion mit den anderen Kandidaten suchen, Gesicht zeigen – darum geht es.

Ihr Tipp zum Wahlausgang?

Ich glaube nicht an eine Stichwahl. Ich sehe Dr. Schwenke von der SPD vorne. Und ich mag ihn auch. Ich habe ihm schon mal gesagt, Sie sind in der falschen Partei, kommen Sie doch zu uns. Was Herrn Freier, den Kandidaten der CDU, angeht, so übernimmt der sich sowieso. Was der schon alles für Ämter hat! Und Peter Schneider von den Grünen, da glaube ich nicht, dass er gewinnt.

Falls es doch zur Stichwahl kommt – wird Herr Schwenke nur von Ihnen persönlich oder von der gesamten AfD-Offenbach unterstützt?

In diesem Fall kann ich sogar sagen: von der gesamten AfD Offenbach.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

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