Rätsel ums Klopapier

+
Bei ihrer Tour durch die Stadtteile hat OB-Kandidatin Birgit Simon in Bieber Station gemacht.

Bieber - Nein, sie habe keinen Einfluss auf das historische Bahnhofsgebäude von Bieber, das schon so lange leer steht. „Von der Verpflichtung des Eigentums kann hier keine Rede sein“, konstatiert Bürgermeisterin Birgit Simon. Von Stefan Mangold

Die Immobilie gehöre nicht der Stadt und sie könnte sie sich auch nicht leisten. Der ein oder andere, dem Simon das erklärt, zuckt mit den Schultern ob dieser Ehrlichkeit. Doch Ehrlichkeit gehört quasi zu den Basisqualifikationen eines Menschen, der am 4. September Oberbürgermeister einer bettelarmen Stadt werden will.

Simon will gerne, und so tingelt sie in diesen Wochen von Stadtteil zu Stadtteil, um vor Ort zu erfahren, was eigentlich die Bürger wollen. Eingeladen zum Mitlaufen und Mitreden beim Rundgang der von den Offenbacher Grünen nominierten Kandidatin hat die Bieberer Bürgerin Birgit Pfau. Hinter ihr steht die mittlerweile mehr als 100 Mitglieder zählende Wählerinitiative „Pro Simon“.

Vom Bahnhof geht es zum Biberbach. Birgit Pfau bemängelt den Zustand des Gewässers. Sie habe den Eindruck, an irgendeiner Stelle leite irgendjemand Ungeklärtes in den Bach. Die Zweige der Brombeeren böten oft einen unappetitlichen Anblick. Jetzt steht das Wasser hoch, weil es am Morgen intensiv geregnet hat. „Bei normalem Pegel verfängt sich Toilettenpapier in den Dornen.“ Der dann dominierende Geruch unterstreiche ihren Verdacht.

Wo kommt der Mief her?

Als Umweltdezernentin weiß Birgit Simon, wo welche Kläranlagen stehen. Dass ein privater Abfluss direkt einläuft, ist für sie schwer vorstellbar. Der Mief könne „von der Kanalisierung des Bachs unter Bieber“ herrühren, vermutet sie. Ein Gewässer, in ein Betonkorsett gezwängt, reinige sich nicht selbst. Das fällt auch anderen auf. Ein Mann, der hier täglich seinen Hund ausführt, erzählt von Dreck und Müll, den manche in den Bach werfen würden.

Die Grünen-Politikerin kommt auf die Renaturierung des Bieberbachs im Norden zu sprechen. „Man sieht, was in gerade mal vier Wochen möglich ist.“ Das Wasser könne jetzt wieder über die Ufer treten und auf die Wiese ausweichen. Unter 300000 Euro habe der Umbau gekostet, das Land zahlte neunzig Prozent davon. Und weil die Stadt 60 000 Euro unter dem Kostenvoranschlag für ihren Anteil lag, gab’s vieles fast umsonst.

Ein klein wenig blitzt an der Stelle das Dilemma auf, das politisches Handeln begleitet. Dreht der Entscheider an einer Schraube, wirkt der Impuls auch an anderer Stelle. Wegen des Überlaufs des Bachs muss Birgit Pfau die Route des Spaziergangs variieren. Niemand will sich nasse Füße holen. Die Bürgermeisterin spricht von „einem wichtigen Retentionsraum“. Auch zur Freude der Stechmücken. Die Überlauffläche begünstige deren Population, berichten Anwohner. Nicht unwahrscheinlich, dass sich deshalb schon Bürger im Rathaus beschwerten.

Bach drückt bei starkem regen die Gullis

Später berichtet Pfau von den überfluteten Kellern im Ortsteil, wenn sich der Bach bei starkem Regen durch die Gullis drücke. „Im Süden wären Überschwemmungswiesen wichtiger gewesen.“ Doch wohl auch schwerer durchsetzbar.

Weiter in die andere Himmelsrichtung: Ein Problem in der Gegend von Bieber Nord seien die parkenden Vehikel während der Spiele der Kickers. „Die Autos vor Ort werden zugeparkt und teilweise beschädigt“, zitiert Simon aus Schreiben der Anwohner. Die Kickers stünden in der Pflicht, für ausreichend Abstellplätze rund um das neue Stadion zu sorgen. Dies sei Teil der Absprache mit der Stadt.

Kaum vorbei am Pfarrheim der Gemeinde St. Nikolaus merkt Simon an, sie habe während der jüngsten Kampagne „sieben Fastnachtssitzungen besucht. Auch hier bei der katholischen Jugend.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare