Visionen verboten?

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Das Podium ist derzeit eine zweite Heimat für die Oberbürgermeisterkandidaten: Nach der Lokalen Agenda fragt die Industrie- und Handelskammer nach - hier deren Einladungskarte.

Offenbach - Konkrete Antworten waren am Dienstagabend im Rathaus gefragt. Die Lokale Agenda 21 hatte zur Diskussion gebeten. Auf dem Prüfstand: Die vier Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im September. Von Katharina Skalli

Schwerpunkt der Veranstaltung waren die Themen Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung.

Drei Fragen hatte die Agenda formuliert und Oberbürgermeister Horst Schneider, Bürgermeisterin Birgit Simon, dem parteilosen Uwe Kampmann und Peter Freier von der CDU vorgelegt. Ein Anliegen der Gruppe ist die Mitwirkung der Bürger. Die Wahlbeteiligung schwindet jedoch. In Offenbach ist sie zudem im Vergleich mit allen anderen hessischen Städten am geringsten. Gerade mal 38,9 Prozent der Berechtigten gingen 2005 zur Wahl des Oberbürgermeisters.

„Wie interpretieren Sie die geringe Beteiligung?“, fragten die Organisatoren die potentiellen Stadtoberhäupter.

„Gewählt, um Entschedungen zu treffen“

Für Offenheit und Transparenz sind alle vier Kandidaten, die auf den städtischen Chefsessel wollen. Peter Freier ist zudem für eine regelmäßige Sprechstunde. Ein Konzept, das Birgit Simon schon länger umsetzt. „Die Beteiligung von Bürgern ersetzt nicht die Verantwortung der Politik“, fügt Freier an. Der Christdemokrat betont: „Um Entscheidungen zu treffen, werden wir gewählt.“

Birgit Simon hat eine eigene Theorie. Die Bürger seien zu sehr vom Entscheidungsprozess der Politiker abgekoppelt, meint die Kandidatin der Grünen. Eine Möglichkeit, den Trend zu stoppen, sieht sie in der Arbeit der Stadtteilbüros, die Anlaufstelle für Ideen und Probleme sind.

Uwe Kampmann distanziert sich mit seiner Antwort von seinen Vorrednern. „Ich kann mich in die Lage eines Nichtwählers hineinversetzen“, sagt er. Er habe selbst jahrelang nicht gewählt, verrät er. Ein Mittel gegen geringe Beteiligung hat der Offenbacher aber nicht. „Es muss aus den Menschen selbst kommen“, ist er sich sicher. Horst Schneider hat eine Erklärung: „Ich glaube, dass hinter der geringen Wahlbeteiligung die Verhältnisse auf der Welt stecken“, sagt der Sozialdemokrat. Die Bürger wüssten nicht mehr, was sie mit ihrer Stimme beeinflussen könnten. Er ist für einen ehrlichen Umgang mit dem Thema und plädiert dafür, immer wieder zu erklären, wie schwierig und komplex es ist, eine Stadt zukunftsfähig zu halten.

„Offenbach wird ums nackte Überleben kämpfen“

Prüfstein zwei forderte das Quartett auf, Visionen zu Offenbach zu nennen. Eine Aufgabe, die Peter Freier nutzt, die schwierige Lage Offenbachs noch einmal zu betonen. „Offenbach wird als eigenständige Stadt ums nackte Überleben kämpfen“, so der CDU-Mann, der die Stadt als „Image-Zwerg“ und „Standort-Riesen“ sieht. Uwe Kampmann stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Daraus resultiere ein gutes Leitbild für Offenbach. Birgit Simon sieht in Bildung die Grundlage für die Zukunftsfähigkeit einer Stadt und wird in dieser Meinung von ihren Konkurrenten bestätigt.

Beim Thema „Umgestaltung Marktplatz und wie dabei die Beteiligung der Bürger aussehen kann“, wird die Debatte hitzig. Schneider sieht die Umgestaltung des Marktplatzes als „Schlussstein“ der Innenstadt-Erneuerung. Er will die Bürger in ähnlicher Form in den Prozess einbinden wie bei der Deichsanierung. Hier konnten sich die Offenbacher in Foren austauschen und Themenabende besuchen. Simon, Kampmann und Freier wollen möglichst frühzeitig viele Bürger an der Neugestaltung beteiligen. Peter Freier bleibt bei seiner Antwort zurückhaltend: „Ich sehe nicht, dass der Umbau kommen wird.“ Als verantwortungsbewusster Politiker verbiete er sich Visionen. Den Besuchern ist vieles zu unkonkret. „Stellen Sie sich vor, Sie hätten viel Geld“, fordert eine Frau. Denn Wähler wünschten sich nicht nur Kompetenz, sondern auch gute Ideen.

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