OB in Bürgel

„Ihr wollt uns plattmachen“

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Auch in Bürgel gibt es kleine und große Sorgen. Und einen, der sie alle lösen soll: Horst Schneider. Es ist zu bezweifeln, dass der Oberbürgermeister dies alles leisten kann – etwa für den Sport-Club 07. Im Juni brannte die Gaststätte des SC 07. Das Feuer hatte schwerwiegendere Folgen als zunächst gedacht. Der Verein fürchtet sogar um seine Existenz.

Offenbach - Im Pankratiussaal regiert mitunter ein Elferrat. Als sich der Oberbürgermeister Fragen und Anregungen der Bürgeler stellt, sitzt etwas erhöht ein „Dreierrat“, so Horst Schneider. Von Martin Kuhn 

Die Anspielung aufs närrische Datum – der Abend nach dem Elften Elften – sollte die Verwaltungsfachleute nicht abwerten. Bei der Vorstellung des Mitarbeiters aus der Straßenverkehrsbehörde ertönt aber ein kollektives Stöhnen. Offenbar sind die gut 80 Anwesenden mit einigen Gegebenheiten unzufrieden. Grummeln, meckern, kritisieren, korrigieren. Im ehrwürdigen katholischen Pfarrsaal ist latente Unzufriedenheit zu registrieren, mitunter schütteln einige Zuhörer den Kopf. Michael „Mike“ Maier, Stadtverordneter der CDU und Chef von Pro Bürgel, entfährt es zu vorgerückter Stunde: „Mein Blutdruck steigt...“ Mit sachlichen Argumenten kommt der Verwaltungschef dagegen nicht immer an, dessen Begleiter alle Kritikpunkte detailliert aufschreiben. Aber bei allem guten Willen sind ihnen mitunter die Hände gebunden.

Beispiel Sport-Club 07: Im Juni führte ein „technischer Defekt im Thekenbereich“ zu einem Brand, der die Gaststätte des Vereins zerstörte. Lange hat Schneider, stets das gigantische Haushaltsdefizit im Blick, gehofft, dass eine kleine Lösung auf der städtischen Anlage möglich sei. Fachleute durchkreuzen das. Wiederholte Raumluftmessungen haben ergeben, „dass dort alles gesundheitsgefährdend ist“. Heißt: Ein Gutachten spricht von einem Totalschaden. Sanierung beziehungsweise Neubau würden gut 500.000 Euro kosten. Von der Versicherung kommen 60.000 Euro.

Fusion der Vereine in Bürgel?

„Also stimmt es doch. Ihr wollt uns plattmachen“, ruft es umgehend aus den Reihen. Da ist zunächst Horst Schneider etwas platt; solche Nachrichten verbreiten sich eben recht schnell. Er betont, dass es – in Zusammenarbeit mit dem SC-Vorstand – „zarte Vorüberlegungen“ gibt, wie das Problem des Vereins zu lösen ist, der ohne Lokalität keine Einnahmen generieren kann. Und ja, der Sport-Club denke über eine Fusion nach. Das würde die unter anderem vom Sportkreis als zu hoch eingestufte Zahl von Fußballvereinen in Offenbach reduzieren.

Für Schneider biete das Feuer („Ich hab’s nicht gelegt!“) daher eine „Riesen-Chance“, auf dem kommunalen Grund und Boden „etwas zu machen“. Heißt: Wohnbebauung. Von dem Verkaufserlös könnte der SC an geeigneter, neuer Stelle profitieren. Ist nachvollziehbar, ruft aber die unmittelbaren Nachbarn des Sport-Clubs, den Kleintierzuchtverein von 1920, auf den Plan. Vorsitzender Peter Sommer folgert: „Somit sind wir zum Tode verurteilt.“ Das verneint Schneider ausdrücklich. „Da schmeiß’ ich mich davor...“ Die Kleintierzüchter zweifeln stark. „Schreiben Sie das so ins Blatt“, fordert Peter Sommer vom Redakteur. Hiermit geschehen. Ob es hilft, bleibt abzuwarten...

Feuer im Vereinsheim des SC Bürgel

Feuer in Bürgeler Vereinsheim

Das trifft auch auf Fragen rund um den Mainzer Ring zu. Zusammengefasst: Das sogenannte Straßenbegleitgrün wächst an einigen Stellen zu schnell, behindert die Sicht. Es fehlt an Fußgängerüberwegen – etwa in Höhe Alicestraße; dort stehe man bis zu fünf Minuten, um die Straße zu überqueren. Die Parkbuchten würden durch Lastwagen blockiert, die ob ihrer Breite in die Fahrbahn ragten. Und generell werde auf der Erschließungsstraße zu schnell gefahren –  „bis zu 70, 80 Kilometer pro Stunde“. Eine sofortige Lösung hat der Verwaltungschef nicht parat, „das wird alles notiert“.

Generell ist festzuhalten: Vor Eröffnung des finalen Abschnitts des Mainzer Rings – zwischen Schönborn- und Kettelerstraße – hat die Stadt eine detaillierte Verkehrszählung veranlasst. Die wird im kommenden Frühjahr wiederholt. Dann lässt sich in etwa sagen, wie sich der Verkehr verteilt hat, ob Autofahrer ihre Routen geändert haben. „Und dann werden wir uns anschauen, ob einzelne Begehren, die heute vorgetragen wurden, zu berücksichtigen sind.“ Allerdings gibt der Oberbürgermeister den Anwesenden mit auf den Weg: „Es braucht gute Argumente, um etwas zu ändern, das über Jahrzehnte gewachsen ist – auch in Bürgel.“

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