Was macht einen guten Auftritt aus?

Oberbürgermeister gesucht: Wahlplakate im Experten-Check

Wahlplakate in Offenbach
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„Sympathisch und authentisch.“ Der Slogan „XXL“ kommt bei Felix Kosok gut an. „Peter Freier hat das beste Plakat aller Kandidaten.“
Wahlplakate in Offenbach
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Das Logo mit dem Bezug zu Offenbach ist gelungen, sagt Felix Kosok. Aber welcher Partei gehört Felix Schwenke eigentlich an? Ein SPD-Schriftzug fehlt.
Wahlplakate in Offenbach
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Zu überlaufen: Felix Kosok bemängelt, dass auf dem Plakat der Grünen mit Peter Schneider zu viele verschiedene Schrifttypen und Botschaften enthalten sind.
Wahlplakate in Offenbach
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„Ein Kalauer, der nicht lange anhält.“ Mit dem Wortwitz zu Helge und Horst Schneider können die Piraten um Spitzenkandidat Helge Herget nicht punkten.
Wahlplakate in Offenbach
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Wer ist wer? Beim Plakat der Linken weiß der Wähler nicht auf Anhieb, welche der beiden Frauen für die OB-Wahl und welche für die Bundestagswahl kandidiert.

Offenbach - Mittlerweile sollte jeder Offenbacher mitbekommen haben, dass in vier Wochen die Wahl zum Oberbürgermeister ist. Die Stadt ist gepflastert mit Aushängen, auf denen die Spitzenkandidaten ihr Gesicht präsentieren. Was macht einen guten Auftritt aus und welche Parteien können mit ihrer Kampagne punkten? Wir haben nachgefragt und den Experten-Check gemacht. Von Steffen Müller

Mit Wahlplakaten ist es wie mit Geschenken. Mal gelungen, mal solide, mal ein Griff ins Klo. Die aktuelle Kampagne zur OB-Wahl in Offenbach entspricht in etwa geschenkten Socken. Zweckerfüllend, aber ohne sonderlich Eindruck zu hinterlassen, sagt Felix Kosok, Kommunikationsdesigner und Doktorand an der HfG. Felix Kosok weiß, wovon er spricht, wenn es um Plakate geht. Seine Doktorarbeit dreht sich um das Thema „Design und Demokratie“, an der Hochschule für Gestaltung (HfG) leitete er eine Plakataktion, bei der Studenten Werke von Immanuel Kant plakativ darstellten. Für unsere Zeitung analysiert der 29-Jährige die Plakate der Parteien, die bereits aktiv werben. Sein Fazit: „Komplette Fehlgriffe sind nicht dabei, aber bei jedem gibt es Verbesserungsbedarf.“

Kosok bewertet unter drei Kriterien: Kreativität, Umsetzung und Zweckerfüllung. Alle drei werden gleich stark gewichtet. Entscheidend ist für den Kommunikationsdesigner vor allem, dass die Plakate klar strukturiert sind. „Weniger und mehr“ lautet sein Motto. Was er damit meint? „Je weniger unterschiedliche grafische Elemente, umso klarer und verständlicher ist ein Plakat.“ Gleichzeitig muss der Spagat geschafft werden, dass alle entscheidenden Informationen erkennbar sind – das Mehr. „Wer wird wann gewählt, wie heißt der Kandidat, welcher Partei gehört er an?“

Dann mal ran an die ganz subjektive Analyse. Die Reihenfolge ergibt sich aus den Ergebnissen der Kommunalwahl 2016. Bei der Originalität kann Felix Schwenke (SPD) bei Kosok punkten. „Das Logo mit den Eichenblättern ist eine schöne Anspielung auf Offenbach.“ Auch die Umsetzung gefällt dem Kommunikationsdesigner. „Es ist nicht überlastet und wirkt sehr gleichmäßig.“ Einen großen Abzug gibt es bei der Zweckerfüllung. „Das Parteilogo fehlt. Wenn man Schwenke nicht kennt, denkt man, er ist ein unabhängiger Kandidat.“ Kritik von anderen Parteien und Lesern unserer Zeitung, die Sozialdemokraten hätte bewusst auf das Logo verzichtet, weist der SPD-Stadtverordnete Christian Grünewald, zuständig für die Plakatwerbung der SPD, zurück. „Wir wollen nichts verschweigen. Auch auf den letzten OB-Plakaten hatten wir kein Logo, da es sich um einen Personenwahlkampf handelt.“ Er verweist auf die Grünen, die zwar ihr Sonnenblumen-Logo auf dem Plakat haben, aber keinen Schriftzug mit dem Partei-Namen.

Von Durchgefallen bis Gut: Noten für Wahlplakate

Viel Lob erhält Peter Freier (CDU) für sein Plakat. Kosok: „Die Kampagne ist sehr authentisch. Mit dem Slogan „XXL“ steht Peter Freier zum einen zu seiner Figur, er erweckt aber auch den Eindruck, Oberbürgermeister für alle Offenbacher zu sein.“ Die Umsetzung ist klar und strukturiert, einzig beim Zweck bemängelt Kosok, dass das Datum der OB-Wahl nicht angegeben ist. „Insgesamt hat Peter Freier aber das beste Plakat.“ Wenig Lob hingegen hat Kosok für das Plakat von Peter Schneider (Grüne) übrig. „Es hat zu viele Schrifttypen und die Botschaften konkurrieren. Der Slogan „Stadt zum Bleiben“ ist sehr schön, mehr hätte es gar nicht gebraucht.“ Die Linkspartei hat bei der Plakatgestaltung einen anderen Weg gewählt. Die OB-Spitzenkandidatin Elke Kreiss und die Offenbacher Kandidatin für den Bundestag, Christine Buchholz sind gemeinsam auf einem Plakat. „Das ist für die Wahl zum Oberbürgermeister verwirrend, weil man nicht erkennt, wer wer ist“, kritisiert Kosok. „Dafür gelingt es der Partei, mit der großen, klaren Schrift für Aufmerksamkeit zu sorgen.“

Die Piratenpartei um Spitzenkandidat Helge Herget bedient sich eines Wortwitzes. „Schneider geht, Helge kommt“, steht in Anspielung auf den Comedian Helge Schneider und den aktuellen OB Horst Schneider auf dem Plakat. Für Kosok ist der Witz nicht gelungen. „Es ist ein Kalauer, der nicht lange anhält. Außerdem müssen die Wähler Helge Schneider kennen, um den Gag zu verstehen.“

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