Verwandten erpresst: Haft

„Oberstaatsanwalt“ bittet Onkel zur Kasse

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Offenbach - Die Geschichte aus dem wahren Leben, die vorm Schöffengericht verhandelt wurde, hätte sich ein Drehbuchautor nicht besser ausdenken können.

Ein 53-jähriger selbstständiger Handwerker ärgerte sich regelmäßig, dass es ihm finanziell so schlecht ging, während der Onkel seiner Ehefrau aufgrund einer Erbschaft in Geld schwamm. Den ihm bekannten Umstand, dass der Onkel keinen Führerschein besaß und dennoch öfter mit einem Auto unterwegs war, nutzte der 53-Jährige deshalb für eine kriminelle Idee.

Im Dezember 2011 rief er den Onkel seiner Frau an und meldete sich als „Oberstaatsanwalt Schmitt“. Der Angerufene erkannte die Stimme des Mannes seiner Nichte nicht. Und der „Oberstaatsanwalt“ schüchterte seinen Verwandten zunächst mit der Behauptung ein, ihm lägen Anzeigen vor. Mehrere Zeugen hätten gesehen, wie er ohne Führerschein unterwegs gewesen sei. An sich müsse man deswegen in Haft. Er als Oberstaatsanwalt könne jedoch ein Auge zudrücken, wenn er dafür 72.000 Euro bekäme.

Onkel ging auf die Forderung ein

Der Onkel ging auf die Forderung ein. Über einen öffentlichen Mülleimer wechselte das Geld in zwei Fuhren den Besitzer. Und fälschlicherweise glaubte der Erpresste, Ruhe vor seinem Erpresser zu haben. Der 53-Jährige, der das Geld für einen Urlaub, ein teures Auto und die Bezahlung von Schulden verwendete, forderte jedoch im April 2012 wieder Geld. Daraufhin schaltete der Onkel die Polizei ein. Bei der fingierten Übergabe wurde der Angeklagte festgenommen.

Richter Manfred Beck verurteilte den 53-Jährigen, der 2007 nach Verbüßung einer mehrjährigen Freiheitsstrafe wegen Raubs aus der Haft entlassen worden war, zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Er folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

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mad

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