Corona in der Schule

Oberstufenschüler haben Angst um ihr Abitur: Forderung nach Präsenzunterricht

Die Schülervertretung der Albert-Schweitzer-Schule steht auf dem Schulhof, die vier Schülerinnen und Schüler stehen mit Abstand zueinander und tragen eine Maske.
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Die Schülervertretung der Albert-Schweitzer-Schule sieht die angehenden Abiturienten durch den Wechselunterricht benachteiligt.

Wegen der hohen Zahl an Neuinfektionen wechselten Offenbachs Schulen in die dritte Stufe des Hygieneplans. Oberstufenschüler haben nun Angst um ihr Abitur.

Offenbach – Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist in Offenbach weiterhin hoch, die 7-Tage-Inzidenz liegt über 300. Deshalb wechselten vergangene Woche die Schulen in die dritte Stufe des Hygieneplans 6.0 des Hessischen Kultusministeriums. Ein Schritt, der bei den Oberstufenschülern der Albert-Schweitzer Schule zu der Befürchtung führt, im Landesabitur benachteiligt zu werden.

Denn die Regelung, die vorerst bis zu den Weihnachtsferien gilt, betrifft auch den Abi-Jahrgang. Stufe 3 sieht vor, dass der Unterricht im Wechsel als Präsenz- und Distanzunterricht stattfindet. Lerngruppen werden verkleinert und dürfen abwechselnd in die Schule kommen. Wer am betreffenden Tag zu Hause bleiben muss, wird – so die Theorie – von den Lehrkräften mit Lernstoff versorgt.

Corona-Krise: Oberstufenschüler in Offenbach sorgen sich um ihr Abitur

Es sei zunächst geplant gewesen, dieses Konzept auf die Sekundarstufe I, also die Klassen 5 bis 10 der Offenbacher Schulen, anzuwenden, berichtet die Schülervertretung der Albert-Schweitzer Schule. Dann sei aber überraschend festgelegt worden, dass diese Regelung auch für den Abi-Jahrgang 2021 gelten solle.

Die Schüler sehen die Gefahr, dass Offenbacher Abiturienten beim hessenweiten Landesabitur im Frühjahr Nachteile haben werden. Sie hätten nun weniger Unterricht, müssen aber dieselben Abiturprüfungen ablegen wie alle Schüler in Hessen. Deshalb fordern sie in einem offenen Brief an Vertreter der Stadt und des Kultusministeriums, die Schüler der Q3, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, aus dem Wechselmodell wieder herauszunehmen. „Die Annahme, dass der Distanzunterricht reibungslos erfolgen wird, kann man anhand der ersten Schulschließung und dem darauffolgenden eingeschränktem Schulbetrieb widerlegen“, heißt es in dem Schreiben.

Wo heute die Albert-Schweizer-Schule steht, war früher eine freie Fläche für spielende Kinder und Platz für Volksfeste. Der Namensgeber bekam für seinen Einsatz für verfolgte und bedrohte Menschen, Frieden, Wahrheit und Freiheit einen Friedensnobelpreis.

Offenbacher Oberstufenschüler fordern Präsenzunterricht

Lea Langer möchte ihr Abitur am Gymnasium mit den Leistungskursen Mathe und Physik ablegen. Sie ist stellvertretende Schulsprecherin und hat an dem offenen Brief mitgeschrieben: „Wir hängen immer noch mit dem Stoff zurück, konnten den ersten Lockdown noch nicht aufholen. Jetzt haben wir nur noch halb so viel Unterricht, weil die Lehrer sich nicht teilen können, um gleichzeitig Präsenz- und Distanzunterricht zu geben.“ Es gebe faktisch keinen Distanzunterricht. Lehrer, die im März nicht mit Lernplattformen im Internet hätten umgehen können, könnten es jetzt immer noch nicht. Auch habe nicht jeder Schüler einen eigenen Computer und WLAN zu Hause. Der Abiturjahrgang fühlt sich mit neuen Themen alleingelassen, die sie sich ohne Hilfe zu Hause beibringen sollen.

Wir hängen immer noch mit dem Stoff zurück, konnten den ersten Lockdown noch nicht aufholen.

Lea Langer

Einen Vorwurf an ihre Schule, die einen hohen organisatorischen Aufwand mit der Teilung der Oberstufenkurse gehabt habe, will die Schülervertretung nicht machen. „Die Schule folgt nur den Anweisungen, die sie umsetzen muss“, sagt Vincent Kolipost, zweiter stellvertretende Schulsprecher. Der Elftklässler betont, dass es nicht darum gehe, die Maßnahmen der Stadt zu boykottieren: „Wir tragen Masken im Unterricht. Das hilft uns, denjenigen Präsenzunterricht zu gewährleisten, die ihn brauchen – und das ist gerade zuallererst der Abiturjahrgang.“ Deshalb lautet die Forderung der Schülervertretung an die Stadt: vollumfassender Präsenzunterricht für den Jahrgang Q3. Die Schüler „würden es bevorzugen, wenn ein Teil der unteren Jahrgänge in das Wechselmodell eingeführt werden.“ (Theresa Ricke)

 Alle Corona-Maßnahmen der Stadt Offenbach auf einen Blick.

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