Obstbäume für den Vogel der Weisheit

+
Die Mitglieder der Vereinigung für Vogel- und Naturschutz waren unterwegs im Revier des Steinkauzes.

Bürgel (mk) ‐ Das dunkle, in der Tonlage ansteigende guhg, guuig oder gwuäig hat es Karl-Heinz Weigel angetan. Er beobachtet und pflegt seit Jahren das Steinkauzrevier im Bürgeler Mainbogen. Jeweils im Herbst führt er eine Gruppe der Vereinigung für Vogel- und Naturschutz durch das Gebiet, um nach den Bodenjägern zu schauen.

Karl-Heinz Weigel gilt als eine Art „Betreuer“ dieser kleinen und überaus nützlichen Eulenart. In seinem Garten, der mitten im Revier liegt, hat er zwei Steinkauzröhren an mehr als 70-jährigen Apfelbäumen angebracht. Die Bäume hat sein Vater Peter Weigel 1940 gepflanzt. Es ist eine alte Sorte: Rheinischer Bohnapfel.

In einer selbst gebauten Brutröhre (aus alten Rollladen geformt, umhüllt mit handelsüblicher Dachpappe), fand die kleine Gruppe einen Steinkauz. Die Vereinsmitglieder konnten für kurze Zeit aus nächster Nähe dieses wunderschöne Exemplar bewundern. Auch trug dieser Steinkauz einen Ring mit der Nummer 4405689 – also ein in der Vogelwarte Helgoland registriertes Tier. Dann wurde er fachgerecht wieder in seine Röhre zurückgesetzt.

Steinkautz

In diesem Gebiet sind fünfzehn Brutröhren angebracht, aber nur drei bis vier Bruten mit acht Jungen registrierten die Vogelfreunde. Grund: „Jedes Steinkauzpaar behauptet sein Revier, und sobald ein Nebenbuhler auftaucht, wird er vertrieben.“ Für die gesamte Vogelwelt werden die so wichtigen alten Obstbäume von ihren Besitzern viel zu früh gerodet. Vogelfreunde und Vereine befestigen deshalb künstliche Brutröhren überwiegend an Apfel- und Birnbäumen, die der Steinkauz gern annimmt. In diesen Röhren ist er sicher vor Feinden, zieht seine Jungen darin auf, und sie dienen als Nahrungsdepot. Erst bei Dämmerung verlässt er diesen Ort. Sämtliche Brutröhren sind Eigentum der Vereinigung für Vogel- und Naturschutz.

Weigel kümmert sich nicht nur um Steinkäuze, er hat auch zwei junge Apfelhochstämme, Reifezeit Oktober, in seinem Garten gepflanzt. In vier bis fünf Jahren kann er die ersten Äpfel ernten. Brutröhren sind allerdings erst in gut 15 Jahren zu befestigen. Der Ornithologe appelliert an Gartenbesitzer, Vogel- und Naturschutzvereine, einen Obstbaum zu pflanzen oder Streuobstwiesen anzulegen.

Derzeit ist für Weigel allerdings eine kleine (Ruhe-) Pause angesagt: „Unsere Steinkäuze dürfen jetzt nicht mehr gestört werden, da sie von April bis Juni brüten. Erst danach darf die fachkundige Kontrolle beginnen.“ Dennoch ist der Bürgeler nahezu jeden Tag in seinem Revier, um den Rufen der Steinkäuze zu lauschen...

Kommentare