Ganz selten ein Drittel

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Entspannt im Sitzungssaal: Zahlreiche Zuschauer verfolgten im Rathaus, wie auf einer Großleinwand die Ergebnisse aus den Wahllokalen einliefen. Als die Hälfte ausgezählt war, stand für geübte Beobachter fest: Horst Schneider macht das Rennen.

Offenbach (mad) Am Tag danach schlägt die Stunde der Statistiker: Bei der Oberbürgermeister-Stichwahl am Sonntag hatte Amtsinhaber Horst Schneider (SPD) in 70 von 79 Wahllokalen die Nase vor CDU-Mann Peter Freier.

Auch in den zehn Briefwahlbezirken punktete Schneider: Er holte acht, Freier kam nur auf zwei.

In Sachen Wahlbeteiligung ist der Ausreißer nach unten der Wahlbezirk 7 (Schillerschule). Dort gingen gerade mal 4,85 Prozent an die Urne. In absoluten Zahlen: Von 1 113 Wahlberechtigten gaben nur 54 ihre Stimme ab. Bei vier ungültigen Stimmen votierten 36 für Horst Schneider, 14 für Peter Freier.

Für den Lichtblick am anderen Ende der Skala, sorgte der Bezirk 77 (Ernst-Reuter-Schule) in Rumpenheim mit einem Ergebnis, das man sich - bescheiden geworden - gerne für die ganze Stadt gewünscht hätte: 37,66 Prozent Wahlbeteiligung.

Wie schon im ersten Wahlgang bestätigte sich, dass mit der Entfernung zum Stadtkern die Beteiligung steigt. Fünf der sechs Bezirke, in denen die 30 Prozent-Hürde genommen wurde, liegen in diesen Stadtteilen. In der Kernstadt schaffte dies lediglich der Wahlbezirk 16 (Leibnizschule) mit 33,57 Prozent.

Eine gewisse Wahlmüdigkeit muss man dem früher aktiven Bieber bescheinigen. Dort gelang nirgendwo der Sprung über die 30 Prozent.

Bilder vom Wahlabend aus dem Rathaus

Horst Schneider bleibt Oberbürgermeister

Außer im Bezirk 33 (Lauterbornschule) und 47 (Bachschule) fuhr Unionsmann Freier seine restlichen sieben Siege in Stadtteil-Wahllokalen ein; drei in Bieber, drei in Bürgel und einen in Rumpenheim.

Dass die grüne Basis bei der Stichwahl für Horst Schneider gestimmt hat, lassen die Zahlen ebenfalls vermuten. Dort, wo die grüne Kandidatin Birgit Simon im ersten Wahlgang gut abgeschnitten hatte, war bei der finalen Stichwahl der Abstand zwischen Schneider und Freier besonders groß.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Oliver Stirböck sieht Horst Schneider durch den Wahlerfolg „gestärkt“. Er rät dem Wahlgewinner, sich stärker auf seine Arbeit als „oberster Wirtschaftsförderer“ zu konzentrieren. Die Ansiedlung neuer Unternehmen müsse stärker als bisher im Mittelpunkt seines Wirkens stehen. Der Freidemokrat hofft zudem, dass Schneider auf diesem Gebiet „stärker als bisher“ konkrete Vorschläge von Union und FDP aufnimmt.

Für die Union, meint Stirböck habe sich die „Materialschlacht“ der letzten Wochen offenkundig weniger als erwartet ausgezahlt. Mit der aggressiv formulierten Wahlkampf-Botschaft „Schneider, es reicht“ habe die Partei für Stilfragen sensible „bürgerliche Wähler“ eher abgeschreckt. Dies sei für die CDU umso tragischer, als sie mit Peter Freier durchaus einen „beachtlichen Kandidaten“ ins Rennen geschickt habe.

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