Hinter der Veilchentür

Offenbach - Die vier, die Oberbürgermeister bleiben oder werden wollen, mal ganz unpolitisch. Wir haben sie dort besucht, wo sie ganz Privatmensch sind. Heute zeigen wir den Besuch bei Herausforderer Peter Freier (CDU) im Veilchenweg. Von Sonja Thelen

Auf einmal wird Peter Freier zum Rocker, als er von einem Genesis-Konzert erzählt, das ihn förmlich vom Hocker gehauen hat. Nicht die Luftgitarre, sondern das Luft-Schlagzeug ist sein Instrument. Das demonstriert er eindrucksvoll, als er ein live erlebtes Drum-Duett von Phil Collins und Chester Thompson im heimischen Wohnzimmer für den Besucher nachstellt.

Eine bemerkenswerte Schau des Politikers, der für die Christdemokraten ins Rennen um den Sessel des Offenbacher Oberbürgermeisters geht. Eine fast schon enthemmte Seite zeigt der 45-Jährige, die sich in seiner Leidenschaft für Rockmusik und –konzerte offenbart. Eine Leidenschaft, die er mit seiner Frau Antje teilt. Die sei sogar noch eine Spur härter drauf, erzählt Peter Freier schmunzelnd, sie hört auch Heavy Metal von Rammstein oder Metallica.

Die Regler an der Anlage mal voll aufdrehen und die Musik laut und dröhnend hören: Das kommt bei Peter Freier durchaus vor. Ganz wichtig ist für ihn Musikhören auf dem Nachhauseweg von Mainz-Kastel, wo der gelernte Journalist und frühere Sprecher im hessischen Innenministerium Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der hessischen Bereitschaftspolizei ist: „Da lade ich nach der Arbeit meinen Akku auf, kann umschalten.“

Die Anspannung des Arbeitstags hat er dann abgeschüttelt, wenn er in seinem Heim An den Eichen angekommen ist.

Tierbeobachtungen und Kaminfeuer

„Hinten rechts in der Ecke auf dem dunkelroten Ledersofa“ hat der Gatte laut Frau Antje seinen Lieblingsplatz im Wohnzimmer: Von der geschützten Ecke mit Blick durch Panoramafenster ins Grüne beobachtet er manchmal einen jungen Fuchs, der dort sein Revier, und einen Bussard, der in der Nähe seinen Horst hat.

Sein Lieblingsplatz bietet aber auch freie Sicht auf den weißen Holzpelletskamin, auf den Sessel, in dem seine Frau sich mit einem guten Buch entspannen kann, und auf den Flachbildfernseher. Neben dem Sofa steht ein kleiner Tisch, auf dem Peter Freier seine Lektüre ablegt. Mal einen guten Krimi, mal eine Biografie oder auch eine Dokumentation über Offenbach. Seinen Espresso stellt er dort auch ab.

Denn Peter Freier ist Kaffeeliebhaber, „entweder einen Espresso oder halb Kaffee, halb Milch“. Gern genießt er möglichst starkes, schwarzes Gebräu in der City, zum Beispiel im Stadtcafé, wo er Menschen trifft.

Direkt neben dem Sofa steht ein antikes Büffet, das ihm seine Schwester Martina überlassen hat. Peter Freier schätzt das dunkle Möbel, das einen Kontrast zur sonst modernen und minimalistischen Einrichtung des Wohnzimmers mit der offenen, weißen Küche darstellt. Auf dem schwarzen Regal finden sich nur wenige ausgewählte Dinge. Dinge, die für Peter und Antje Freier eine Bedeutung haben. Wie die gemeinsame Porträtaufnahme für die Schwiegereltern. Oder das Foto von Antjes Patenkind Natascha, die Tochter ihrer Schwester Kirsten. Oder der Pokal für den „weltbesten Ehemann Peter Freier“, den ihm seine Frau, mit der er seit fünf Jahren verheiratet ist, geschenkt hat. „Mit Büchern voll bepackte Regale brauchen wir nicht im Wohnzimmer, die stehen oben im Arbeitszimmer“, lacht die 44-jährige kaufmännische Angestellte. Oben gibt’s auch noch einige unausgepackte Umzugskartons.

Haus im ehemaligen Lohwald-Viertel gebaut

Klare und geradlinige Formen: So stellten sich die Freiers ihr Heim vor, das sie im ehemaligen Lohwald-Viertel gebaut und im Februar bezogen haben. „Wir wollten ein freistehendes Haus, das war hier noch zu finanzieren“, sagt Peter Freier, „hier konnten wir auch unsere Ideen von einem Heim im Bauhausstil verwirklichen.“

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Und so ist ein nahezu quadratisches zweigeschossiges Gebäude entstanden. Der Blickfang ist die lilafarbene Tür. Freier muss laut auflachen, als er erzählt, wie es zu diesem farblichen Akzent kam: „Die Maler hatten uns diverse Farbpaletten vorgelegt, die uns alle nicht gefallen haben. Da die Fassade in zwei Grautönen gehalten ist, wollten wir auch keine weiße Tür. Aus Jux und Dollerei haben wir uns dann für dieses Lila entschieden – ohne daran zu denken, dass wir ja im Veilchenweg wohnen. Als der Schreiner uns dann die Tür montierte, drückte er uns noch ein Döschen mit der Restfarbe in die Hand – nach dem Motto ‚Die Farbe brauchen wir eh nie wieder.“

Aber veilchenfarbige Tupfer finden sich nun auch in der Gästetoilette oder auf dem großen Esstisch. Für das, was dort gespeist wird, zeichnet meist Peter Freier verantwortlich. „Ich bin der Koch“, stellt der stattliche Mann unmissverständlich klar. Sie darf danach aufräumen.

Seine Begeisterung fürs Kochen begann schon in der Kindheit. „Die Küche war in unserer Familie der wichtigste Raum, und ich habe immer gern meiner Mutter beim Kochen geholfen.“ Wenn das Ehepaar Freier am Wochenende kocht, werden gemeinsam auf dem Wochenmarkt die frischen Zutaten gekauft, daheim geschält, geraspelt, klein geschnitten, gesotten oder gebraten. Und wenn der überzeugte Bürgeler vom Kochen redet, gerät er schnell ins Schwärmen: „Dabei schalte ich völlig ab.“

Rubriklistenbild: © Thelen

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