Oder weniger hässlich

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Blaue Stunde am Beton: Knapp drei Dutzend Bürger erforschten gruppenweise die Herausforderungen des Stadthofs.

Offenbach - Ein paar Leute haben beim Rundgang gesagt, von den beiden Betonklötzen auf dem Stadthof sei der Café-Pavillon der schönere. Ein paar Leute haben auch nur gesagt, er sei der weniger hässliche. Von Marcus Reinsch

Aber Günter Domogalla hat am Donnerstagabend niemanden sagen hören, dass eine Neugestaltung des Stadthofs mit äußerlich alten Elementen unvorstellbar sei. Und das macht dem Betreiber des „Cafés am Rathaus“ neue Hoffnung.

Er kann sie gebrauchen. Als er im Herbst seinen Mietvertrag verlängern wollte, landete er beim Oberbürgermeister. Horst Schneider, auch Baudezernent, erklärte Domogalla, dass aus der Verlängerung nichts werden könne, bevor die Politik über die Zukunft des Stadthofs entschieden habe. Es sei ja denkbar, dass es bald nichts mehr zu vermieten gibt.

Besagte Entscheidung ist nun nicht mehr fern. Zumindest die über den für Domogalla „existenzwichtigen“ Aspekt: Am 16. Juni soll das Stadtparlament über die grundsätzliche Frage abstimmen, ob die im laufenden Gestaltungswettbewerb bisher favorisierten Planungsbüros mit der Vorgabe „mit Pavillons“ oder „ohne Pavillons“ ins Detail gehen sollen.

Stadthof hat eine Bürgerbeteiligung ausgerufen

Ihre Meinung bilden sich die Volksvertreter allerdings nicht im Alleingang. Wie schon bei der Maindammsanierung hat die Stadt zum Stadthof eine Bürgerbeteiligung ausgerufen. Was die Bürger am Ende dieses Prozesses empfehlen, ist für die Politik nicht bindend. Es wird aber wohl einiges Gewicht haben - auch wenn beim Thema Stadthof nicht wie beim Damm ein Saal aus allen Nähten platzt, sondern wie beim Rundgang nur knapp drei Dutzend Interessierte die Einladung annehmen.

Günter Domogalla, dessen Vertrag nächstes Jahr noch läuft, war einer von ihnen. Er hörte genau hin, er versuchte eine Tendenz herauszufiltern. „Ich bin 59 und ich habe meine Lebensplanung darauf ausgerichtet, dass ich noch zehn Jahre im Café bleiben kann“, sagt er. Mit dem Betrieb sei er „sehr zufrieden“, er zahle seit jetzt 20 Jahren immer pünktlich seine Miete. Und außer für ihn sei der Erhalt des westlichen Pavillons auch für drei Festangestellte und vier Aushilfskräfte eine Existenzfrage. „Wir möchten da nicht weg!“

Am Montag, 18 bis 22 Uhr, wird Domogalla das wiederholen. Dann gipfelt diese Phase der Bürgerbeteiligung in einer Art Planungswerkstatt. Im Rathaus werden Interessierte jene zehn Stadthof-Entwürfe begutachten, die aus der ersten Runde des Gestaltungswettbewerbs übrig und seit dieser Woche auf Stellwänden im Obergeschoss des Verwaltungsbaus ausgestellt sind. Fünf der Vorschläge sehen einen Erhalt des Café- und des Polizeiladen-Pavillons vor, fünf ihren Abriss.

Was wird aus dem Waschbetonbrunnen vorm Rathaus?

Die Betonbauten sind natürlich nur ein kleiner Teil des Areals. Zwischen Berliner Straße im Norden und Aliceplatz im Süden, zwischen Herrnstraße im Osten und Platz der Deutschen Einheit im Westen stellen sich viele Fragen. Was wird aus dem Waschbetonbrunnen vorm Rathaus? Soll’s ein großer, offener Platz mit Durchsicht werden oder wieder eine eher zerklüftete Konstruktion mit Chancen auf Schatten und Gemütlichkeit. Was brauchen die großen Feste? Welches Potenzial steckt in bisher vernachlässigten Fassaden? Und wie vermeidet man, dass sich der Stadthof wieder wellt wie ein sturmgepeitsches Meer? Rollstuhlfahrern jedenfalls muss der Platz momentan wie eine Berg- und Talbahn ohne Spaßfaktor vorkommen.

Das deutet in die Unterwelt des Areals, wo ein grundlegender Aspekt berücksichtigt werden will: die Tiefgarage des Rathauses. Deren Fugen sind undicht. Wenn es aus Wolken oder ESO-Gieskannen auf die Blumenbeete obendrüber regnet, stehen unten auf dem Parkdeck die Pfützen. Die Decke muss also raus und damit vorübergehend ein gutes Stück des Stadthofs. Die überfällige Grundsanierung darf allerdings weder die Position der Zu- und Notausgänge noch die Struktur des Parkdecks an sich verändern. Sonst wäre der Bestandsschutz hinüber, das Deck würde als Neubau gelten und etwa jeden vierten Stellplatz an dann fällige breitere Spuren verlieren.

Ersatzstandort fürs Spiel der Könige gesucht

Apropos: Der Verlust einer über die Jahrzehnte liebgewonnenen Erscheinung auf dem Stadthof ist schon vor Planungswerkstatt und Stadtparlament beschlossene Sache: Das Riesenschachbrett im Schatten der Stadtkirche liegt in den letzten Zügen. Dem Treffpunkt der Figurenschieber wird bald zum Verhängnis, dass es einem Neubau im Weg steht, der einem weiteren Café Platz bieten soll. Ein Ersatzstandort fürs Spiel der Könige wird gesucht.

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