Öffentliches Tafeln auf dem Wilhelmsplatz

Offenbach - Christoph Schaaf spart nicht mit großen Worten, um zu erläutern, was die Offenbacher erwarten dürfen: „Respekt ist das zentrale Thema der Zukunft. Sowohl zwischen Nationen als auch im öffentlichen Leben, in der Familie oder im Umgang mit Migranten.“ Von Matthias Dahmer

Rechtsanwalt Schaaf ist Sprecher der Initiative „Aktion Starkes Offenbach“, die zusammen mit dem Freiwilligenzentrum vom 15. bis 20. Mai in Offenbach die „Woche des Respekts“ veranstaltet (Details zum Programm siehe nebenstehenden Bericht). Man wolle zum einen ein Bewusstsein für die Bedeutung des Respekts in der Öffentlichkeit schaffen, zum anderen aber auch den vielen Ehrenamtlichen in der Stadt danken, erläutert er gestern in den Räumen der IHK. Die ist Gastgeber der Pressekonferenz, weil das Funktionieren der Kammer ohne die rund 900 Ehrenamtlichen, die in Gremien oder als Prüfer arbeiteten, nicht denkbar sei, sagt Bernhard Mohr, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK.

Die Themen der Respektwoche, erklärt die Chefin des Freiwilligenzentrums Sigrid Jacob, spiegelten - mit Ausnahme des Sports - die Einsatzfelder im Ehrenamt wider.

Den zweifellos spektakulärsten Programmteil haben sich Veranstalter und Kooperationspartner für den Schluss aufgehoben: Am Freitag, 20. Mai, wird ab 18 Uhr auf dem Wilhelmsplatz unter freiem Himmel getafelt. 150 Leute dürfen Platz nehmen und ein Menü genießen, das die Wirte rund um den Platz gesponsert haben. Spenden, die einem Projekt des Freiwilligenzentrums für pflegende Angehörige zugute kommen, sind erwünscht, aber keine Bedingung fürs Mitessen.

Französische Tradition als Vorbild

Orientiert habe man sich bei der Idee an einer französischen Tradition, wonach immer an einem Sonntag im Mai öffentlich getafelt werde, sagt Constanze Schneider vom Netzwerk „Frauen für Offenbach“. Sie hat zusammen mit Carmen Krieger-Löw von der Agentur „luisen70“ diesen vermutlich längsten Tisch, den Offenbach jemals gesehen hat, organisiert. Die Gattin des Oberbürgermeisters könnte sich vorstellen, dass ein solches öffentliches Auftischen an wechselnden Standorten in der Stadt zur ständigen Einrichtung wird.

Zahlen zur Bedeutung des freiwilligen Engagements steuert Reinhard Knecht vom städtischen Referat Ehrenamt bei: Bundesweit seien rund 23 Millionen Menschen ehrenamtlich tätig, landesweit komme man auf etwa zwei Millionen, und in Offenbach gehe er von mindestens 20000 Personen aus. Knecht hofft, die Zahlen für die Stadt in den nächsten Jahren, noch weiter nach oben korrigieren zu können.

Für Peter Heßler, Herausgeber des Magazins „respekt OF“ und Mitstreiter Schaafs in der „Aktion Starkes Offenbach“, ist es falsch, dass viele Ehrenamtliche aus Bescheidenheit im Hintergrund bleiben. „Sie sind der Kitt in unserer Gesellschaft“, so Heßler. Er hat 60 typografische Poster mit Statements zum Thema enworfen, die in der Respektwoche rund um den Wilhelmsplatz aufgehängt werden.

PR-Profi Heßler lässt es sich gestern zudem nicht nehmen, ein wenig Werbung für die nächste Nummer seines Magazins zu machen. Eine Spezialausgabe, in einer Auflage von 2000 Stück, in der ausschließlich Menschen vorgestellt werden, die in Offenbach ehrenamtlich tätig sind.

Rubriklistenbild: © manwalk/pixelio

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