Hospizbewegung: Nicht ins Nichts gehen

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Ehrenamtliche Helfer, Hauptamtliche sowie Vertreter von Vorstand, Stadt und Kirche stellten sich zum Gruppenbild.

Offenbach - Eine große Bühne bereiteten Stadt und Vorstand den Hospizhelfern im Rathaus. Im Sitzungssaal der Stadtverordneten blieb fast kein Platz frei. Vorsitzender Reinhold Schäfer erinnerte an die Gründungsversammlung vom März 1998. Von Markus Terharn

Viele der 16 Teilnehmer von damals kamen zur Jubiläumsfeier, darunter der erste Vorsitzende Simon Tull. Für diejenigen, die inzwischen verstorben sind, war symbolisch ein Stuhl freigehalten.

Die Präsenz zeugte von der Wertschätzung für die Begleitung Schwerstkranker, Sterbender und ihrer Angehörigen: Magistrat und Referat Ehrenamt waren ebenso vertreten wie katholische, evangelische und altkatholische Kirche, Altenheime und das Ketteler-Krankenhaus. In diesem Zusammenhang verlieh Schäfer seiner Hoffnung Ausdruck, dass das im Bau befindliche Fanny-de-la-Roche-Hospiz bald bezugsreif sei.

Dem Verein spontan beitreten

Wer wollte, konnte dem Verein spontan beitreten. Schäfer betonte: „Wir brauchen noch mehr ehrenamtliche Helfer. Und die müssen wir ausbilden. Denn sie sind diejenigen, die die Arbeit machen.“ Dafür und für die im Caritashaus St. Josef angesiedelten drei halben Stellen „benötigen wir 100 000 Euro im Jahr“, rechnete Schäfer vor. Die Kosten würden teils von den Krankenkassen übernommen; die Stadt gewähre etwas Unterstützung; Geld komme auch aus Spenden.

Vorsitzender Reinhold Schäfer mit der neuen Hospizkoordinatorin Birgit Winter (links) und Christine Bernhard, seit 15 Jahren dabei.

Kluge Gedanken zum Thema „Mit dem Sterben vertraut werden“ äußerte Pfarrer Kurt Sohns von St. Paul. Der katholische Theologe bekannte, er sei froh, wenn Todesanzeigen in der Zeitung mit christlichen Symbolen versehen seien. Drücke sich doch darin der Wunsch aus, „nicht ins Nichts hinein zu sterben“. Der Tod müsse aber kein einfacher sein, warnte der Seelsorger: „Selbst Jesus ist nicht leicht gestorben...“ Sohns beklagte, dass sich heutzutage viele Sterbende verlassen fühlten, dass Pflegekräfte in großer Zahl fehlten. „Da ist die Hospizarbeit unendlich wertvoll!“

Sohns’ gelehrter Schnelldurchlauf durch Zitate von Dichtern und Denkern fand seine künstlerische Fortsetzung im Auftritt der Schauspielerin Sarah C. Baumann. Am Piano mal atmosphärisch, mal lautmalerisch begleitet von Wolf-Dieter Köster, trug die t-raum-Actrice mit vollem Stimm- und Körpereinsatz Lieder und Texte vor. Unter anderem erklangen Eichendorffs „Mondnacht“ und Goethes „Zauberlehrling“, Rilkes „Panther“ und Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. „Zeitlebens – Lebenszeit“, das war die inhaltliche Klammer der berührenden Performance.

„Ein ganz dickes Kompliment“

Oberbürgermeister Horst Schneider spendierte „ein ganz dickes Kompliment, wie Sie dieses Fest inszenieren“, es sei „wirklich beispielhaft“. An die Helfer gerichtet sagte er: „Die Stadt braucht Sie, ohne Sie wäre sie ärmer.“ Für die CDU-Fraktion sprach der frühere Stadtverordnetenvorsteher Erik Lehmann von einer „selbstlosen und anspruchsvollen Arbeit“, sie sei „segensreich im wahrsten Sinne des Wortes“. Der stellvertretende evangelische Dekan Ulrich Knödler wünschte dafür „einen langen Atem und Hartnäckigkeit“.

Dann gehörte die Bühne allen Helfern, die von Reinhold Schäfer sowie vom städtischen Ehrenamtsbeauftragten Reinhard Knecht kleine Geschenke erhielten. Bei der Gelegenheit stellte der Vorsitzende die neue Hospizkoordinatorin Birgit Winter vor. Die Diplom-Pädagogin folgt auf die in den Ruhestand gegangene Gabriele Trüby und teilt sich die Arbeit mit Christine Bernhard, die von Anfang an dabei ist.

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