OFC: Alles fürs positive Bild

DFB-Viertelfinale eine logistische Herausforderung

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Die Fernseh-Teams klotzen mit viel Technik am Bieberer Berg.

Offenbach - Neutralisation. Es ist in Tagen wie diesen ein Lieblingswort. Der rot-weiße Trainerstab würde im heutigen Pokalspiel wohl am liebsten die Wolfsburger Stürmer lahmlegen. Von Martin Kuhn

Oder zumindest die Laufwege der grünen Balltreter einengen und somit deren Passspiel unterbinden. Die Wölfe führen Ähnliches im Schilde. Gegenseitige Neutralisation eben. Auch Stadionmanager Andreas Herzog spricht vor dem Viertelfinale von einer Neutralisation. Er hat aber nicht die Aufhebung der gegnerischen Offensivreihe im Sinn.

Packt überall mit an: Techniker Willi Herkert.

Die Neutralisation, von der der 36-Jährige spricht, hat mit den strikten Auflagen für den DFB-Pokal zu tun und trifft Fußballarenen bundesweit. Das heißt: Jedes Reklamebanner, jede Werbebande, jeder Schriftzug muss weg, die nicht zum Sponsorenpool für den Pokalwettbewerb gehören. Das haben externe Firmen mit Latten-Konstruktionen, dunkelgrünen Stoffbahnen und Tackern bereits am Samstag erledigt. Gestern Morgen montieren OFC-Mitarbeiter weitere Abdeckungen – Henninger- und Base-Tribüne verschmelzen im einheitlichen Grauton. Bestand hat der rote Schriftzug über der Haupttribüne: „Der Berg bebt“; allerdings ohne die Signets von Stadt und Stadtwerke Holding. Auch die werden vom Deutschen Fußball-Bund geschluckt...

Rasen in sattem Grün

In sattem Grün präsentiert sich der Rasen. Das Team um Platzwart (vielerorts zum sogenannten Greenkeeper erhoben) Wolfgang Böttge hat mehr als ordentlich gearbeitet seit dem jüngsten, arg verregneten Heimspiel der Kickers: „Die Partie gegen Saarbrücken hat uns nicht gut getan.“ Damit meint er nicht das Ergebnis (2:0), sondern die Spielfläche. Die ist nach seinen Worten „bös durchgewühlt“ gewesen. Nach gut einer Woche, punktuellem Rasentausch und ordentlichem Walzen ist der Platz bespielbar. „Wir wollen ein gutes Bild abgeben“, so Böttge.

Fürs perfekte Grün wirft er noch mal den Rasenmäher an. Wie bitte? Ende Februar, Temperaturen um den gefrierpunkt, leichter Schneefall, und der Mann in der markanten roten Arbeitskluft denkt an Rasenschnitt?

„Sehen Sie“, sagt er, führt auf die gut 6000 Quadratmeter Grün, blickt entlang der Stehtribüne. „Da müssen drei Zentimeter runter.“ Was für den Laien rundum ordentlich erscheint, befriedigt ihn keinesfalls: „Der Rasen ist recht unterschiedlich.“ Da, direkt vor den treuen OFC-Anhängern, bekommt die Grasdecke mehr Sonnenlicht ab, wächst dichter und schneller. „Das muss fürs Viertelfinale schön eben sein.“

Alles perfekt für den Pokalabend?

Adieu Henninger-Tribüne.

Also ist alles perfekt für den Pokalabend? „Ja, bis auf den weißen Dreck von oben“, grummelt Böttge. Diesen beseitigen Helfer rund um die Spielfläche, die dank seit Donnerstag laufender Rasenheizung schneefrei ist. „He!“, weist er die Schipper mit lautem Ruf an, „aber nicht auf den Platz werfen!“ Es ist wie in den regulären 90 Minuten: Nuancen machen den Unterschied. Die ersten geräumten Meter entlang der Außenlinie bleiben nicht lange leer. Helfer bestücken sie mit einer mobilen LED-Werbebande. Die einzelnen Module, vier Stück pro Palette, karrt ein Stapler ins Stadion.

Das gehört zum exklusiven Vermarktungspaket des DFB- Pokals. Auch das ist nicht mehr als eine logistische Frage. Der Tieflader kommt direkt aus Spanien, nach dem Viertelfinalabend in Offenbach geht’s weiter nach Bremen. Der Fahrer berichtet, dass mehrere Sätze (in diesem Fall sind’s gut 140 Elemente für bewegte Reklame-Bilderreihen) europaweit verwendet  werden – üblicherweise für Live-Übertragungen im Fernsehen. Die Besonderheit: Diese Energie fressende Werbung ist über ein autarkes Stromaggregat zu sichern, das der nächste Tieflader anliefert. Ganz klar: Jede (Werbe-)Minute zählt.

Über ein fest installiertes Aggregat (Netzersatzanlage) ist gewährleistet, dass bei einem Stromausfall Sicherheitsrelevantes (Fluchtwege, Brandmeldeanlage) weiterläuft. „Das ist Standard“, so Betriebsleiter Herzog. Nicht standardisiert, aber fest installiert ist übrigens die Rasenheizung. Wurde diese früher über eine zu mietende Anlage betrieben, liefert heute die Heizung die Energie: ein Kessel versorgt die Rasenheizung, ein zweiter die Stadionräume – Vorteil eines 25-Millionen-Neubaus.

Medienvertreter in Vorfreude

Wolfgang Böttge mag’s eben.

Über diesen freuen sich sicher auch die Medienvertreter, die sich in großer Zahl angekündigt haben und für die gute Arbeitsbedingungen bereit stehen. Live-Bilder sind über ARD oder Sky zu sehen. Diverse private und öffentlich-rechtliche Teams filmen, produzieren, stellen zur Verfügung und übertragen. Drei Kameraplätze auf der Haupt- und einer auf der Osttribüne sind bestückt, hinzu kommen weitere feste und mobile Kameras im Innenraum für Spielszenen, Zuschauer und Kommentatoren. Allein die notwendigen Kabelstränge messen mehr als zehn Kilometer. Neben dem großen Presseraum werkelt ein Trio am Interieur eines kleinen Fernsehstudios; von dort wird heute Abend ARD-Experte Mehmet Scholl das Spiel bewerten.

„Das ist schon ganz großes Kino“, sagt Herzog stolz für das Team der Stadiongesellschaft, zu dem noch Techniker Willi Herkert, Erich Oefner und Assistentin Petra Stottrop gehören. Sie wissen: Das Sparda-Bank-Hessen-Stadion erfährt heute bundesweit Beachtung – hoffentlich ausnahmslos positive.

OFC mit Pokalsensation gegen Düsseldorf

OFC mit nächster Pokalsensation

Anerkennung findet das Stadion („Ein Mehrwert für die Stadt und den Klub“) seitens des DFB. Nach dem U21-Länderspiel gegen Argentinien trifft am 5. April die deutsche Damen-Nationalmannschaft auf die USA: „Ein besseres Länderspiel bekommen wir nicht.“ Dann erfährt Offenbachs Spielstätte weltweit Beachtung.

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