Neueröffnung

Fan-Museum: Das Gedächtnis der Kickers

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Sportliche Erinnerungen: Zu den Besuchern im neuen Museum zählten auch Kickers-Spieler Sascha Korb (links) und Co-Trainer Alexander Conrad (Mitte).

Offenbach - Bevor sich der Mannschaftsbus zum Testspiel Richtung Aschaffenburg in Bewegung setzt, werfen die Spieler des OFC zusammen mit Trainer Rico Schmitt im neuen Kickers-Fan-Museum einen Blick auf die ausgestellte Erfolgsgeschichte ihres Vereins. Von Harald H. Richter 

Nach Aufgabe des vormaligen Quartiers wenige hundert Meter entfernt hat es ein Dreivierteljahr gedauert, bevor der Aus- und Umbau des neuen Domizils abgeschlossen werden konnte. Nicht alles Inventar wird zur Einweihung präsentiert, manches ist noch verpackt und soll der interessierten Öffentlichkeit nach und nach zugänglich gemacht werden. Auch das kleine Kino muss noch eingerichtet werden. Doch das, was auf insgesamt 200 Quadratmetern Fläche an Wandtafeln, in Glasvitrinen und Regalen gezeigt wird und damit die sportlich wechselvolle Historie des Traditionsvereins bezeugt, kann sich sehen lassen.

Gleich im Eingangsbereich hat die Büste des verdienten OFC-Ehrenvorsitzenden Waldemar Klein einen wiederum gebührenden Platz bekommen. Dokumentiert sind außerdem die einzelnen Abteilungen des 1901 gegründeten Vereins. Auf einer großflächigen Patenschaftstafel an der Wand ist noch reichlich Platz für Neueintragungen. Wer sich mit einem Jahresbeitrag von 19,01 Euro – es darf auch mehr sein – einbringt, wird darauf als Förderer vermerkt. Einige Meter weiter glänzen im gebündelten Scheinwerferlicht auf Hochglanz polierte Pokale und legen Zeugnis ab von einst ruhmreichen Tagen, als Meisterschalen und Siegertrophäen zuhauf errungen wurden.

Rund 300 Spielertrikots

Rund 300 Spielertrikots aus den 1940er-Jahren bis heute und unzählige rot-weiße Wimpel sind gleichfalls zu bestaunen. „Auf die Präsentation von über 300 Fanschals müssen wir zunächst verzichten, denn aus Gründen des Brandschutzes können wir sie nicht an der Decke befestigen“, bedauert Museumsgründer Thorsten Franke, denkt aber über eine alternative Lösung nach.

Besucher Reiner Raab hat eine Originalausgabe der Offenbach-Post vom 10. Januar 1955 mit der prestigeträchtigen Schlagzeile „Kickers-Sieg über die Eintracht“ mitgebracht und will sie dem Museum zum Geschenk machen. Der heute 67-Jährige, der aus dem Raum Marburg-Biedenkopf stammt, aber in Egelsbach lebt, ist seit vielen Jahren Anhänger der Kickers. Mitte der 60er-Jahre hergezogen, arbeitete er in der Textilbranche und zeigte sich schon einmal freigiebig, indem er seinem Lieblingsverein ein ungewöhnliches Geschenk machte. „Bei der Firma, in der ich arbeitete, war einiges an rotem Denim-Stoff aus der Jeansherstellung übrig geblieben“, erzählt er. „Da kam mir der Einfall, daraus Sitzkissen anzufertigen und sie dem Verein zu spendieren.“ Die dafür notwendige Schaumstofffüllung besorgte Raab in einem Baumarkt, dessen Filialleiter sich von der Idee begeistert zeigte und die Kosten dafür übernahm. „Es wurden etwa 70 laufende Meter Sitzkissen draus.“

Neueröffnung des OFC-Museums

Neueröffnung des OFC-Museums

Ähnlich wie Raab seine Begeisterung für den Fußball an den vierjährigen Enkel weitergegeben hat, der bei den Egelsbacher Minis dem runden Leder hinterher jagt, verhält es sich auch bei Familie Sattler aus Ginsheim-Gustavsburg. Gleichermaßen erwartungsvoll ist Vater Steffen mit Sohn Tim, der in der D2-Jugend den Kasten sauber hält, nach Bieber gekommen, um sich im neuen Museum umzuschauen. Auch Sattler hat ein Geschenk mitgebracht, überreicht Vorsitzendem Alexander Knöß einen Karton randvoll mit Eintrittskarten von OFC-Heimspielen aus den 60er-Jahren. „Für solche Andenken, die unsere Bestände um weitere Kapitel Sportgeschichte bereichern, sind wir natürlich dankbar“, sagt Knöß erfreut. Sie können ebenso wie mehrere Regalmeter Alben mit Tausenden Sammelbildern und anderen Dokumenten eingesehen werden. Angesichts der Materialfülle bemerkt der Vorsitzende nicht ohne Stolz: „Wir sind das Gedächtnis der Kickers.“ Bis zum Abend stillen Alt und Jung ihre Neugier, bestaunen manch rares Exponat, etwa eine von Fred Schultheis Anfang der 50er-Jahre aus der Sowjetunion mitgebrachte Balalaika und eines seiner Originaltrikots, indes draußen auf dem Grillrost Bratwürste brutzeln und heißer Kaffee ausgeschenkt wird. Dazu gibt’s von den Frauen gebackene Muffins mit OFC-Motiven.

Wer am Eröffnungstag keine Gelegenheit gehabt hat, kann das Museum dienstags zwischen 19 und 22 Uhr, freitags 16 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags zwischen 10 und 13 Uhr besuchen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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