OFC-Fanprojekt

Sozialarbeit mit Fußball-Anhängern

+
„Und dein Leben ist rot-weiß.“ Alle, auf die dieses Motto zutrifft, haben eine neue Anlaufstelle an alter Anschrift: Der Fanladen für OFC-Anhänger hat größere Räume an der Luisenstraße 61. Das sieht doch gleich ganz anders aus: Antje Hagel fühlt sich sichtlich wohl in den neuen Räumen des Fanladens.

Offenbach - Schals und Wimpel, Trikots und Autogrammkarten lassen keinen Zweifel: Hier sind die Anhänger der Offenbacher Kickers daheim. Ein Schild macht aber auch unmissverständlich deutlich, was unerwünscht ist: „Kein Platz für Rassismus!“ Von Markus Terharn 

Bislang war das OFC-Fanprojekt, angesiedelt beim Internationalen Bund (IB), im Vorderhaus ansässig. „Das war auf Dauer viel zu eng“, erinnert sich Antje Hagel. „Da hatten wir nur einen einzigen Raum für Veranstaltungen und Büroarbeit.“ Immer schon habe sie mit den direkt dahinter liegenden Räumen im Hof geliebäugelt, in denen eine Werbeagentur saß. Endlich ergab sich Gelegenheit zum Tapetenwechsel.

Mit 160 Quadratmetern hat sich das Platzangebot gut und gern verdreifacht. Gleich im Vorraum empfängt ein moderner Tischkicker die Besucher. Breite Fensterbänder lassen Tageslicht einströmen. Dieses fällt auf einen Konferenztisch mit Stühlen sowie eine gemütliche Sitzgruppe. Daneben liegt ein großzügig bemessenes Büro. Hinter einer undurchsichtigen Glaswand steht eine Lagerfläche zur Verfügung, wo weiteres Mobiliar verborgen ist. Und einer der ausgedienten Flutlichtstrahler vom Bieberer Berg, der später über dem Kickertisch hängen soll. Eine Küche ist vorhanden, indes wären Küchenzeile mit Herd und Spülmaschine willkommen. Kleiner Nachteil: Das WC ist eine Treppe höher.

Lesen Sie dazu auch:

Stadionverbot für elf OFC-Fans

Kickers droht hohe Strafe

„Erwin“ gibt sein Comeback

Fußballfans drängen Rechte zurück

Was im neuen wie im alten Domizil betrieben wird, ist angewandte Sozialarbeit mit Fußballbezug. Grundlage ist das Kinder- und Jugendhilfegesetz; die Kern-Klientel ist zwölf bis 27 Jahre alt; auch Ältere kommen. Breit ist das Spektrum ihrer Probleme: Der eine hat Stadionverbot bekommen, ein anderer den Job verloren, oder die Freundin ist schwanger. Hagel vereinbart Gesprächstermine.

Der Gemeinschaftsraum ist donnerstags geöffnet, soll es bald auch dienstags sein, vor allem für die Teilnehmer am Dienstags- (früher Mittwochs-)Kick für unter 18-Jährige im Soccers-Point. „Das ist ein beliebtes, weil niedrigschwelliges Angebot“, betont Hagel. Das von Mädels freilich weniger angenommen werde als von Jungs. Die Interessengemeinschaft Stadionbau trifft sich ebenso da wie die Redaktion des Fanmagazins „Erwin“, das sein Archiv dort untergebracht hat. Auch andere Gruppen können dort zusammenkommen. Daneben sind Veranstaltungen geplant, „wie sie bisher nicht möglich waren“, freut sich Hagel. Etwa, in Kooperation mit dem Fanclub „Die Goude“, eine Lesung des Ex-Fußballprofis Uli Borowka, der seine Alkoholsucht in Buchform verarbeitet hat. Weiterhin ist das Fanprojekt bei OFC-Heimspielen im Container unter der Waldemar-Klein-Tribüne präsent.

Reizfiguren des Fußballs

Sie bringen die Würze: Reizfiguren des Fußballs

Hagel, aus dem „Erwin“-Umfeld stammend, ist von Beginn an dabei, seit 2001. Anfangs teilte sie sich eine Stelle mit mehreren, inzwischen sind aus ihren 15 Stunden volle 38,5 geworden. Seit Kurzem unterstützt Sascha Djordjevic, Mitglied der Fanszene, sie auf einer 34-Stunden-Stelle. Gemeinsam sind die Kulturwissenschaftlerin und der Politikwissenschaftler sozialpädagogisch tätig. Personelle Aufstockung und Umzug sind dank einer Erhöhung der Mittel möglich. Statt wie bisher 38.000 Euro gibt das Land Hessen 53.000, dazu kommen 41.000 von der Stadt, macht 94.000. Dieselbe Summe steuert der Fußball (DFB und DFL) bei. Ergibt den Jahresetat: 188.000 Euro. Und wie ist die Resonanz? Antje Hagel sagt: „Die Polizei in Offenbach ist froh, dass es uns gibt! Und die jüngeren Kickersfans sind es auch.“

Pyrotechnik und Protestbanner

Pyrotechnik und Protestbanner

Kommentare