„Das letzte Aushängeschild“

Protestmarsch der Fans: Ist Offenbach Kickers?

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Rot-weiß dominierte, als OFC-Anhänger vom Rathaus durch die Innenstadt Richtung Stadion zogen, um für ihre Kickers zu kämpfen.

Offenbach - Ein emotionaler Moment auf der Bieberer Straße: Eine Mutter steht mit ihrem Buben am Fenster und schwenkt das Oberteil eines Trainigsanzugs der Kickers-Jugend wie eine Fahne. Unten jubeln die OFC-Anhänger. Von Stefan Mangold

Gut 600 rot-weiß gekleidete Fans sind auf dem Weg zum Spiel, das die Entscheidung zwischen „irgendwie kann es weiter laufen“ und „nichts geht mehr“ bringen wird. „Selbst wenn der OFC ganz unten ist, werde ich hingehen“, sagt Thomas. Den Worten des 30-jährigen Fans würden wohl die meisten zustimmen, die sich zuvor am Samstagvormittag am Rathaus versammelt haben, um später auf den „Bersch“ zu ziehen.

Die Fans fordern von der Stadt, die Miete für das Stadion zu senken. „Lieber 50 Prozent weniger Einnahmen, als gar keinen Euro“, rechnet Oliver Gottwald, der Sprecher der Protestler, vor. Gottwald argumentiert ins Megaphon, die Stadt profitiere von der Miete und den Rechten am Catering. Wenn Offenbach bundesweit medial eine Rolle spiele, dann meist als Pleitekommune. Die einstige Lederstadt sei Geschichte. Der Fußballverein sei das letzte Aushängeschild, „der letzte verbliebene Werbeträger“. Andere Städte hätten das erkannt und kämen durch Mietsenkungen den Clubs entgegen, nennt Gottwald Aachen, Dresden und Bielefeld als Beispiele.

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Kickers Offenbach gegen Wehen Wiesbaden (1:0): Die Stimmen zum Drittligaspiel und zum Klassenerhalt der Kickers. Vor der Partie haben zahlreiche OFC-Fans einen Protestmarsch durch Offenbach organisiert.

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Moralisch sieht der Redner die Politik ohnehin in der Pflicht. Die alte Geschäftsführung habe die Kickers GmbH, unter der die Profis firmieren, in die Pleite treiben können, obwohl die Stadt im Aufsichtsrat gesessen habe. „Mehr Einblick geht nicht“, nimmt Gottwald Bezug auf Stimmen, die als Voraussetzung für Hilfe Einsicht in die Bücher fordern.

Alles zum Stadion von Kickers Offenbach lesen Sie im Stadtgespräch

Derweil geht Petra Hutschenreiter (46) mit einer Liste rum: „Seit vierzig Jahren gehe ich ins Stadion. Als Kind nahm mich der Papa mit.“ Zu Zeiten, als die Kickers die Tabelle anführten, „in der Bundesliga“. Wer bei Hutschenreiter unterschreibt, spricht sich dafür aus, „dass die Stadt Offenbach alles, wirklich alles tut, um unserem OFC zu helfen“. Anschließend führt der Demonstrationszug von der Innenstadt über die Bieberer bis zum Stadion. Die Fans sind lautstark, aber diszipliniert.

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Vor dem Anpfiff steht Oberbürgermeister Horst Schneider auf dem Rasen und nimmt von Erik Schollenberger, Mitglied der Initiative „Wir für die Kickers“, 2300 Unterschriften entgegen. Zu den Forderungen schweigt das Stadtoberhaupt. Ihm geht’s erstmal um „drei Punkte, die wir unbedingt einfahren müssen“. In dieser Woche, kündigt Schneider an, würden mit dem Land und mit den Gläubigern Gespräche geführt.

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