Festakt am Bieberer Berg

Stadion fertig: Neue Ära für die Kickers

Offenbach - „Es ist ein ganz besonderer Tag“, unterstrich Peter Walther. „Die Kinder holen ihre Zeugnisse ab, wir bekommen unser Zeugnis von der Bauaufsicht, die Baufirma bekommt ihr Zeugnis von uns.“ Von Markus Terharn

Einen Tag früher als vertraglich vereinbart meldete der Chef von Stadtwerke-Holding und Stadiongesellschaft Vollzug. Nicht nur der Zeitplan, auch der Kostenrahmen wurde eingehalten. Von den 25 Millionen Euro kamen zehn Millionen vom Land, je fünf Millionen von Stadt, Stadtwerken und der Sparda-Bank Hessen als Namensgeber. „Ja, wir sind stolz“, bekannte Walther.

Wenn alle Zeugnisse so gut ausgefallen sind, dürfte es in Offenbach nur strahlende Gesichter gegeben haben. Etwas „wirklich Großes, etwas Neues, Beeindruckendes“ sei entstanden, befand Jochen Koch. Der Sportredakteur unserer Zeitung moderierte die Feier mit 300 Ehrengästen auf den VIP-Sitzen der Haupttribüne. Darunter waren die Drittliga-Profis der Kickers, denen ein strahlender Oberbürgermeister Horst Schneider verriet, was sein Hochgefühl noch steigern könnte: „Wenn der OFC hier ein entscheidendes Spiel gewinnt...“

Vorzeigeobjekt im „fußballhistorischen Mittelpunkt“

Eine Premiere feierte die Baufirma Bremer. Nie zuvor hatten die Paderborner ein Stadion dieser Größenordnung – 20 500 Plätze – errichtet. Mit dem Vorzeigeobjekt im „fußballhistorischen Mittelpunkt“ der Republik, jubelte Vorstandsvorsitzender Heinrich Hillebrand, seien sie „in der Bundesliga des Stadionbaus angekommen“.

Bremer-Projektleiter Heinz Hölscher begeisterte sich für die sichtbare Betonkonstruktion. In der heißen Phase seien 500 bis 600 Arbeiter auf der Baustelle gewesen, „und es ist nicht ein Unfall passiert“. Für die Kooperation mit den örtlichen Partnern fand der Ingenieur anerkennende Worte. „Es ging hart zur Sache, war aber fair, und hinterher haben wir ein Bier getrunken.“ Oder so: „Ich hab’ schon verdammt schlimmere Objekte gehabt!“

„Bersch“ hat eine Bankfiliale

Weitere Besonderheit: Als wohl einzige Fußballstätte in Deutschland hat der „Bersch“ eine Bankfiliale. „Offenbach passt zu uns“, meinte Sparda-Bank-Boss Jürgen Weber. „Der Traditionsverein wurde 1901 gegründet, wir 1903. Wir beide haben sehr treue Mitglieder.“ Auf die Frage, warum das Geldinstitut sich die Namensrechte gleich für zehn Jahre gesichert habe, erläuterte Weber: „Der Name Bieberer Berg ist tief eingebrannt in die Seele der Offenbacher. Man muss einen langen Atem haben, damit sich auch ,Sparda-Bank Hessen’ einbrennt.“ Die Lage „zwischen Bieber, Offenbach und Hinterland“ sei ideal.

Alles zum neuen OFC-Stadion lesen Sie im Stadtgespräch

OFC-Geschäftsführer Thomas Kalt erinnerte an die Diskussion über Um- oder Neubau. Mit dem alten Stadion seien viele Emotionen verbunden, „auch für mich persönlich“. Es habe aber nicht mehr die wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt. „In der Zweiten Liga haben wir einen Riesen-Wettbewerbsvorteil“, blickte Kalt in die ersehnte Zukunft. Die beginnt am Mittwoch, 18. Juli, mit dem Eröffnungsspiel gegen den befreundeten Erstligisten Bayer Leverkusen.

„Nur die Patina fehlt noch, die Gebrauchsspuren.“

Hätte man da irgendetwas noch besser machen können? „Nein“, sagte Stadionbauer Walther selbstbewusst. „Nur die Patina fehlt noch, die Gebrauchsspuren.“ Was sich gewiss von selbst regeln wird. Und wenn sich sportliche Erfolge einstellen, besteht die Möglichkeit, die Kapazität um einige 1000 Plätze zu erweitern. „Ich hoffe, dass wir in die Not kommen“, gab sich Walther optimistisch.

Dann schlug die Stunde der Unterhaltungselektronik. „Was wir lieben, bleibt. Was wir uns erträumen, kommt. Wir. Der Berg. Unser neues Stadion.“ So betitelten Loimi Brautmann und David Sarno ihren „Bergreport“. Die DVD mit Impressionen aus der Bauzeit und Stimmen von Beteiligten flimmerte gestern zum Abschluss über die Anzeigentafel. Zu haben ist der 28-minütige Film von Montag an zum Preis von 7,95 Euro exklusiv in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

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