Wegweiser seit 1968

+
Die Choreographie war beim Auswärtsspiel in Aalen zu sehen: der Offenbacher Eichbaum, gesäumt von den beiden Flutlichtmasten. Wenn’s nach der IG Stadionbau geht, bleibt das auch am Bieberer Berg so.

Offenbach - Offenbach klammert sich an seine Masten. Ganz Offenbach? Sicher nicht. Aber als Sprachrohr für den Erhalt der beiden Flutlichtmasten am Bieberer Berg sieht sich die Interessengemeinschaft Stadionbau. Von Martin Kuhn

Daher melden sich Volker Goll, Peter Rottschalk und Bernd Stevermüer neuerlich zu Wort. Ihre Botschaft, angelehnt an den Queen-Klassiker: „The Show MAST go on!“

Das Trio bezieht Stellung, hält anscheinend die offiziellen Bekundungen nicht für ausreichend. Im Etat für den Neu-Umbau (OB Horst Schneider) des Fußballstadions ist kein Geld für den Erhalt der Masten vorgesehen. Bei der künftigen Namensgeberin Sparda-Bank wird überlegt, wie sich Bewahrung und Versetzung eines der beiden Licht-Türme finanzieren ließen. Das kostet viel Geld. Vorsichtige Schätzung: 150.000 Euro pro Mast. Selbst diese Zahl ist für die Interessengemeinschaft kein Hindernis: „Wir sind gegen den Abriss dieser Wahrzeichen. Auch wenn die Flutlichtmasten für den Spielbetrieb nicht mehr benötigt werden, weil sie den modernen Anforderungen des Fernsehens nicht mehr gerecht werden, kann dies kein Grund sein, auf solch ein exponiertes Wahrzeichen zu verzichten.“

Der Konstruktion mit nur zwei Masten lag ein Konzept zu Grunde

Mehr zum Thema Stadion-Neubau lesen Sie in unserem Stadtgespräch.

Einen Blick wirft die IGS auch auf die Geschichte der Masten. Erbaut wurden sie 1968 durch die Wiesbadener Firma Richard A. Ott (welche nicht mehr existiert), die damals ein Monopol auf Zwei-Mast-Flutlichtanlagen hatte. Die weltweite erste Anlage dieser Art baute die Firma im schweizerischen Biel. Der neuartigen Konstruktion mit nur zwei Masten lag ein Konzept zu Grunde, bei dem die natürlichen Lichtverhältnisse durch die Technik wiedergegeben werden sollten. Ein Mast stand für die Sonne als wichtigste Lichtquelle, der zweite symbolisierte das normalerweise vom Himmel reflektierte Nebenlicht. An Spieltagen seien die Masten die „Leuchttürme“, die den Weg zum Stadion weisen. Die Initiative schreibt: „Aus manchem Fenster in der Nachbarstadt hat man sie im Blick und wird daran erinnert, dass es im benachbarten Offenbach das personifizierte Gegenmodell zum – nicht nur – mit Landesmitteln stets gesponserten Commerzbank-Club gibt. Die Flutlichtmasten sind zu einem, wenn nicht zu dem Wahrzeichen des letzten Jahrhunderts der Stadt geworden. Neben dem viel älteren Büsingpalais und dem Isenburger Schloss gibt es in Offenbach nichts Vergleichbares.“ Ihr, wenn auch etwas weit hergeholtes Argument für den Erhalt: „In Frankreich würde auch niemand den Eiffelturm abreißen.“ Und in Leverkusen, mit deren Anhängern eine lange Fanfreundschaft („Lack und Leder“) besteht, habe man erfolgreich für den Erhalt des Bayer-Kreuzes gekämpft.

Deswegen fordert die IGS die Politik, den OFC sowie alle Mitglieder, Sponsoren und Fans der Offenbacher Kickers auf, sich für den Erhalt beider Flutlichtmasten zu engagieren: „Mit dem Zweiten sieht man besser!“ Alle Möglichkeiten zur Finanzierung von Rettung und Unterhalt müssten geprüft und ausgeschöpft werden, etwa die Aufnahme in die Route der Industriekultur.

Die Kampagne zum Erhalt der Flutlichtmasten hat mittels phantasievoller Aktionen schon begonnen. Im Stadion – am Stand der IGS sowie der „Boys“ – gibt es fünf Aufklebermotive zum Verkauf. Ein Banner („The Show MAST go on“) sorgte bereits für Aufsehen. Die Choreographie in Aalen mit den zwei Masten und dem Stadtwappen wurde von den Besuchern der Dritten-Liga-Website zur „Choreo des Monates Februar“ gewählt – vor den Aktionen aus Dresden und Erfurt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare