„Steuergelder in eine private GmbH gesteckt“

Kickers Offenbach: Kleine und größere Schäden

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Mit Waldemars Hilfe: Auf der Tribüne dominierte Rot-Weiß, und die Fans erinnerten mit einem Foto an den verstorbenen OFC-Ehrenpräsidenten Waldemar Klein.

Offenbach - „Ich finde es nicht in Ordnung, dass wir Steuergelder in eine private GmbH stecken, aber das darf man ja nicht laut sagen.“ Von Matthias Dahmer

Der Mann aus dem Rathaus kommt am Montagabend zur von Kickers-Fans umringten Pressebank im Sitzungssaal des Stadtparlaments und spricht mit leiser Stimme aus, was mittlerweile nicht wenige Offenbacher denken. Unten in der Bütt bemühen sich kurz darauf die Befürworter städtischer Hilfe zu erklären, wie es gehen kann, dass eine Pleite-Stadt, in der es an allen Ecken und Enden fehlt, einem Pleite-Verein kräftig unter die Arme greifen will.

Es fallen große Worte bei dieser denkwürdigen Sondersitzung zugunsten des OFC. Von „Emotionalität versus Rationalität“ und Ähnlichem ist die Rede. Am Ende beugt man sich mehrheitlich einem Umstand, für den es im Englischen einen schönen Ausdruck gibt und der eingefleischten Kickers-Fans gefallen dürfte: „Too big to fail“ – zu groß, um es scheitern zu lassen. So werden in der Finanzwelt Unternehmen eingestuft, die so groß, so systemrelevant sind, dass ihre Insolvenz für die Volkswirtschaft teurer wäre als die gemeinschaftlichen Kosten für ihre Rettung. Genau das gilt derzeit für den OFC.

Stadiongesellschaft (SBB) würde Hauptmieter verlieren

Er ist systemrelevant fürs fragile Finanzgebäude der Stadt Offenbach. Anders ausgedrückt: Gehen die Kickers pleite, verliert die städtische Stadiongesellschaft (SBB) ihren Hauptmieter für diese nagelneue Sonderimmobilie auf dem Berg, deren mögliche anderweitige Nutzung äußerst begrenzt ist. Geschätzter Schaden dann: zehn bis zwölf Millionen Euro.

Dieses Szenario müsse von der Stadt abgewendet werden, sind sich mit Ausnahme der CDU – von der später noch zu schreiben sein wird – alle einig. In der Tat ist das die einzige Begründung, die zieht. Den kleineren Schaden von rund 1,8 Million Euro in Kauf nehmen, um den viel größeren abzuwenden. Immerhin: Dass es nur darum geht und nicht um eine weitere Tränendrüsen-Nummer für den Traditionsverein – das machen Fraktionssprecher und hauptamtlicher Magistrat in ihren Redebeiträgen unmissverständlich klar. Betretene Mienen bei den rund 200 Kickers-Anhängern lassen vermuten, dass die Botschaft angekommen ist.

Die Schaden-Nutzen-Abwägung

Leider ist diese Schaden-Nutzen-Abwägung auch so etwas wie ein Totschlagargument. Damit kann beispielsweise niedergebügelt werden, was die Union in der Begründung ihrer Ablehnung thematisiert: Dass die öffentliche Stütze für die Kickers ein fatales Signal für die anderen Vereine in der Stadt ist. Dass die zum Teil auf sportlichen Erfolg oder auf adäquate Ausstattung verzichten müssen, weil das Geld fehlt. Als zahlenmäßig passendes Beispiel führt die CDU einen lange ersehnten Kunstrasenplatz im Sportzentrum auf der Rosenhöhe an. Um die 600.000 Euro würde der kosten – entspricht fast exakt den Altschulden, welche die SBB den Kickers nun erlässt.

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Der pflichtgemäß empörte Einwand des Oberbürgermeisters, die Kickers-Hilfen hätten mit der Sportförderung nichts zu tun, sticht indes nicht. Da mag man juristisch noch so tricksen, die OFC-Subventionen noch so tief in nicht schutzschirmrelevanten kommunalen Untergesellschaften verstecken – am Ende ist es doch städtisches Vermögen, welches da verbraten wird, welches am Ende irgendwo fehlt. Erstaunen darf die Kritiker zudem, dass der Regierungpräsident diese Tricks offenbar toleriert. Noch am Montagvormittag, so verkündet der OB am Abend im Parlament, habe man sich in Darmstadt der Nichteinmischung der Aufsichtsbehörde versichert. Der RP, so munkeln Insider, sei froh gewesen, die Verantwortung los zu sein und nicht über die OFC-Hilfen entscheiden zu müssen.

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Ob die hart mit der OFC-Spitze ins Gericht gehende CDU mit ihrer auch innerhalb der Fraktion wohl äußerst umstrittenen Ablehnung Verantwortung gezeigt hat, wird sich weisen: Wenn’s so kommt, wie in Medien spekuliert wird, dass der DFB nämlich den Kickers letztlich die Lizenz verweigert und die Union möglicherweise über ihre Wiesbadener Kanäle schon am Montag Wind davon bekommen hat, dann war die Verweigerung, die umgehend Beschimpfung von Kickers-Fans eintrug, ein kalkulierbares und begrenztes Risiko.

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