OFC gegen Wehen Wiesbaden

Fan-Randale vor dem Kassenhaus 

Offenbach - Nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem  Spiel. Der Drittligakick jedoch zwischen Offenbach und Wehen-Wiesbaden hat ein (juristisches) Nachspiel. Von Martin Kuhn

Auf seiner Internetseite ruft der Hauptstadt-Sportverein auf: Zeugen gesucht! Der Verein will das Verhalten aller Beteiligten, überprüfen lassen, auch das der Polizei. Die meint, sie habe wahrlich keine leichte Aufgabe: „Irgendwie sind wir doch immer schuld“, heißt es. In der Zentrale berichtet man von Wiesbadener Fans, die gar nicht wegen des Spiels kamen, sondern um Rabatz zu machen. Und sich jetzt beschweren, dass sie zu hart angefasst worden seien.

Was ist am Samstagnachmittag passiert? Die Aufklärung dürfte zur Sisyphusarbeit werden. Fakt ist: Die Polizei hat dieses Hessen-Derby mit mehr Beamten als üblich begleitet. Ein erster Zwischenfall ereignet sich am Main, als ein Schiff mit etwa 150 Fans des Sportvereins Wehen Wiesbaden (SVWW) festmacht. Zwei Offenbacher sollen eine Wiesbadener Fahne gestohlen und Fersengeld gegeben haben. Polizeisprecher Henry Faltin: „Zwei Anzeigen wurden geschrieben.“

Angelegenheit eskaliert

Die SVWW-Gruppe wird mit einem Sonderbus zum Sammelpunkt für auswärtige Anhänger gefahren, dem Parkplatz Bierbrauerweg.  Auf dem Weg durch den Leonhard-Eißnert-Park eskaliert die Angelegenheit: Ein Beamter geht nach einem Tritt zwischen die Beine zu Boden, muss ins Krankenhaus gebracht werden. Faltin: „Natürlich haben die Kollegen die Gruppe dann enger und näher begleitet.“ Die wahrscheinliche Polizeitaktik: Der Treter sollte erst im Stadion aus der Gruppe geholt werden.

Zunächst ist jedoch ein anderer Wiesbadener dran; er soll einen Beamten beleidigt haben. Obwohl die Offenbacher Polizisten mit Wehener Fanbeauftragten und szenekundigen Beamten verhandeln, halten sich nicht alle an die Vereinbarungen: Gut 30 Fans weigern sich, wohl das weitere Vorgehen der Polizei voraussehend, ins Stadion zu gehen. So sollte offenbar die Festnahme des Treters verhindert werden. Es folgen Handgreiflichkeiten, Abdrängen, Schlagstöcke, Pfefferspray. Zwei Polizisten erhalten Schläge ins Gesicht, einer davon wird am Jochbein so schwer verletzt, dass er ebenfalls in die Klinik muss. Ein Wiesbadener wird am Ellbogen verletzt, ein Ordner an der Hand, als die Stadiontore geschlossen werden, um zu verhindern, dass die Gruppe  „unkontrolliert eindringt“. Es folgen drei weitere Festnahmen: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

So feiert der OFC den Klassenerhalt

So feiert der OFC den Klassenerhalt

Ein Indiz für die Polizei, dass ein Teil der Gäste wenig am Ausgang der Drittligapartie interessiert war: Noch vor der Halbzeit verlassen weitere den Gästeblock, um sich der rabiaten Gruppe vor der Kasse anzuschließen.

Auf der Internetseite des Vereins heißt es: „Sobald dem SV Wehen Wiesbaden auf Grund dieser Zeugenaussagen und Informationen weitere Erkenntnisse der Sachlage vorliegen, behält sich der Verein alle notwendigen Schritte vor.“ Von der Offenbacher Polizei werden sie nichts erhalten: „Unsere Unterlagen werden wohl vor Gericht gebraucht.“

OFC gegen Wiesbaden: Demo und Klassenerhalt

OFC gegen Wiesbaden: Demo und Klassenerhalt

Kickers Offenbach gegen Wehen Wiesbaden (1:0): Die Stimmen zum Drittligaspiel und zum Klassenerhalt der Kickers. Vor der Partie haben zahlreiche OFC-Fans einen Protestmarsch durch Offenbach organisiert.

Zum Video

Rubriklistenbild: © Symbolbild/dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare